Stabilität nach außen, Rotation im Inneren
Im ersten Quartal 2026 war auffällig: Die Marktführerschaft löst sich zunehmend von den dominierenden US-Mega-Cap-Technologiewerten. Stattdessen gewinnen Value-Titel, zyklische Unternehmen sowie Small und Mid Caps an Bedeutung. Parallel dazu schneiden Regionen außerhalb der USA – insbesondere Europa und Teile Asiens – deutlich besser ab.
Diese Entwicklung ist Ausdruck einer Neubewertung: Anleger hinterfragen zunehmend die hohe Konzentration im KI-getriebenen Technologiesektor und diversifizieren ihre Engagements breiter über Regionen und Branchen hinweg.
KI: Vom Wachstumstreiber zum Unsicherheitsfaktor
Künstliche Intelligenz bleibt ein zentrales Investmentthema, doch die Perspektive hat sich verändert. Während Infrastruktur- und Halbleiterunternehmen weiterhin profitieren, geraten Softwareanbieter und dienstleistungsnahe Geschäftsmodelle unter Druck.
Die Gründe liegen in der steigenden Kapitalintensität und unklaren Monetarisierungsperspektiven. Gleichzeitig wächst die Sorge vor Disruption: KI könnte bestehende Geschäftsmodelle schneller verdrängen als neue Ertragsquellen entstehen.
Die Folge ist eine deutlich höhere Streuung auf Einzeltitelebene – mit teils heftigen Kursreaktionen auf Quartalsergebnisse und Ausblicke.
Geopolitik erhöht den Druck auf die Märkte
Die Eskalation des Konflikts mit Iran führte im ersten Quartal zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise – zeitweise über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Energieaktien gehörten entsprechend zu den stärksten Performern im Markt.
Unternehmen wie BP oder ConocoPhillips profitierten direkt von dieser Entwicklung, was die Bedeutung klassischer Rohstoffexposures im Portfolio unterstreicht. Gleichzeitig zeigt sich: Energie ist nicht nur ein zyklischer Faktor, sondern zunehmend ein geopolitischer.
Auch wenn sich die Lage zuletzt durch einen Waffenstillstand und die Wiederöffnung wichtiger Handelsrouten etwas entspannt hat, bleibt das strukturelle Risiko erhöht. Die Erwartung von Ölpreisen über dem Vorkrisenniveau deutet auf ein dauerhaft verändertes Umfeld hin.
Damit rückt ein Szenario wieder stärker in den Fokus, das lange als überwunden galt:
Stagflation – also die Kombination aus schwachem Wachstum und anhaltend hoher Inflation.
Aktives Management gewinnt an Bedeutung
Vor diesem Hintergrund setzt das Fondsmanagement auf Flexibilität und klare Prioritäten. Positionen mit verschlechtertem Risiko-Ertrags-Profil wurden reduziert oder vollständig verkauft – etwa im Softwarebereich, wo Unsicherheiten durch KI besonders hoch sind.
Gleichzeitig wurde Kapital gezielt in robustere Geschäftsmodelle umgeschichtet. Im Fokus stehen Unternehmen mit soliden Bilanzen, hoher Preissetzungsmacht und greifbaren Vermögenswerten. Beispiele sind Industriegase (Linde), ausgewählte Halbleiterwerte (Infineon, Broadcom) sowie defensive Konsumtitel wie Unilever.
Auch regional wurden Akzente verschoben: Asien – insbesondere Hongkong und Indien – gewinnt an Gewicht, während US-Technologiewerte selektiver betrachtet werden. Europa profitiert aktuell von seiner Sektorstruktur mit stärkerer Gewichtung in Industrie- und Finanzwerten.
Portfolioanpassungen spiegeln neue Realität wider
Die Portfoliobewegungen im ersten Quartal unterstreichen diesen strategischen Wandel. Neu aufgenommen wurden unter anderem HSBC, JD.com, Linde, Netflix und Rio Tinto, Sun Hung Kai Properties und Toyota. Bestehende Positionen wie Samsung, HDFC Bank oder Broadcom wurden gezielt angepasst.
Auf der Verkaufsseite standen vor allem Titel mit erhöhtem Disruptionsrisiko oder bilanziellen Unsicherheiten. Dazu zählen unter anderem SAP, Intuit und Universal Music. Der vollständige Ausstieg aus ICON nach Bilanzunregelmäßigkeiten zeigt zudem die konsequente Umsetzung der Verkaufsdisziplin.
Auch im Bankensektor wurde das Engagement reduziert, da steigende Kreditausfallrisiken und ein unsicheres makroökonomisches Umfeld die Attraktivität dämpfen. So wurden KeyCorp vollständig verkauft und Mizuho Financial Group sowie Sumitomo Mitsui Financial Group reduziert.
Ausblick: Komplexität nimmt zu – Chancen auch
Das Investmentumfeld bleibt anspruchsvoll. KI, geopolitische Spannungen, Währungsbewegungen und makroökonomische Unsicherheiten überlagern sich zunehmend. Gleichzeitig eröffnet genau diese Komplexität neue Chancen für aktive Investoren.
Entscheidend wird sein, die Gewinner und Verlierer der kommenden Jahre frühzeitig zu identifizieren. Denn eines zeichnet sich bereits ab: Die Ära der breiten, indexgetriebenen Marktgewinne weicht einer Phase, in der differenzierte Einzeltitelauswahl wieder den Ausschlag gibt.
Oder anders formuliert: Nicht der Markt als Ganzes entscheidet – sondern die richtige Auswahl innerhalb des Marktes.
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