Interview

„Volatilitäts-Fonds bieten eine sinnvolle Ergänzung zu traditionellen Anlageklassen“

Stephan Eckhardt, Investment-Spezialist für Volatilität bei Amundi, zur Funktionsweise und zu den Chancen der Fonds

Das richtige Timing ist bei den Volatilitätsfonds von Amundi zwar Fondsmanagersache. Dennoch biete das aktuell niedrige Volatilitätsniveau einen guten Einstiegszeitpunkt meint Stephan Eckhardt, Investment-Spezialist für Volatilität bei Amundi.

Amundi hat zwei Volatilitäts-Fonds mit direktionaler Strategie im Angebot. Wie investieren die Fonds in Volatilität?

Stephan Eckhardt, Investment-Spezialist für Volatilität bei Amundi

Ganz klassisch. Wir kaufen Aktienindexoptionen und hedgen die unerwünschten Risiken, sprich Index- und Zinsrisiken, raus. So können wir direkt auf die implizite, also die am Markt erwartete Volatilität setzen. Wir investieren nur in Indexoptionen. Diese haben den Vorteil, dass sie börsennotiert und sehr liquide sind. Für den Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities setzen wir auf Optionen auf den Euro Stoxx 50. Beim Amundi Funds Absolute Volatility World Equities nutzen wir einen Mix der großen globalen Aktienindizes. Grundsätzlich kaufen wir Volatilität, wenn sie niedrig ist, und verkaufen, wenn sie hoch ist.

Das versuchen viele auch mit Aktien – und scheitern.

Volatilität funktioniert anders als Aktien. Während der Aktienmarkt langfristig nach oben geht, ist Volatilität trendlos und bewegt sich letztlich seitwärts. Sie kehrt immer wieder zu einem Durchschnittsniveau zurück. Wir wissen also, wenn die Volatilität deutlich unter diesem Level liegt, dass sie irgendwann wieder steigt. Das gleiche gilt andersherum bei sehr hohen Werten. Ein Investmentraster gibt uns vor, wie stark das Volatilitäts-Exposure bei bestimmten Volatilitätshöhen sein sollte und ab wann wir short gehen. Allerdings haben unsere Fondsmanager hier Spielraum. Dieser bietet die Möglichkeit für aktives Management und erlaubt, dass sie ihre Markteinschätzungen umsetzen und den Kostenfaktor mit berücksichtigen können.

Zum Beispiel?

Nehmen wir die aktuelle Situation seit Jahresanfang. Die Volatilitätserwartungen sind weiter gesunken. Nach dem Raster müsste unser Vega bei 2 liegen. Das Vega misst, wie stark das Portfolio auf Volatilitäts-Veränderungen reagiert. Steigt die Volatilität um 2 Prozentpunkte an, hätten wir bei einem Vega von 2 ein Plus von 4 Prozent. Im Euro-Fonds haben wir allerdings nur ein Vega von rund 1,4 per Ende Februar. Die Untergewichtung ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Fondsmanager vor den Frankreich-Wahlen keinen eindeutigen Grund für eine steigende Volatilität sehen. Andererseits können sie so durch das geringere Exposure die Kosten reduzieren.

Was sind das für Kosten?

Bei Optionen gibt es einen Zeitwertverlust, daneben entstehen Rollkosten. Wir investieren durchschnittlich in einjährige implizite Volatilitäten. Beispielhaft dargestellt kaufen wir eine 15-monatige Option und verkaufen sie sechs Monate später. In der Regel bekommen wir weniger für die neunmonatige Option als wir für die neue 15-monatige Option zahlen müssen. Allerdings hängen die Kosten stark vom Marktumfeld ab. 2016 beispielsweise hatte der Euro Stoxx 50 im Durchschnitt eine inverse Laufzeitenstruktur, so dass wir keine Kosten hatten. Zudem war die historische Volatilität im Durchschnitt höher als die einjährige implizite Volatilität.

Welche Rolle übernehmen die Volatilitäts-Fonds im Portfolio?

