Asien ist weniger volatil
Aus oben genannten Gründen sind asiatische Aktien weniger volatil als Schwellenländer außerhalb Asiens. In den vergangenen 20 Jahren haben asiatische Aktien mit weniger Schwankungen eine höhere Rendite erzielt als die anderen Schwellenländer. Selbst wenn man die Asien-Krise im Jahr 1997 mitrechnet, bleibt die Volatilität in Asien geringer, der Ertrag ist aber ebenfalls geringer als der von Aktien aus Lateinamerika und EMEA.
Die relativ niedrige Volatilität der asiatischen Aktien ist nicht nur bedingt durch die Wirtschaftsstruktur, sondern auch durch die relativ stabilen Währungen. Allein im ersten Halbjahr 2020 verbuchten brasilianischer Real, russischer Rubel und südafrikanischer Rand einen Verlust gegenüber dem Euro von 26 Prozent, 13 Prozent und 19 Prozent (Quelle: Bloomberg). Dagegen sah man bei asiatischen Währungen nur moderate Abwertungen. Die höchste gegenüber dem Euro erfuhr mit 5,5 Prozent die indische Rupie. Der Taiwan-Dollar wertete sogar leicht auf. Verantwortlich für die Stabilität der Währungen dieser Länder sind fundamentale Gründe: Ihr Leistungsbilanzüberschuss und ihre niedrige Auslandsverschuldung.
Fazit
Asien macht den Löwenanteil der gesamten Schwellenländer aus. Während die Emerging Markets außerhalb Asiens stark geprägt von ihrer Rohstoffabhängigkeit sind, verfügt Asien selbst über hoch kompetente Technologie- und Internetsektoren. Dank vieler makroökonomische Stärken sind asiatische Aktien und Währungen weniger volatil als die der Schwellenländer außerhalb Asiens.
Seit Jahresanfang war die Wertentwicklung asiatischer Aktien deutlich höher als die der anderen Schwellenländer. Diese Outperformance könnte sich fortsetzen. Hinsichtlich der Bekämpfung von Covid-19 und der Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivitäten ist Asien, insbesondere Nordasien (China, Südkorea, Taiwan), besser positioniert als die restlichen Schwellenländer. Wir empfehlen Anlegern, diese Differenzierung auch in ihren Portfolios nachzuvollziehen. Wir sehen Asien als ein eigenes Investment-Thema. Asien ist der alten Betrachtung als verlängerte Werkbank entwickelter Volkswirtschaften deutlich entwachsen und hat eine eigene Betrachtung verdient.
Über den Autor:
Gerhard Engler ist Geschäftsführer bei Nomura Asset Management Europe. Er war im April 2018 zur japanischen Fondsgesellschaft gekommen. Ähnliche Positionen hatte Engler zuvor bei den Asset Managern Fidelity und Frankfurt Trust inne.