Tenbaggers im Fokus Europäischen Kursraketen auf der Spur

Stephen Paice ist Leiter des European-Equity-Teams bei Baillie Gifford. | © Baillie Gifford

Stephen Paice ist Leiter des European-Equity-Teams bei Baillie Gifford. Foto: Baillie Gifford

Die Finanzwelt erschafft mit schöner Regelmäßigkeit einprägsame und schillernde Begriffe. „Tenbaggers“ ist einer von ihnen. Als solche gelten Unternehmen an der Wall Street, wenn es ihnen gelingt, ihren Börsenwert in einer bestimmten Zeitspanne mindestens zu verzehnfachen. Was hier so locker daherkommt, hat einen durchaus ernstzunehmenden und bedeutsamen Hintergrund. Denn die Renditen von Aktien sind nun mal asymmetrisch: man kann maximal 100 Prozent seines Einsatzes verlieren, aber 1.000 Prozent und mehr gewinnen.

Diesen Zusammenhang hat zuletzt der amerikanische Finanzwissenschaftler Hendrik Bessembinder im Jahr 2017 untersucht. In seiner Studie mit dem Titel „Do Stocks Outperform Treasury Bills?“ war der Professor der Arizona State University zu dem Ergebnis gelangt, dass am US-Aktienmarkt der gesamte Nettogewinn seit 1926 vor allem auf die Wertentwicklung von lediglich vier Prozent der am besten performenden Aktien zurückzuführen ist. Oder anders formuliert: Bessembinder hatte nachgewiesen, dass Investments in einem breiten Markt mitunter zwar rentabel sein können, jedoch kaum in der Lage sind, überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften. Bottom-up-stockpicking und die Suche nach den Tenbaggers scheinen da der vielversprechendere Weg. Das gilt für die europäischen Aktienmärkte genauso.

Europa tickt wie die USA

Auch an den europäischen Aktienmärkten entscheidet die Auswahl einiger weniger Gewinnerunternehmen über den Erfolg der Geldanlage. Dies jedenfalls legt das Ergebnis unserer eigenen Untersuchung nahe. Darin wurde die Renditeverteilung rollierender 10-jähriger Aktienrenditen über einen Zeitraum von 30 Jahren (1988 bis 2018) sowohl in den USA als auch in Europa betrachtet. Zwei Beobachtungen waren dabei besonders aufschlussreich. Erstens: Ebenso wie in den USA gehören auch in Europa nur wenige Aktienwerte zu den wirklichen Performancetreibern. An den europäischen Märkten schaffte es ein Viertel der Aktien nicht einmal, ihren Wert innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren zu verdoppeln. Die Vervierfachung des Kurswertes innerhalb einer Dekade gelang lediglich 15 Prozent der Unternehmen.

Zweitens: Dennoch bietet der europäische Aktienmarkt eine Reihe von Outperformern, denen es gelingt, ihren Marktpreis um das zehn- bis zwanzigfache zu steigern. Ihr Gesamtanteil liegt zwischen zehn und 15 Prozent. Das zeigt, dass Europa aus Sicht von Stockpickern nicht abgeschrieben, sondern aktiv angegangen werden sollte. Die Chancen stehen nicht schlechter als am US-Markt, der gegenüber dem europäischen Markt von den meisten Anlegern derzeit bevorzugt wird - allerdings zu Unrecht, wie unsere Untersuchung nahelegt. Langfristig ausgerichtete, aktive Aktieninvestoren können auch in Europa erfolgreich sein, solange es ihnen gelingt, die Unternehmen mit dem größten Gewinnerpotential zu identifizieren.

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Erfolgsfaktoren europäischer Tenbaggers

Um den Tenbaggers in Europa auf die Spur zu kommen, haben wir von Baillie Gifford uns die geeigneten Kandidaten näher angeschaut. Hierfür wurden von 1988 bis 2018 Aktienunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 750 Millionen US-Dollar ins Visier genommen. Heraus kamen 94 Unternehmen, die ihren Marktwert innerhalb eines Zehnjahreszeitraums zumindest verzehnfachen konnten. Diese wiederum wurden dann auf Muster abgeklopft, mit deren Hilfe sich gegebenenfalls die wichtigsten Erfolgskriterien ermitteln lassen.