Zum einen diversifizieren sie das Portfolio, da sie meist negativ mit den Aktienmärkten korrelieren. Nur wenn wir short gehen, haben wir eine hohe positive Korrelation mit den Aktienmärkten. Allerdings gehen wir auch nur short, wenn wir vom hohen Niveau sinkende Volatilitäten erwarten und die gehen meist mit steigenden Aktienkursen einher. Die meiste Zeit sind die Fonds long investiert und dann stellen sie eine sinnvolle Ergänzung dar, wenn es an den Aktienmärkten abwärts geht. Zum anderen können die Fonds aber auch Dank des aktiven Managements Rendite liefern, wenn das Marktumfeld es erlaubt.

Sind sie als langfristiges Investment geeignet?

Ja. Im Gegensatz zu ETFs auf Volatilitätsindizes wie den Vix, die sich nur als taktisches Investment eignen, können unsere Fonds als langfristige Anlage genutzt werden. Die taktischen Entscheidungen übernehmen die Fondsmanager. Die meisten unserer Investoren haben eine langfristige Allokation, die sie regelmäßig überprüfen und je nach Marktlage erhöhen oder reduzieren. 2016 hatten wir bis Oktober starke Zuflüsse. In diesem Jahr verzeichnen wir bislang eher Abflüsse. Die zurzeit niedrige Volatilität bietet aber einen guten Einstiegszeitpunkt, wenn man steigende Marktunsicherheit für die nahe Zukunft beziehungsweise für 2017 erwartet.


Marktkommentar

Volatilität im Tiefflug

Extrem steigen sollte die Volatilität 2017 nicht, aber Volatilitätssprünge werden Renditechancen liefern


Das aktuell niedrige Volatilitätsniveau bietet Potenzial. Auch wenn die Amundi-Experten für 2017 nicht mit einem extremen Anstieg rechnen, dürfte es schon einige Sprünge geben – und die können die Manager der Volatilitäts-Fonds nutzen.

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olatilität ist ein Angstfaktor für einige Investoren, andere sehen im Auf und Ab vor allem Einstiegschancen. Volatilität ist aber auch eine Asset-Klasse. Hierbei geht es nicht um die realisierte Volatilität, also nicht um die tatsächlich erfolgten Schwankungen, sondern um die erwartete Schwankungsbreite. Diese implizite Volatilität ist investierbar, zum Beispiel über ETFs auf Volatilitätsindizes oder über Volatilitäts-Fonds, wie den auf die Eurozone fokussierten Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities oder den globalen Amundi Funds Absolute Volatility World Equities.

2016: Niedrige Volatilität, aber hohe Zuflüsse

2016 war ein durchwachsenes Jahr für Volatilitäts-Investoren. Gleich zu Jahresanfang keimten Sorgen um China und die Weltwirtschaft auf. „Die Spitze für die einjährige Volatilität haben wir 2016 Anfang Februar gesehen“, sagt Eckhardt. Das Brexit-Votum war trotz des überraschenden Ausgangs eine Enttäuschung aus Volatilitäts-Investoren-Sicht. Nicht einmal die Februar-Werte wurden erreicht, auch nicht nach der Wahl von Donald Trump. „Die Marktteilnehmer kannten die Risiken und haben sich entsprechend abgesichert. Die höchsten Ausschläge bringen die nichtvorhersehbaren Ereignisse“, so Eckhardt. Dennoch war die Unsicherheit 2016 relativ hoch und nicht nur die Amundi-Fonds verzeichneten hohe Zuflüsse bis ins dritte Quartal.

Seit Jahresanfang ist die Volatilität im Tiefflug. „Für den Euro Stoxx 50 sank sie in den ersten anderthalb Monaten des Jahres nochmals um 140 Basispunkte. Noch niedriger ist sie in den USA“, so Eckhardt. Das liege aber nicht nur an der Stimmung, sondern habe auch technische Gründe: „Die Indexvolatilität setzt sich zusammen aus der Volatilität der Einzelwerte und den Korrelationen zwischen diesen Einzelwerten. Nach dem Wahlsieg Trumps hat es eine starke Sektorrotation gegeben. Damit einhergehend sind die Korrelationen zwischen den Sektoren und den einzelnen Aktien auf ein Acht-Jahres-Tief gesunken. Und damit ist auch die Volatilität des Index gefallen, obwohl die Volatilität der Einzelwerte sich kaum verändert hat.“

