Eindrücke vom Branchentreffen Darüber diskutierte die Private-Equity-Branche auf der Super Return 2023

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Das Fundraising

Durch Allokationsverschiebungen und das geringere Ausschüttungsvolumen sind die Spielräume für Neuinvestitionen der Investoren eingeschränkt. Dadurch verzögern sich viele Fundraisings. Ein Fondsvertreter brachte den knackigen Kommentar: „Wer das bestreitet, der lügt“. Es gibt aber nach wie vor Spezialisten, denen es auch im gegenwärtigen Umfeld immer noch gelingt, Fonds nach sehr kurzer Fundraisingdauer zu schließen. Das erhöhte Potential kleinerer Fonds entdeckt eine ganze Reihe von Managern gerade neu. Sie legen parallel zu ihren Hauptfonds, die über die Jahre immer größer geworden sind, nun vermehrt auch „back to the roots“-Fonds mit deutlich kleinerem Volumen auf.  

Die Value Creation

Im Ausblick ist sich die Branche einig, dass man bessere Antworten auf die Fragen nach operativer Wertsteigerung finden muss. Dabei bietet das neue Umfeld auch wieder neue Chancen, da zum Beispiel globale Lieferketten neu gedacht werden müssen und geopolitische Unsicherheit zu lokaleren Strategien in der Produktion führt. Die weitgehend passive Multiple-Expansion-Begleitung eines Unternehmens bis zu einem Börsengang wird in jedem Fall keine profitable Anlagestrategie mehr sein. Auch die Gewinnung und Bindung von talentierten Mitarbeitern wird immer wichtiger, da New-Work-Entwicklungen die etablierten HR-Strategien auf die Probe stellen. 

 

ESG ist mittlerweile angekommen in der Private-Equity-Branche. Die Etablierung ist so weit fortgeschritten, dass ESG als Differenzierungsmerkmal kaum noch taugt, sondern als messbarer Standard vorausgesetzt wird.

Es bewahrheitet sich einmal mehr, dass Manager mit operativem Talent, die Kontrollmehrheiten für einen geringen Kaufpreis und mit mäßigem Leverage erwerben, gut auch durch diese Zeiten kommen. Nach Jahren, in denen immer alles sehr schnell ging, üben sich nun alle an einem neuen Maß an Geduld. Diese neue Disziplinierung sehen wir grundsätzlich positiv, und sie dürfte der Entwicklung der Branche nur zuträglich sein. 

Für geduldige Private-Equity-Anleger mit verfügbarem Eigenkapital sollten sich aus diesem Umfeld des Wandels in jedem Fall lukrative Investitionsmöglichkeiten ergeben.

Über den Gastautoren:
Julien Zornig ist Managing Partner bei Astorius. Nach seinem Studium leitete er in Zürich für die Berenberg-Gruppe die gesamten Hedge-Fonds-Aktivitäten. Nach dem Wechsel zur M.M.Warburg Gruppe war er im Bereich Private Equity tätig und baute gleichzeitig strategische Beziehungen zu Family Offices und Asset-Management-Gesellschaften auf. 

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