Den Spruch „die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich nur“ kennen sicherlich viele. Mit Ausnahme von wenigen Punkten reimt sich die Geschichte zurzeit sehr viel. Natürlich bleibt die Unsicherheit, wie lange wir noch zu Hause bleiben müssen, wie lange die Lieferketten unterbrochen sind, für wie viele Industrien die Lieferketten tatsächlich unterbrochen sind, wir in kein Restaurant gehen dürfen, keine Geschäfts- und Privatreisen stattfinden können, wir nicht einkaufen können und mehr. Aber sind das nicht genau die Unsicherheiten über die alle schreiben und reden. Das sind die sogenannten bekannten Unbekannten, welche in den Märkten in der Regel weitgehend diskontiert sind.
Aktien bewegen sich natürlich nicht herrenlos im All. Irgendjemand muss ja gekauft haben und diese neuen Käufer könnten natürlich wieder verkaufen. Das wird auch solange geschehen, bis alle, die nicht verstanden haben, welchen volkswirtschaftlichen Nutzen der Kapitalmarkt hat, verkauft haben oder deren Kunden sie gezwungen haben, zu verkaufen. Da sehr wahrscheinlich sehr viele ETF-Indexfonds verkauft wurden, hat sich die Qualität der Investoren bereits deutlich verbessert.
Wir haben keine Ahnung, wann der Sturm vorbei ist und Ruhe einkehrt. Wir wissen aber, dass es so kommen wird. Und dann werden sich die Kurse der Aktien von den Unternehmen wesentlich schneller und nachhaltiger erholen, deren Produkte oder Dienstleistungen eine hohe Preisdurchsetzungsmacht haben. Es werden deren Produkte oder Dienstleistungen auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, deren Bilanz nicht voller Schulden steckt, die innovativ waren und bleiben, deren Management eine hohe Qualität haben und die auch in früheren Rezessionen einen Gewinn erzielen konnten und so ihre Mitarbeiter, ihre Bilanz und Aktionäre befriedigen konnten.
Von solchen Unternehmen gibt es weltweit nicht tausende, aber hunderte und das reicht uns. Wir lehnen ein Investment in den Markt Indexfonds/ETFs ab und wählen aus dem Grund nur Portfoliomanager aus, die in Unternehmen investieren, die den obigen Kriterien entsprechen. Leider fallen auch deren Aktienkurse zunächst mit, erholen sich aber anschließend besser und schneller. Das lehrt die Geschichte eindeutig und dazu werden wir einen weiteren kurzen Blog schreiben.
Damit Aktienkurse steigen, bedarf es mehr Käufer als Verkäufer. Die Gruppe der Verkäufer aus den Absicherungsportfolios scheint fort, so dass wir diese Verkäufergruppe nicht mehr haben. Da die Absicherungsstrategien ihre sogenannten Risikobudgets aufgebraucht haben, stehen diese erstmal als Käufer nicht zu Verfügung. Viele von denen können das restliche Jahr gar nichts mehr machen. Als Käufer stehen die zur Verfügung, die die Bewertung von Unternehmen jetzt niedrig finden und solche Unternehmen gibt es nach einem solchen Sturm immer. Diese werden auch wunderbare Dividendenrenditen haben.
Es gilt aber ganz sicher nicht für alle Unternehmen und damit schon gar nicht für den Markt. Wer jetzt ein Dax-ETF anstelle eines wirklich aktiv verwalteten Aktienfonds kauft, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht sein. Es wäre wünschenswert, wenn die Zeit der ETFs vorbei ist, damit diese nicht regelmäßig und immer stärker die Märkte durchrütteln.
Nach den Blogs „Kehrtwende“, „Zeit des Vergessens“, „Zeit des Erschreckens“, „Rette sich wer kann?“ und jetzt „Sturm“, wünsche ich mir und uns allen, dass wir den Blog „Anarchie“ nicht schreiben müssen. Diese nämlich würde Aktienkurse noch viel länger belasten.
Der Text erschien zuerst als Blog-Beitrag bei Breidenbach von Schlieffen
Über den Autor:
Magnus Graf von Schlieffen ist geschäftsführender Gesellschafter des Family Office Breidenbach von Schlieffen & Co., das er zusammen mit Marc Breidenbach 2013 gründete. Zuvor leitete er das Family Office der Berenberg Bank und verantwortete das Aktiengeschäft der Bank of America Merrill Lynch in Frankfurt.
