Der deutsche Private-Equity-Markt spürt kräftigen Gegenwind. Zu diesem Ergebnis kommen Stephane Müller und Thomas Nacken vom Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer Grant Thornton in einer aktuellen Studie. Eine zunehmende Zahl von Portfolio-Gesellschaften verbleibt demnach deutlich länger als ursprünglich geplant im Besitz ihrer Investoren.
Experten warnen vor tiefgreifendem Wandel
Die beiden Experten weisen darauf hin, dass bereits mehr als 400 Unternehmen den fünfjährigen Standard für einen erfolgreichen Exit überschritten haben und somit als „überfällig“ gelten: „Dies ist ein deutliches Zeichen für die tiefgreifenden Veränderungen im Private-Equity-Umfeld des deutschen Mittelstands.“
Besonders viele dieser Unternehmen gehören zu den Branchen Technologie, Medien, Telekommunikation und Konsum. Die Studienautoren listen auch Ursachen auf: „Die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern divergieren häufig und restriktive Fremdfinanzierung bringt Unternehmen heute früher an ihre Finanzierungsgrenzen.“
Makroökonomische und branchenspezifische Unsicherheit könne Verkäufe weiter erschweren. Und: „Das strategische Verhalten von Fonds zur Vermeidung von Wertberichtigungen verlangsamt den Prozess, ebenso wie fehlende Exit-Alternativen im Mid-Market.“
Wie Investoren den Exit-Stau umfahren können
Trotz der schwierigen Marktbedingungen sehen die Autoren wirksame Maßnahmen für einen erfolgreichen Exit. Unternehmen sollten überzeugend kommunizieren, mit strategischen Entscheidungen finanzielle Stabilität und Transparenz sichern sowie Effizienz und organisatorische Schlagkraft steigern.
Die Erkenntnisse basieren auf einer aktuellen Analyse von Grant Thornton, die nach Angaben der Wirtschaftsprüfer 98 Private-Equity-Fonds und mehr als 1.100 Portfoliounternehmen in Deutschland umfasst.