Verkaufen also die Besitzer von Indexfonds ihre ETF-Anteile, verkaufen sie schlechte wie gute Unternehmen gleichermaßen, so dass erstmal alle Kurse fallen. In Kombination mit den Strategien, die eigentlich für Absicherung sorgen sollten, ist der Mix eine Sturmmaschine. Er erklärt die neuen Höchststände für Versicherungsprämien und den scheinbar nicht aufhaltbaren Absturz der Aktienkurse und den Vertrauensverlust - Wobei die Investoren, die die Kombination aus Absicherungsstrategien und ETFs nutzen, unserer Ansicht nach nie Vertrauen in die Bedeutung und Nutzung der Kapitalmärkte hatten.
Auch wenn es einige gibt, die anderer Meinung sind, ist Investment kein Spiel und die Kapitalmärkte dienen nicht der Unterhaltung. Eine offene Volkswirtschaft benötigt einen funktionierenden Kapitalmarkt, an denen sich Unternehmen wie Staaten für Wachstum, Innovation und Infrastruktur finanzieren können. Als Kapitalnehmer bewirbt man sich um das Kapital der Kapitalgeber. Das bedeutet, dass Kapitalgeber bei der Auswahl der Kapitalnehmer vorsichtig agieren sollten. Bei einem Indexfonds erhält nicht das Unternehmen das meiste Geld, welches damit am besten umgeht, sondern das Unternehmen, welches im Index eine besonders hohe Gewichtung hat. Größe ist aber bekanntlich nicht immer gleichbedeutend mit Güte.
Also, wann kommt die anfänglich beschriebene Ruhe?
Dem Chart zum Verlauf der Volatilität kann man ansehen, dass diese in der Regel sprunghaft ansteigt, dann aber doch ein paar Monate braucht, bis sie wieder gefallen ist. Dieser langsame Rückgang bedeutet, dass die Volatilität immer noch hoch ist (30 Prozent sind höher als 15 Prozent) und damit Kurse weiter schwanken werden. Allerdings bedeutet es auch, dass die Amplituden der Schwankungen langsam aber sicher kleiner werden, bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Markt „eingeschlafen“ ist.
In Extremzeiten gibt es immer ein paar Anhaltspunkte, die einem aufzeigen, ob sich der Sturm bald legen wird.
- Alle sprechen, schreiben und reden über den Sturm und seine Auswirkungen. Das bedeutet, dass dieser Teil durch den Markt verarbeitet ist. Entsprechend haben die Versicherungsprämien (Volatilitäten) einen neuen historischen Höchststand erreicht.
- Unsere Leser wissen, dass wir keine großen Freunde der technischen Analyse sind. Dennoch gibt es ein paar Bestandteile, die wir sehr respektieren und das ist unter anderem die 200-Tage-Linie, also der Durchschnitt der Aktienkurse der letzten 200 Börsentage bzw. 40 Wochen. Dazu betrachten wir die Aktien des Stoxx Europe 600, also eines gesamt Europäischen Aktienindex, der die größten 600 Unternehmen beinhaltet. Aus der Vergangenheit kann festgestellt werden, dass ein Markt dann überverkauft ist, wenn 90 Prozent der Aktien in dem Index unter dem Schnittkurs der letzten 200 Tage handeln, wenn mindestens 40 Prozent der Aktien um mehr als 25 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt handeln, und wenn mindestens 25 Prozent der Aktien um mehr als 40 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt handeln. Aktuell (17. März um 14:30) handeln 97 Prozent der Aktien unter dem 200-Tage-Durchschnitt, handeln 62 Prozent um mehr also 25 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt und handeln 28 Prozent um mehr als 40 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das letzte Mal hatten wir diese Situation im Februar 2016. Damals war auch der Ölpreis in kurzer Zeit um 45 Prozent gefallen.