Europäische Small Caps

„2018 wird ein schwierigeres Aktienjahr“

Dieses Jahr dürften die Kursschwankungen an den Aktienmärkten zunehmen. Das bietet Kaufchancen bei europäischen Small Caps.

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as größte mit Small Caps verbundene Risiko sieht Fondsmanager Nils Bartram darin, als Langfristanleger keine Small Caps im Portfolio zu haben. Das zeigte sich auch wieder im vergangenen Jahr. 2017 war allgemein ein gutes Jahr für Aktien – für Bartrams Fonds, den H&A Aktien Small Cap EMU, war es besonders gut. Der Euroland-Nebenwertefonds erzielte eine Performance von gut 30 Prozent, und damit nochmal gute 8 Prozent mehr als der MSCI EMU Small Cap Index. Die Jahresperformance des Euroraum-Standardwerte-Index Euro Stoxx 50 von 6,5 Prozent wirkt dagegen schon fast ein wenig kümmerlich.

Sowohl die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank als auch die gute Konjunktur und die starken Bilanzen der Unternehmen haben für ein investitionsfreundliches Umfeld gesorgt. „Hiervon profitieren Small Caps mit innovativen Produkten und Produktionsverfahren besonders“, sagt Bartram. Zum Anlageerfolg haben vor allem Technologietitel wie Aixtron, Jenoptik oder Wirecard beigetragen, aber ebenfalls Unternehmen aus „alten“ Branchen wie der Druckmaschinenindustrie oder der Chemie.

Stockpicking gewinnt an Bedeutung

Auch ins neue Jahr ist Bartram gut gestartet. Die Rückschläge im Februar hielten sich in Grenzen. Für den Gesamtmarkt ist er jedoch weniger optimistisch als noch im vergangenen Jahr. 2018 wird seiner Ansicht nach deutlich schwieriger werden als 2017. „Es wird nicht mehr ausreichen, einfach den Markt zu kaufen“, ist Bartram überzeugt. Ein Grund für seine Skepsis sind die steigenden Zinsen in den USA. „Der wirtschaftliche Datenkranz dort ist exzellent, das dürfte sich auch nicht so schnell ändern. Das Thema Zinserhöhung wird uns daher 2018 begleiten“, so der Fondsmanager. Wenn die langfristigen Zinsen ein für risikoaverse Anleger interessantes Niveau erreichen, dürften diese sich aus ihren risikoreicheren Assets, die sie oft nur gezwungener Maßen erworben haben, verabschieden.

Die dadurch entstehenden Kursschwankungen sieht Bartram aber nicht nur als Gefahr, sondern vor allem als Chance. In einem solchen Umfeld gewinnt gekonntes Stockpicking an Bedeutung. Nach der jahrelangen Hausse gibt es auch unter den europäischen Nebenwerten nicht mehr sonderlich viele Titel, die stark unterbewertet sind und ein deutliches Aufwärtspotenzial haben, wie Bartram es sucht. Statt allzu große Kompromisse zu machen, wartet er lieber mal ab, bis die Börse korrigiert und es eine Neubewertung für einige Titel gibt. „Wir schauen dann nach Aktien, die relativ gesehen attraktiv sind. Wir suchen Unternehmen, bei denen der Markt nach unten übertrieben hat“, erklärt Bartram. Korrekturen nutzt er ebenfalls gern, um die Werte im Fonds günstig nachzukaufen. Was „günstig“ ist, misst er am fairen Wert des Unternehmens, den er zuvor ermittelt hat. Wenn der Kurs einer Aktie ohne fundamentalen Grund deutlich unter den fairen Wert gesunken ist, sieht er dies als Kaufgelegenheit.

