Testamentsvollstreckung, Teil 3 Was passiert, sobald der Mandant verstorben ist?

 Jörg Plesse, Erb- und Stiftungsmanager

Jörg Plesse, Erb- und Stiftungsmanager

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Es ist passiert: Der Mandant ist tot. Was nun, fragt sich der Testamentsvollstrecker. Jetzt gilt: Es gibt viel zu tun. Packen wir es an. Doch womit fängt man an? Nach Eröffnung des Testaments sollte der Testamentsvollstrecker unverzüglich gegenüber dem Nachlassgericht die Annahme des Testamentsvollstreckeramts erklären. Diese sollte er sich schriftlich bestätigen lassen, und er kann diese Bestätigung als Legitimationsersatz nutzen.

Allerdings genießt die Annahmeerklärung als Legitimationsnachweis keinen öffentlichen Glauben. Insofern sollte der Testamentsvollstrecker unverzüglich das sogenannte Testamentsvollstreckerzeugnis beantragen, denn dieses genießt öffentlichen Glauben.

Zu erwähnen ist, dass es Fälle gibt, in denen darauf verzichtet werden kann. Ein solcher liegt vor, wenn sich der gesamte Nachlass, bestehend aus Konten und Depots, nur bei der Bank befindet, die gleichzeitig Testamentsvollstrecker ist. Das Zeugnis wird in der Regel auch nicht benötigt, wenn der Testamentsvollstrecker über eine transmortale Vollmacht verfügt. Außerdem sollten zunächst sämtliche Konten und Depots im eigenen Haus auf sogenannte Nachlasskonten und Nachlassdepots umgestellt werden.

Sofern der Testamentsvollstrecker nicht über eine entsprechende Vollmacht verfügt, kann er sich allerdings erst nach Erhalt des Testamentsvollstreckerzeugnisses legitimieren und uneingeschränkt für den Nachlass handeln. Da die Ausstellung des Zeugnisses häufig sechs Wochen oder länger dauert, stellt diese Phase, in der der Testamentsvollstrecker zur Untätigkeit verdammt ist, in vielen Fällen ein großes Risiko für den Nachlass dar.

Das lässt sich jedoch durch Vollmachten vermeiden. Grundsätzlich muss der Testamentsvollstrecker erst einmal vom Tod seines Mandanten erfahren. Um das zu beschleunigen, sollte man dem Kunden empfehlen, in seiner Brieftasche ein Kärtchen mitzuführen, in dem Ansprechpartner (in diesem Fall das Institut) mit Kontaktdaten genannt sind, die im Todesfall zu benachrichtigen sind.

Vollmacht als Lückenfüller

Damit der Testamentsvollstrecker sein Amt möglichst zügig nach Kenntnisnahme des Erbfalls antreten kann und auch sofort handlungsfähig ist, sollte er beim künftigen Erblasser darauf drängen, dass dieser ihm zusätzlich eine notarielle transmortale Generalvollmacht ausstellt.

Zu unterscheiden sind diesbezüglich die transmortale und die postmortale Vollmacht. Letztere gilt erst ab dem Tod des Vollmachtgebers. Damit ist der Nachweis dessen Todes zwingend, um diese zu nutzen. Die transmortale Vollmacht indes ist ab sofort über den Tod hinaus gültig und hilft, die Handlungsfähigkeit in der Zeit vom Tod des Mandanten bis zur Legitimation des Testamentsvollstreckers durch ein entsprechendes Zeugnis zu überbrücken.

Die transmortale Vollmacht ist der postmortalen vorzuziehen, da der Tod des Kunden nicht nachgewiesen werden muss. Das ist insbesondere von Bedeutung, wenn sich der Nachweis des Todes (zum Beispiel in Form einer Sterbeurkunde) verzögert, etwa weil der Kunde im Ausland verstorben ist.

Hinzu kommt ein internationaler Vorteil. Eine postmortale Vollmacht kann im Gegensatz zur transmortalen in vielen Ländern mangels rechtlicher Anerkennung nicht genutzt werden. Vollmachten über das Kundenvermögen zugunsten des verwahrenden Instituts werden unter Compliance-Gesichtspunkten allerdings von einigen kritisch gesehen.

Trotzdem ist eine transmortale Vollmacht zum Schutz des Nachlasses dringend zu empfehlen. Darüber hinaus sollte ein mit der Testamentsvollstreckung beauftragtes Institut so schnell wie möglich Kontakt mit den Erben aufnehmen. Um das zu erreichen, sollte man bereits im Vorfeld darauf drängen, neben dem Testament auch eine Liste mit Kontaktdaten der Erben und Vermächtnisnehmer zu erhalten.

Nach der Annahme des Amtes muss der Testamentsvollstrecker seine Aufgaben erfüllen. Seine zentrale Aufgabe ist, die letztwilligen Verfügungen des Erblassers auszuführen. Den konkreten Inhalt und Umfang seines Auftrags im Einzelfall bestimmt somit der Erblasser durch die Regelungen im Testament oder Erbvertrag.