Südeuropäischen Anleihen „Peripheriemärkte können durch neue EZB-Käufe gestärkt werden“

Lars Tranberg Rasmussen, Senior Analyst bei Danske Invest

Lars Tranberg Rasmussen, Senior Analyst bei Danske Invest

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Eine Änderung des Anleihekaufprogramms kann vor allem eine Hilfe für Staatsanleihen aus den so genannten Peripheriemärkten der Europäischen Union (EU) sein. Jenen südeuropäischen Ländern also, die eine hohe Verschuldung aufweisen und deren Anleihen im Verhältnis zu deutschen Zinspapieren mit einem Zinsaufschlag gehandelt werden.

Wir erwarten, dass die EZB auf ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung die Verlängerung des aktuellen Kaufprogramms für Anleihen, das ursprünglich im März 2017 auslaufen sollte, bekannt geben wird. Denn so wie bisher kann nicht weiter verfahren werden. Daher muss die EZB ihre Kaufpolitik dringend ändern. Noch ist allerdings unklar, wie die Pläne für die Zukunft aussehen. Wir glauben, dass die EZB die Peripheriemärkte auf eine andere Art unterstützen wird.

Zurzeit folgt das Programm folgendem Verteilungsschlüssel: Die Höhe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eines Staates bestimmt, wie viele Anleihen in dem jeweiligen Land aufgekauft werden. Da Deutschland wirtschaftlich gesehen größtes EU-Mitglied ist, wurden in der Vergangenheit vor allem deutsche Anleihen erworben. Gleichzeitig kann die EZB jedoch nur bis zu 33 Prozent einer emittierten Anleihen-Serie erwerben. Zudem darf die Zentralbank keine Anleihen abnehmen, deren Zinssatz unter minus 0,4 Prozent liegt – was dem derzeitigen EZB-Einlagenzinssatz entspricht.

Negative Zinsen erhöhen das Risiko

Da deutsche Staatsanleihen bei einer siebenjährigen Laufzeit aktuell zu einem Zinssatz gehandelt werden, der niedriger als minus 0,4 Prozent ist, muss die EZB verstärkt längere Laufzeiten beim Erwerb deutscher Papiere akzeptieren. Dadurch erhöht sich das Kaufrisiko der Anleihen.

Zur Änderung des Schlüssels für das Kaufprogramm stehen unserer Ansicht nach der Notenbank verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Die EZB sollte davon absehen, sich ausschließlich nach dem BIP zu richten. Sie könnte stattdessen die 33 Prozent-Grenze in jeder Bond-Reihe ausweiten und den Kauf von Anleihen mit einem noch niedrigeren Zinssatz als minus 0,4 Prozent zulassen. Auch ein ganz anderer Weg ist möglich: So könnte beispielsweise die Höhe der Verschuldung in den Euro-Ländern bestimmen, wie viele Anleihen in den verschiedenen Staaten gekauft werden. Wir erwarten, dass sich das Ergebnis aus diesen verschiedenen Parametern zusammensetzen wird.

Hilfe für die Peripheriemärkte

Passt die EZB ihre Käufe der Verschuldung an, wird dies zu einem verstärkten Fokus auf französische und italienische Staatsanleihen führen. Dadurch würden die Renditen für diese Papiere fallen.

Sollte die EZB verstärkt Anleihen aus den Peripherieländern erwerben und auch weiterhin Flexibilität bei ihrem Kaufprogramm zeigen, würde dies für eine positive Haltung gegenüber den Anleihen anderer südeuropäischer Länder sorgen. Zudem kann diese Maßnahme dazu führen, dass weitere Zinssenkungen für portugiesische und spanische Staatsanleihen vorgenommen werden.

Mit den daraus entstehenden billigeren Krediten könnte das Wachstum in Südeuropa beschleunigt werden. Genau diese Wirkung erhofft sich die EZB durch die Unterstützung der südeuropäischen Märkte. Als privater Investor kann man die Richtung, die die EZB vorgibt, verfolgen und sich in den Windschatten der Zentralbank-Maßnahmen legen.