Deutschland im Fokus

Der Fondsmanager setzt auf eine Vielzahl von Sektoren, bei der regionalen Auswahl legt er jedoch einen klaren Schwerpunkt auf Deutschland. Dies spiegelt sich auch in seinen Top-Ten-Werten wider, die allesamt aus seiner Heimat stammen. Dazu zählt beispielsweise Koenig & Bauer. Der Würzburger Druckmaschinenhersteller hat einen schmerzhaften Restrukturierungsprozess hinter sich und zeigt jetzt vor allem Wachstumspotenzial in den Bereichen Verpackungs-, Digital- und Spezialdruck. Auch United Internet aus Montabaur gehört zu den am stärksten gewichteten Werten. „Das Unternehmen sollte vom Zusammengehen mit dem vormaligen Wettbewerber Drillisch profitieren und Synergien nutzen können“, so Bartram. Mit seinem konzentrierten Portfolio fürchtet er 2018 nicht: „Wir hoffen, den positiven Trend der ersten zwei Monate auch im Rest des Jahres fortschreiben zu können.“


Interview mit Nils Bartram, Fondsmanager bei Hauck & Aufhäuser

„Deutsche Unternehmen haben einen Wettbewerbsvorteil“

Nils Bartram, Fondsmanager des H&A Aktien Small Cap EMU, über akribische Analysen, Skaleneffekte von Software und Heimatliebe.

2017 war mit rund 30 Prozent Performance ein sehr gutes Jahr für den H&A Aktien Small Cap EMU. Wie sind Sie ins neue Jahr gestartet, und wie haben Sie den Februar überstanden?

Nils Bartram | Hauck & Aufhäuser Nils Bartram

Nils Bartram:Wir sind sehr zufrieden, unsere Aktienauswahl hat uns bislang eine positive Performance beschert. Zwar hatten wir Anfang Februar auch einen leichten Rückgang, aber nicht so stark wie die Benchmark. Seit Jahresanfang bis Ende Februar lagen wir 3,6 Prozent im Plus, damit haben wir den MSCI EMU Small Cap um 2,95 Prozentpunkte geschlagen.

In welche Art von Unternehmen investieren Sie?

Bartram: Wir investieren im Euroraum, unsere harte Grenze liegt bei 10 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Das scheint für einen Small-Cap-Fonds zunächst hoch. Liegt die Grenze aber deutlich tiefer, versperrt man sich in Hausse-Phasen den Zugang zu gut laufenden qualitativ hochwertigen Unternehmen. Tatsächlich haben jedoch viele Unternehmen im Fonds eine Marktkapitalisierung von deutlich unter 10 Milliarden Euro. Wir haben keine spezielle Branchenfokussierung. Wir mögen unterbewertete Aktien mit überdurchschnittlichem Kurspotenzial. Wichtig ist, dass wir die Geschäftsmodelle verstehen. Gerade bei Nebenwerten ist es sehr wichtig, die individuellen Einflussfaktoren auf die einzelnen Unternehmen zu kennen, sonst kann man sehr schnell sehr viel Geld verlieren.

Gibt es dennoch Branchen, die Sie mehr mögen als andere?

Bartram: Wir mögen traditionell sehr gern alles, was mit Software zu tun hat. Software ist ein hochskalierbares Produkt. Am Anfang steht einmalig der Entwicklungsaufwand, bei starkem Verkauf steigt die Marge enorm. Zudem muss Software gewartet werden. Dadurch haben die Unternehmen einen wiederkehrenden Einnahmensstrom aus den Wartungserlösen. Das macht Software-Unternehmen zwar nicht immun, aber doch resistenter gegen Konjunkturschwankungen.

Und was mögen Sie nicht?

Bartram: Wir investieren nicht in Biotech. Der Hauptgrund hierfür ist, dass ich mich schlichtweg damit nicht auskenne. Zudem ist man von vielen Faktoren abhängig, die für Analysten schwer absehbar sind. Die Risiken einer solchen Blackbox werden nicht wirklich honoriert. Wir bevorzugen Geschäftsmodelle, die wir verstehen.

Ein Großteil des Fonds, zurzeit rund 75 Prozent, ist in Deutschland investiert. Reine Heimatliebe?