Entwicklung der impliziten Ein-Jahres-Volatilität
einjährige implizite Volatilität Euro Stoxx 50
einjährige implizite Volatilität global (50% S&P 500, 30% Euro Stoxx 50, 20% Nikkei 225)
Quelle: Amundi

2017: Aktuelles Volatilitätsniveau bietet viel Potenzial nach oben

Für den Rest des Jahres rechnen die Amundi-Experten zwar nicht mit einer radikalen Änderung des Volatilitäts-Bilds, sondern eher mit einer Seitwärtsentwicklung. „Wir erwarten aber immer wieder zwischenzeitliche Volatilitäts-Sprünge, sei es durch die anstehenden Wahlen in Europa, durch sich ändernde Makro-Faktoren oder durch die Zentralbankpolitik“, so Eckhardt.

Und wenn sich die Volatilität bewegt, können die Fondsmanager auch Gewinne erwirtschaften. „Unsere Erwartungen haben wir für 2017 dennoch etwas zurückgeschraubt auf eine Bruttorendite zwischen 1 und 5 Prozent“, sagt Eckhardt. Durch die derzeit niedrigen Volatilitäts-Niveaus gibt es jedoch viel Potenzial nach oben.

Neben den Renditechancen bleibt der Diversifikationseffekt, falls die Aktienmärkte stark einbrechen. In schwierigen Börsenphasen schneiden die Fonds in der Regel gut ab und bringen etwas Ruhe ins Portfolio.

Fonds im Porträt

Von den Ängsten der Anleger profitieren

Der Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities und sein globales Pendant nutzen die Volatilität der Aktienmärkte um Gewinne zu erzielen – und sichern gleichzeitig gegen Kurseinbrüche ab.



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ilbert Keskin mag Angst. Ihm gefällt es, wenn die Marktteilnehmer nervös werden. Denn dann steigt die erwartete (oder auch implizite) Volatilität an den Aktienmärkten. Und davon profitieren seine beiden direktionalen Fonds: der Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities und der Amundi Funds Absolute Volatility World Equities. Bei den zwei Fonds verfolgt er die gleiche Volatilitätsstrategie – und wird dabei von Eric Hermitte unterstützt.

Grundlage der Strategie sind Optionen auf Aktienindizes. Deren Preis bestimmt sich durch den zugrundeliegenden Wert, also den Index, den Ausübungskurs, die Restlaufzeit, das Zinsniveau und die implizite Volatilität. Keskin sichert die unerwünschten Aktien- und Zinsrisiken über Futures ab und erhält so ein reines Volatilitätsexposure. Im Fokus steht dabei die auf Sicht eines Jahres erwartete Volatilität.

Spielraum für die eigene Meinung

Wie stark das Exposure ist, hängt von der aktuellen Höhe der impliziten Volatilität ab, aber auch von der Markteinschätzung der Fondsmanager. Ein Raster gibt vor, wie hoch das Vega bei welcher erwarteten Schwankungsbreite sein sollte. Das Vega misst, wie stark der Fonds auf ein Sinken oder Ansteigen der Volatilität reagiert. Allerdings folgt Keskin nicht ausschließlich dem System, sondern er hat einen Spielraum, den er ständig nutzt. Je nach Einschätzung der Marktaussichten positioniert er sich etwas vorsichtiger oder aggressiver, als es das Investmentraster vorgibt.

Beim Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities setzt er auf Optionen auf den Euro Stoxx 50 und hat zwei Performance-Lieferanten. Der erste ist die mittelfristige Bewegung. Sie profitiert davon, dass sich Volatilität immer wieder auf ihr Durchschnittsniveau zubewegt. Daher kauft Keskin bei niedrigen Volatilitäten Long-Positionen und geht bei extrem hohen Volatilitäts-Werten eine Short-Position ein. Der Fonds hat jedoch eine klare Long-Bias und ist damit zugleich eine Absicherung gegen fallende Aktienkurse.

