Europäische Aktien

Endlich wieder Gewinnwachstum

Europas Wirtschaft ist auf Erholungskurs und mit ihr die Unternehmensgewinne. Ein Brexit könne den Trend nicht stoppen, sondern eröffne Chancen, meint Investec-Fondsmanager Ken Hsia

Foto: Erste Bank/Christian Wind

I

m Januar war Ken Hsia noch skeptisch. „Europäische Unternehmen müssen erst noch beweisen, dass sie tatsächlich wieder auf dem Weg zu Gewinnwachstum sind“, schrieb der Manager des Investec European Equity Fund damals. Jetzt haben sie es bewiesen. Die Quartalsberichte in diesem Jahr waren weitgehend positiv, die Unternehmensgewinne sind auf dem Erholungspfad. „2017 dürften wir ein Gewinnwachstum von 13 bis 14 Prozent in Europa sehen“, erwartet Hsia. Das entspricht in etwa den Erwartungen zu Jahresanfang. Damit wurden die Gewinnprognosen zum ersten Mal seit Langem nicht im Laufe des Jahres nach unten korrigiert.

Hsia rechnet damit, dass sich dieser Trend fortsetzt. Gegenwind erwartet er höchstens vom erstarkten Euro, der die Unternehmensgewinne belasten könnte. Der wirtschaftliche Aufschwung, vor allem in Südeuropa, die schwindenden politischen Unsicherheiten sowie die erwartete künftige Reduzierung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank haben den Euro gestärkt. Einen zusätzlichen Beitrag hat der politische Stillstand in den USA geleistet. „Wir fokussieren uns auf Unternehmen mit einem starken Wettbewerbsvorteil, die eine entsprechend hohe Preismacht haben, falls sie höhere Kosten an den Kunden weitergeben müssen“, sagt Hsia, der aber gleichzeitig glaubt, dass eine starke Währung wesentlich für internationale Investoren ist, um in europäische Unternehmen zu investieren.

Finanzen und Grundstoffe dominieren Portfolio

Aufgrund der Euro-Aufwertung und des Konjunkturaufschwungs sieht er die Attraktivität von Unternehmen steigen, die auf lokale Märkte fokussiert sind. Dazu zählt er zum Beispiel österreichische Banken, die von ihrer Ausrichtung nach Osteuropa profitieren, wo das Kreditwachstumspotenzial noch hoch ist. Aber auch die Bankenindustrie in Irland und Spanien sieht er nach harten Zeiten auf Erholungskurs. Entsprechend hat er den Finanzsektor in seinem Fonds übergewichtet. Gekauft hat er in diesem Jahr ebenfalls Rohstoffwerte wie Glencore und Rio Tinto: „Im Minengeschäft wird die Nachfrage wieder wichtiger als das Angebot.“ Der Grundstoff-Sektor ist nach Finanzen der am zweitstärksten gewichtete Sektor im Fonds.

Untergewichtet ist Hsia hingegen in Industrietiteln. Dort findet er kein wirkliches Wertpotenzial mehr. Auch im Bereich Haushaltsgüter wird er kaum fündig. „Hier gibt es vor allem Qualitätsunternehmen, einige davon gelten als Bond-Proxies, also als Aktien mit anleiheähnlichen Merkmalen. Die Bewertungen dieser Titel sind zu hoch, die Fundamentaldaten gemischt“ erklärt Hsia. Ähnliche Negativargumente sieht er für den Sektor Nahrungsmittel, Getränke und Tabak.

Bilanzen so gesund wie seit zehn Jahren nicht mehr

Für 2018 bleibt Hsia optimistisch. Auch wenn die Bewertungen der europäischen Aktien gestiegen sind, liegen sie gemessen am konjunkturbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis immer noch leicht unter dem langfristigen Durchschnitt. Ganz anders in den USA. Dort haben die Bewertungen den langfristigen Durchschnitt bereits überschritten. „Für nächstes Jahr erwartet der Konsens in Europa 8 bis 10 Prozent Gewinnwachstum. Wir denken, die Aktienkurse werden zusammen mit den Gewinnen steigen, und es wird keine Neubewertung geben“, so Hsia. Haupttreiber der Kurse wird seiner Ansicht nach weiterhin die Erholung der Unternehmensgewinne sein. Aber auch die Bilanzen erfreuen ihn: „Sie sind so gesund wie seit zehn Jahren nicht mehr.“