Bartram: Wir haben schon immer einen Home Bias und werden diesen wohl auch künftig haben. Im Nebenwertebereich sind deutsche Unternehmen einfach sehr gut aufgestellt. Das fängt mit der Finanzierungsstruktur an. Deutsche Firmen haben im Vergleich zu angelsächsischen, aber auch französischen und südeuropäischen Ländern eine deutlich konservativere Bilanz. Die Fremdkapitalquoten sind geringer. Aber auch mit makroökonomischen Argumenten überzeugt Deutschland. Vor der Wiedervereinigung und der Einführung des Euro war der deutsche Binnenmarkt relativ klein. Die Unternehmen waren schnell gezwungen in Auslandsmärkte zu investieren, getrieben von der starken D-Mark. Diese schnelle Internationalisierung hat sich anscheinend in den Genen festgesetzt. Deutsche Unternehmen erreichen das Ziel, den Weltmarkt zu beliefern, sehr viel schneller als andere. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Ihre Cash-Quote liegt bei rund 15 Prozent, sind Sie vorsichtig?

Bartram: Wir sehen die Kasseposition nicht als ein strategisches Element. Für Nebenwertefonds ist eine höhere Cash-Quote normal, da es gerade in schwächeren Marktphasen zu Anteilsrückgaben kommen kann. Nichts macht weniger Spaß, als in einem fallenden Markt Nebenwerte verkaufen zu müssen. Zurzeit ist die Cash-Quote auch deshalb relativ hoch, da wir nicht so viele kaufenswerte Titel finden und gleichzeitig Mittelzuflüsse verzeichnen.

Fondsporträt H&A Aktien Small Cap EMU

Nebenwerte in der Hauptrolle

Der H&A Aktien Small Cap EMU bietet ein konzentriertes Portfolio aus Euroland-Nebenwerten mit Schwerpunkt auf den deutschen Mittelstand.

Foto: Sid Leigh/ Unsplash

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ils Bartram ist seinem Fonds treu. Schon 15 Jahre managt er erfolgreich den H&A Aktien Small Cap EMU, viele Jahre als europäischen All-Cap-Aktienfonds. Zu Anfang 2014 wurde das Anlagegebiet auf den Euroraum begrenzt und der Fokus auf kleinere und mittlere Unternehmen verlagert. „Viele Investoren wollen keine Fremdwährung in Fonds. Zudem haben wir festgestellt, dass unser Stockpicking-Ansatz bei Nebenwerten deutlich besser funktioniert als bei den großen Blue Chips“, begründet Bartram den Strategiewechsel. Dieser hat sich bislang ausgezahlt, der Fonds liegt seit Umstellung klar vor seinem Vergleichsindex, dem MSCI EMU Small Cap.

Der Index dient lediglich als Performance-Maßstab. Statt auf 1000 Indextitel fokussiert sich Bartram auf nur 40 bis 50 Aktien. Die Unternehmen haben bei Aufnahme ins Portfolio eine Marktkapitalisierung von maximal 10 Milliarden Euro, die meisten liegen deutlich darunter. Auch seinen Aktien gegenüber zeigt Bartram Treue: „Wir schlagen unser Portfolio so wenig um wie möglich.“ Grund dafür sind nicht nur die Transaktionskosten. „Die Aktie, die wir neu kaufen, muss besser sein, als die, die wir dafür verkaufen. Wir müssen also zweimal richtig liegen. Das schafft man auf Dauer nicht immer“, so der Fondsmanager. Stattdessen sucht er Unternehmen, von denen er langfristig überzeugt ist, und versucht diese bis ins Detail zu verstehen. Dazu wälzt er nicht nur Zahlen, sondern fragt auch beim Management nach.

Einmal Risiko, dreimal Chance

Der Aktienauswahl liegt ein zweistufiger Investmentprozess zugrunde. Beim Finden von Anlageideen hilft zunächst ein quantitatives Screening. Dieses ermöglicht eine Vorauswahl aus dem rund 1500 Aktien umfassenden Anlageuniversum. Im zweiten Schritt erfolgt dann eine qualitative Analyse der Unternehmen. Für interessante Titel bildet er sich eine Meinung über den fairen Wert des Unternehmens. Er kauft gern, wenn der Kaufpreis unter diesem Wert liegt. Neu ins Portfolio kommen nur Aktien, bei denen die Chancen die Risiken mit dem Faktor 3 übersteigen. Eine Aktie mit 10 Prozent Abwärtspotenzial muss also mindestens 30 Prozent Aufwärtspotenzial bieten.