Stärkster Rendite-Motor: die Volatilität der Volatilität

Der zweite und stärkere Rendite-Motor ist die Volatilität der Volatilität. Hier versucht Keskin täglich von Veränderungen der Volatilitäts-Werte zu profitieren und passt sein Vega täglich an. Dem Fondsmanager gefällt es daher nicht nur, wenn die Volatilität steigt, sondern auch wenn die Risikotoleranz der Marktteilnehmer von Tag zu Tag schwankt, wenn sie mal nervös, mal zuversichtlich sind und so das Volatilitätsniveau in Bewegung halten.

Beim global ausgerichteten Amundi Funds Absolute Volatility World Equities hat Keskin eine weitere Renditequelle: die geografische Allokation. Sein Vega-Raster richtet sich nach einem Korb aus einjähriger Volatilität aus 50 Prozent S&P 500, 30 Prozent Euro Stoxx 50 und 20 Prozent Nikkei 225. Von diesen Werten kann er abweichen und USA bis zu 80 Prozent, Euroland bis zu 60 Prozent und Japan bis zu 40 Prozent gewichten.

Zurzeit sind die USA mit rund 38 Prozent – wie auch schon 2016 – recht deutlich untergewichtet. „Die Kosten im S&P 500 sind vergleichsweise hoch und die Schwankungen der Volatilität niedriger. Wir erwarten dort derzeit auch keine Volatilitäts-Spitzen“, erklärt Stephan Eckhardt, Investment-Spezialist für die Volatilitäts-Fonds, die Positionierung. Außerdem würden große Marktbewegungen in den USA ohnehin auf Europa und andere Regionen überschwappen. „Dennoch halten wir die S&P-500-Volatilität für interessant, denn sie ist sehr niedrig und kann damit am stärksten steigen“, so Eckhardt.

Neben den drei großen Indizes wurde kurz vor dem Brexit-Votum ein Exposure im Hongkonger Hang Seng eröffnet, und seit Dezember sind auch Optionen auf den Hang Seng China Enterprises im Portfolio. „Die Indizes sind interessant aufgrund der niedrigen Kosten und ihr Verhalten gegenüber dem Nikkei. Zudem könnten die Verhandlungen der Trump-Administration mit China erneut zu Unsicherheiten führen“, so Eckhardt.

Unternehmensporträt

Die Nummer 1 der europäischen Asset Manager

Amundi Asset Management verwaltet mehr als 1.000 Milliarden Euro in aktiven und passiven Strategien

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it weltweit über 1.000 Milliarden Euro ist Amundi der größte Vermögensverwalter Europas in Bezug auf das verwaltete Vermögen (Quelle: IPE „Top 400 Asset Managers“, Juni 2016). Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Paris, Frankreich, und verfügt über sieben Investmentzentren an den wichtigsten Finanzplätzen der Welt. Amundi überzeugt ihre Kunden durch fundiertes Research und Markterfahrung. Mit Standorten in über 30 Ländern bietet Amundi Anlagelösungen für die Bedürfnisse von 100 Millionen Kleinanlegern, und entwickelt innovative und leistungsstarke Produkte für jeweils mehr als 1.000 institutionelle Anleger und Vertriebspartner, welche speziell auf deren Anforderungen und Risikoprofil zugeschnitten sind. Amundi ist seit November 2015 an der Börse notiert.

FONDSPALETTE & FACTSHEETS



Fondspalette

Name ISIN Auflegung Volumen in Mio. Perf. 3 Jahre
AMUNDI FUNDS ABSOLUTE VOLATILITY EURO EQUITIES - IE LU0272941385 13. November 2006 2.560,16 EUR 0,8% Info
AMUNDI FUNDS ABSOLUTE VOLATILITY WORLD EQUITIES - IE LU0319687041 15. November 2007 962,06 USD -9,01% Info
Die Wertentwicklung bezieht sich auf die Anteilsklasse D.

Factsheets

AMUNDI FUNDS ABSOLUTE VOLATILITY EURO EQUITIES - IE

AMUNDI FUNDS ABSOLUTE VOLATILITY WORLD EQUITIES - IU

Rendite-Matrix

Amundi Fds Absolute Vol Euro Eqs IE-D

Rendite-Matrix

Amundi Fds Absolute Vol World Eqs IU-D