Das größte Risiko für seinen Fonds wäre eine globale Rezession. Die erwartet er zurzeit allerdings überhaupt nicht. Auch sieht er kein systemisches Risiko im Brexit und ebenso wenig in der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien. „Diese Entwicklungen können die Erholung in Europa nicht aufhalten, nur das Tempo verändern“, meint Hsia – und vielleicht sogar für Chancen sorgen: „Die negativen Schlagzeilen können zu Fehlbewertungen führen und interessante Anlagemöglichkeiten eröffnen.“


Interview mit Ken Hsia, Investec Asset Management

„Wir sehen gute Chancen für Banken“

Ken Hsia mag Gucci, aber auch eine polnische Supermarktkette. Der Fondsmanager erklärt die Besonderheiten seines Investec European Equity Fund

Foto: Getty Images

Was unterscheidet den Investec European Equity Fund von anderen europäischen Aktienfonds?

Ken Hsia | Investec Fondsmanager Ken Hsia

Ken Hsia: Das ist zunächst der Investmentprozess, der auf unserem Vier-Faktoren-Modell beruht. Es kommen nur Aktien von Unternehmen in die engere Betrachtung, die auf allen vier Feldern überzeugen, also qualitativ hochwertig sind, günstig im Preis, positive technische Trends aufweisen und bei denen die Gewinne nach oben revidiert werden. Hinzu kommt unsere Portfoliokonstruktion. Wir starten mit einem Universum von über 1000 Aktien. Das sind deutlich mehr als in unserer Benchmark, die nur 450 Aktien enthält. Wir sind echte aktive Manager. Wenn sich die Faktenlage ändert, passen wir das Portfolio an.

Wie sieht die Faktenlage zurzeit aus? Welche Sektoren bevorzugen Sie?

Hsia: Wir sind letztlich Bottom-up-Investoren. Wenn man jedoch die Informationen aus dem Vier-Faktoren-Modell zusammenfasst, erkennt man durchaus Sektortrends. Zurzeit sehen wir zum Beispiel einen klaren Trend zu Finanztiteln. Wir haben Banken im Fonds übergewichtet. Zudem haben wir den Software- und-Services-Sektor sowie Grundstoffe im Fonds stärker als im MSCI Europe NR Index gewichtet.

An europäischen Banken scheiden sich die Geister. Was mögen Sie an den Banken?

Hsia: Sowohl die Makro- als auch die Mikrosicht liefern Argumente für Banken. Die Häusermärkte in Spanien und Irland erholen sich. Dadurch zieht die Kreditvergabe wieder an. Das kommt den Banken zugute. Ebenfalls profitieren sie davon, dass sich die Zinsen und die Zinsstrukturkurve normalisieren. Die Bankenkonsolidierung in vielen Märkten lässt die Kapitalrendite der Banken wieder steigen. Die Bewertungen preisen noch keine volle Erholung der Gewinne ein. Bei unserer Analyse entdecken wir aber einige Banken mit realistischer Chance, sich wieder in Richtung der alten Niveaus zu erholen. Wir haben in diesem Jahr beispielsweise Aktien der Allied Irish Banks, der größten irischen Bank, gekauft.

Sie investieren sowohl in globale Player als auch in Lokalgrößen. Welche der beiden bevorzugen Sie zurzeit?

Hsia: Wir investieren derzeit rund fifty-fifty. Wir haben immer beide Investmentthemen stark im Portfolio vertreten, manchmal sind die globalen Unternehmen etwas übergewichtet, mal die lokal orientierten Firmen. Es gibt in Europa eine ganze Reihe Unternehmen mit einem starken Wettbewerbsvorteil auf globaler Basis. Ein aktuelles Beispiel aus unserem Portfolio ist der Modekonzern Kering mit Marken wie Gucci oder Puma. Hier ist vor allem Gucci ein sehr starker Wachstumstreiber. Auf Europa fokussierte Unternehmen können von der aktuellen Erholungsphase profitieren. Uns gefällt zum Beispiel die polnische Supermarktkette Dino Polska. Der Lebensmitteleinzelhandel ist bei Investoren zurzeit eher unbeliebt. Discounter und Online-Dienste wie Amazon bedrohen den Markt. Wir haben jedoch unser Investment in Dino Polska kürzlich verdoppelt. Denn wir glauben, dass das Unternehmen Marktanteile gewinnen kann.