Aufgrund seines Faibles für unterbewertete Titel hält er sich auch vom derzeit recht regen IPO-Markt fern. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich den letzten Börsengang gezeichnet habe“, so Bartram und begründet mit Warren Buffetts Worten: „Die Aktie, die neu an die Börse kommt, ist mit Sicherheit unter allen Aktien nicht die günstigste.“

Den Megatrend Industrie 4.0 spielen

Ebenfalls nicht ins Portfolio kommen Biotechnologie-Aktien. Ansonsten investiert Bartram quer über alle Branchen. Ein Mega-Trend, der bei der Titelauswahl eine wichtige Rolle spielt, ist Industrie 4.0. „Die vierte industrielle Revolution bietet Chancen für mittelständische Unternehmen, nachgelagerte Dienstleistungen zu entwickeln“, so Bartram. Entsprechend stecken aktuell knapp 30 Prozent des Volumens in IT-Werten, weitere 20 Prozent machen Industrieunternehmen aus. Diese Unternehmen, die meist in ihrer Nische eine weltweit führende Rolle spielen, findet Bartram vor allem in Deutschland. Der Fonds hat hier einen klaren regionalen Schwerpunkt. Mehr als drei Viertel des Volumens hat Bartram in seinem Heimatland investiert. Rund 10 Prozent sind auf Unternehmen aus anderen europäischen Ländern verteilt. Den Rest hält er in Cash – für eventuelle Anteilsrückgaben, aber auch für Zukäufe nach Korrekturen.

Unternehmensporträt

Hauck & Aufhäuser Privatbankiers

Hauck & Aufhäuser Privatbankiers kann auf eine mehr als 220-jährige Tradition zurückblicken.

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auck & Aufhäuser Privatbankiers kann auf eine mehr als 220-jährige Tradition zurückblicken. Das Haus ist aus der Fusion zweier traditionsreicher Privatbanken hervorgegangen: Georg Hauck & Sohn Bankiers in Frankfurt am Main, gegründet 1796, und Bankhaus H. Aufhäuser, seit 1870 in München am Markt. Die beiden Häuser schlossen sich 1998 zusammen. Der Vorstand der Bank besteht aus dem Vorsitzenden des Vorstands Michael Bentlage sowie dem Vorstandsmitglied Wolfgang Strobel. Hauck & Aufhäuser versteht sich als traditionsreiches und gleichzeitig modernes Privatbankhaus.

Die Bank mit Standorten in Frankfurt am Main, München, Hamburg, Düsseldorf und Köln konzentriert sich auf die ganzheitliche Beratung und die Verwaltung von Vermögen privater und unternehmerischer Kunden, das Asset Management für institutionelle Investoren, umfassende Fondsdienstleistungen für Financial und Real Assets in Deutschland und Luxemburg sowie die Zusammenarbeit mit unabhängigen Vermögensverwaltern. Darüber hinaus gehören Research-, Sales- und Handelsaktivitäten mit einer Spezialisierung auf Small- und Mid-Cap-Unternehmen im deutschsprachigen Raum sowie individuelle Services bei Börseneinführungen und Kapitalerhöhungen zum Leistungsportfolio des Hauses. Im Vordergrund der Geschäftstätigkeit steht die ganzheitliche und persönliche Beratung, auf deren Basis individuelle Lösungen entwickelt werden.

Im Asset Management liegen unsere Kernkompetenzen in europäischen Small Caps, globalem Anleihenmanagement sowie seit über 20 Jahren in ethisch-nachhaltigen Anlagestrategien. Darüber hinaus haben wir als vermögensverwaltendes Haus ausgewiesene Expertise in Multi Asset Strategien.

Daten & Fakten

H & A Aktien Small Cap EMU A



Name Volumen in Mio. Perf. 3 Jahre p.a.
H & A Aktien Small Cap EMU A EUR 92,01 17,41% Info
Stand: 13.03.2018

Factsheet

H & A Aktien Small Cap EMU A