Süddeutsche Aktienbank „Bei uns wird eine Private-Banking-Karriere planbar“

Vorstände der Süddeutschen Aktienbank: Andreas Falger (links) und Frank Bischoff (rechts) sowie Aufsichtsrat Jan Torsten Schmieling auf dem private banking kongress München 2016 | © Christian Scholtysik / Patrick Hipp

Vorstände der Süddeutschen Aktienbank: Andreas Falger (links) und Frank Bischoff (rechts) sowie Aufsichtsrat Jan Torsten Schmieling auf dem private banking kongress München 2016 Foto: Christian Scholtysik / Patrick Hipp

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private banking magazin: Vor fast einem Jahr ist die Süddeutsche Aktienbank ins Wealth Management und Asset Management eingestiegen. Wie kam es zu dem Schritt?

Andreas Falger: Für die Verantwortlichen, die neue Eigentümer und uns als Vorstand, war die Entwicklung logisch. Die Süddeutsche Aktienbank war bis dato ein Dienstleister für Unternehmer und deren Unternehmen bei der Begleitung im Kapitalmarkt und in ihn hinein gewesen. Der nächste Schritt lag nahe, dieser Klientel eine Plattform zu bieten, auf der sich um ihr privates Vermögen gekümmert wird. Es ist sicherlich einmalig, dass ein kleines Haus wie die Süddeutsche Aktienbank diesen Schritt geht und sich ein solches neues strategisches Geschäftsfeld erschließt.

Wir als Vorstand als auch die Mitarbeiter sind seitdem elektrisiert, unter anderem wegen der Kundenklientel, die sich im Spannungsfeld zwischen Unternehmerischen und Privatem bewegen, wegen der Aufgabe etwas Neues aufzubauen und der Positionierung als Vermögensboutique mit flacher Hierarchie und schnellen Entscheidungswegen.

Wird sich die Süddeutsche Aktienbank im Private Wealth Management nur um Unternehmer kümmern?

Falger: Unternehmer sind zunächst mal Anknüpfungspunkt für das neue Geschäftsfeld. Wir wollen aber ganz klar das Wealth Management auch auf andere Kundentypen ausweiten. Wen wir mit welcher Dienstleistungspalette ansprechen wollen, diskutieren wir aktuell noch.

Beispielsweise haben wir dazu vor ein paar Wochen unsere Mitarbeiter und Kunden, darunter auch die ersten an Bord genommenen Private-Banking-Berater befragt und das Ergebnis intern kommuniziert. Erstaunlicherweise fielen die Antworten ziemlich homogen aus. Diese Vorgehensweise – Betroffene zu Beteiligten zu machen – soll auch in Zukunft Teil unserer Unternehmenskultur sein.

Wie fiel denn das Ergebnis der Umfrage aus?

Frank Bischoff: Dass wir zweigleisig verfahren sollten, nämlich mit standardisierten Lösungen für kleinere Vermögen und ab einem gewissen Anlagevolumen in die Individualität wechseln. Am Ende geht es um die Kerndienstleistungen im Private Banking: die Vermögensverwaltung, das Sparring in der Anlageberatung und die Finanzplanung.

Aus der Anlageberatung ziehen sich viele Private-Banking-Anbieter zurück. Sie nicht. Warum?

Falger: Der Branchentrend geht zwar aufgrund erhöhter Regulatorik in Richtung Vermögensverwaltung. Betreuungsmandat komplett auszuschließen, wäre für uns aber sicherlich ein Fehler. Zu unseren Kunden gehören heute und sicherlich auch in der Zukunft viele Unternehmer. Sie sind gewohnt, Entscheidungen zu treffen – auch in ihrem Privatvermögen. Den Rückzug aus der Anlageberatung anderer Anbieter heißen sie oftmals nicht gut. Davon können wir profitieren und positionieren uns als Investment-Office für Unternehmer – ein Family Office runtergebrochen auf Investmentthemen und -ideen.

Bischoff: Kunden können bei der Süddeutschen Aktienbank eine maßgeschneiderte und objektive Anlageberatung und Vermögensverwaltung erhalten. Man bekommt diesen Best-in-Class-Ansatz sicherlich auch bei den Wettbewerbern. Bei uns kommt aber noch hinzu, dass wir keine eigene Buchungsplattform haben. Für unsere Kunden bedeutet das maximale Freiheit, da zu buchen, wo sie möchten – ähnlich wie bei einem Family Office.

Zudem gilt: Wir sind überzeugt, dass sich der Kunde einfache Banking-Lösungen wie Bargeldversorgung, Zahlungsverkehr oder Wertpapier-Abwicklung über kostengünstige Plattformen besorgen soll. Bei allem, wo der Kunden darauf aufbauend Beratungsbedarf hat, wollen wir als Süddeutsche Aktienbank ins Gespräch kommen.

Wird man bei Ihnen auch die klassische Family-Office-Dienstleistung des Vermögensreportings bekommen?

Falger: Ja, werden die Kunden. Unsere IT arbeitet beispielsweise an einer App, mit der unsere Kunden eine Übersicht über ihr Vermögen bekommen. Das betrifft nicht nur das bei uns gebuchte liquide Vermögen, sondern auch das von anderen Banken und illiquide Bestandteile.

Wir können den Kunden auch aufzeigen, mit welchen Vermögensbestandteilen sie Zuwächse erwirtschaften und wo welche Risiken eingegangen werden. Das wird zudem eine vernünftige Performance-Messung beinhalten.

Offiziell ausgerufen hatte die Bank das neue Geschäftsfeld vor knapp einem Jahr. Wo stehen Sie heute?

Bischoff: Damals war das für uns der Startschuss in ein vollständig neues Geschäftsfeld. Wir haben seitdem vor allem die Infrastruktur entwickelt und jüngst neben Stuttgart eine Repräsentanz in Freiburg eröffnet. Künftig wollen wir pro Jahr einen Standort hinzugewinnen.

Ab wann lohnt sich eine Repräsentanz?

Bischoff: Ab drei Private-Banking-Beratern. Unsere künftigen Standorte müssen auch nicht immer an heiß umkämpften Märkten wie Stuttgart oder München sein. Wir schauen auch gerne in die Peripherie, wo es durchaus interessante Geschäftspotenziale gibt. Generell streben wir ein kontinuierliches und gediegenes Wachstum an – wie es sich für eine schwäbische Bank gehört (muss lachen).

Nicht die große Attacke auf die Etablierten?

Bischoff: Nein, sicherlich nicht. Wir sehen uns eher als Kandidat für die Zweit- oder Drittbank eines Kunden. Hier können wir dann aufgrund unseres Zuschnitts punkten und als Nischenanbieter etablieren. Das ist der Plan.