Ein drittes Anlagethema ist das Meiden von Problem-Sektoren.

Hsia: Ja, wir meiden sich verschlechternde Sektoren, egal ob sie sich zyklisch oder strukturell abschwächen. Allerdings nutzen wir hier auch Chancen für unsere anderen beiden Themen. Meist werden Unternehmen in diesen Sektoren sehr günstig, manche zu unrecht. Wenn es dann erste positive Anzeichen bei den Gewinnen gibt, erkennt unser Vier-Faktoren-Modell diese Unternehmen und sie werden für uns wieder interessant. Eine solche Aktie ist zum Beispiel der Reifenhersteller Michelin oder der italienische Versorger Enel, ebenso zählen viele Banken dazu.

Fondsporträt

Jede Aktie muss viermal überzeugen

Der Investec European Equity Fund setzt auf globale Gewinner und Lokalhelden aus ganz Europa, inklusive Osteuropa. Basis für die Auswahl ist ein hauseigenes Modell.

J

eden Montagmorgen läuft ein Computer des Management-Teams des Investec European Equity Fund auf Hochtouren. Etwa eine halbe Stunde dauert es, dann hat das quantitative Vier-Faktoren-Modell das Anlageuniversum durchgeackert. Das Ergebnis ist die Basis für die weitere Portfoliokonstruktion des europäischen Aktienfonds. Mehr als 1000 europäische Aktien werden auf vier Faktoren hin geprüft.

Erstens wird die Qualität der Unternehmen analysiert, ihr Management und ob sie in der Vergangenheit ihren Aktionären Erträge geliefert haben. Zweitens sucht das Modell mithilfe verschiedener Kennziffern günstig bewertete Unternehmen. Neben diesen beiden traditionellen Faktoren spielen auch verhaltenstheoretische Kriterien eine Rolle. Zum einen werden Unternehmen positiv bewertet, deren Gewinnaussichten von möglichst vielen Analysten positiv revidiert werden. Zum anderen schaut das Modell auf technische Faktoren und mag Aktien, die bereits im Aufwärtstrend sind.

Langfristige Outperformance durch Vier-Faktoren-Modell

„Jeder einzelne dieser vier Faktoren kann Aktienkurse nach oben treiben. In Kombination können sie zu einer langfristigen Outperformance verhelfen“, erläutert Fondsmanager Ken Hsia die Vorgehensweise. Unternehmen, die auf allen vier Feldern punkten, kommen in seine engere Auswahl. Im zweiten Schritt werden diese Unternehmen einer fundamentalen Analyse unterzogen. „Danach erstellen wir zusammen mit unserem Risikoteam das Portfolio, das in Auf- und Abwärtsphasen eine bessere Performance als der Markt liefern soll“, sagt Hsia. Rund 60 Aktien sind meist im Fonds, deren Entwicklung im vierten Schritt des Anlageprozesses konsequent überwacht wird. Auch wenn das Vier-Faktoren-Modell das Universum jede Woche neu überprüft, herrscht kein ständiges Kommen und Gehen im Fonds. „Die durchschnittliche Haltedauer liegt bei anderthalb bis zwei Jahren“, so der Fondsmanager.

Hsia hat den Fonds 2012 übernommen. Im gleichen Jahr wurde das bis dahin auf Kontinentaleuropa begrenzte Anlageuniversum um britische Aktien ergänzt. Zudem kann Hsia bis zu 10 Prozent in Osteuropa investieren. „Normalerweise halten wir aber weniger als 6 Prozent des Portfolios in Emerging Markets wie Russland oder Polen“, so der Fondsmanager. Die Länder- als auch Sektorengewichtung ergibt sich aus dem bottom-up-getriebenen Investmentprozess. Zu Ende September war rund ein Viertel des Portfolios in Großbritannien investiert. 17 Prozent steckten in französischen und etwa 10 Prozent in spanischen Aktien. Deutsche Aktien machten nur 8 Prozent aus, darunter beispielsweise die Bayer AG. Von SAP hat sich Hsia in diesem Jahr getrennt: „Die Margenaussichten sind nicht mehr so gut wie früher, und die Bewertung ist schon ziemlich hoch. Wir haben hier gute Gewinne mitgenommen und investieren diese lieber in Aktien, die besser im Vier-Faktoren-Modell abschneiden.“ Gute Chancen sieht er vor allem bei Banken. Der Finanzsektor ist mit knapp 25 Prozent am stärksten gewichtet.

Hoher Anteil von Small und Mid Caps

Bei der Unternehmensgröße ist Hsia flexibel. Zurzeit hat er rund 40 Prozent in Mid und Small Caps investiert. Das ist zwar eine deutliche Übergewichtung gegenüber der Benchmark, dem MSCI Europe NR, mit rund 15 Prozent. Es ist aber ein sehr viel geringerer Anteil als vor drei bis vier Jahren. „Der wesentliche Grund hierfür ist die Bewertung. Damals wurden Small und Mid Caps mit einem Abschlag auf die Large Caps gehandelt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Large Caps sind daher wieder interessanter geworden“, erklärt Hsia.

Sein Ansatz zahlt sich aus. Seit er den Fonds übernommen hat, konnte er den MSCI Europe NR in jedem Kalenderjahr schlagen. Nur 2016 hing er ganz leicht hinterher. 2017 liegt er aber schon wieder vorn (Stand: Ende September 2017).

Unternehmensporträt

Investec Asset Management

Wahrhaft globaler Auftritt mit Herkunft aus den Emerging Markets, heute in der ganzen Welt aktiv: Investec Asset Management bietet Fonds für alle relevanten Anlageklassen

I

nvestec Asset Management ist ein spezialisierter Anbieter für Vermögensverwaltung mit einer Palette erstklassiger Produkte in allen relevanten Anlageklassen für institutionelle Kunden und Privatanleger. Zu den Flaggschiffprodukten gehören der Investec Global Franchise Fund, der Investec European Equity Fund, der Investec Emerging Markets Corporate Debt Fund und mehrere Multi-Asset-Lösungen.

Mitarbeiter sind gleichzeitig Aktionäre des Unternehmens, womit größtmögliche Interessengleichheit angestrebt wird. In den 26 Jahren seit Gründung 1991 hat sich Investec Asset Management zu einem etablierten und internationalen Asset Manager mit rund 132 Milliarden US-Dollar (per Ende Oktober 2017) Assets under Management entwickelt. Gegründet in Südafrika und anschließend nach Großbritannien expandiert, betreut das Unternehmen heute einen stetig wachsenden Kundenstamm auf allen Kontinenten. Investec Asset Management möchte eine gewinnbringende Beziehung zwischen Kunden, Aktionären und Angestellten pflegen und dabei die Erwartungen im Bereich Kundenservice und Leistung übertreffen.


Disclaimer

Dieses Dokument richtet sich ausschließlich an professionelle Anleger und professionelle Finanzberater und ist nicht zur allgemeinen Weitergabe bestimmt. Fondspreise und die vollständigen Unterlagen, die vor einer Anlageentscheidung zurate gezogen werden sollten, darunter der deutschsprachige Verkaufsprospekt und die Wesentlichen Informationen für den Anleger, in denen die fondsspezifischen Risiken aufgeführt werden, sind bei Investec Asset Management, www.fundsquare.net oder der Zahl- und Informationsstelle J.P. Morgan AG, Junghofstraße 14, 60311 Frankfurt am Main, Deutschland, erhältlich. Dieser Fonds sollte als langfristige Anlage betrachtet werden. Der Fonds ist ein Teilfonds des Investec Global Strategy Fonds, ein OGAW, der als Société d’Investissement à Capital Variable (SICAV) nach Luxemburger Recht organisiert ist. Die hier dargestellten Meinungen sind ehrlich gemeint, aber sie stellen keine Garantie dar und sollten nicht als verlässlich angesehen werden. Nichts in diesem Artikel sollte als Anlageempfehlung verstanden werden. Herausgegeben von Investec Asset Management, Juni 2017.

Daten & Fakten

Investec European Equity Fund



Name Volumen in Mio. Perf. 3 Jahre
Investec GSF European Eq A EUR Acc EUR 2.400 12,0% Info

Factsheet

Investec GSF European Eq A EUR Acc

Rendite-Matrix

Investec GSF European Eq A EUR Acc