Die Familienverfassung gilt als erfolgreiches Instrument guter Family Business Governance – und dennoch verfügt die Mehrheit der deutschen Familienunternehmen noch immer nicht über eine solche. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Intes Akademie für Familienunternehmen, deren Muttergesellschaft PwC und der Intes Stiftungsprofessur für Unternehmerfamilien und Familienunternehmen an der Digital Business University (DBU), an der 175 deutsche Familienunternehmen teilgenommen haben.
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Die Familienverfassung gilt als erfolgreiches Instrument guter Family Business Governance – und dennoch verfügt die Mehrheit der deutschen Familienunternehmen noch immer nicht über eine solche. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Intes Akademie für Familienunternehmen, deren Muttergesellschaft PwC und der Intes Stiftungsprofessur für Unternehmerfamilien und Familienunternehmen an der Digital Business University (DBU), an der 175 deutsche Familienunternehmen teilgenommen haben.
„Die Inhaberstrategie, dokumentiert in einer Familienverfassung, ist der wichtigste Streitschlichter jeder Unternehmerfamilie.“
Demnach haben lediglich 36 Prozent der befragten Gesellschaften eine Familienverfassung. Das ist Anstieg gegenüber 25 Prozent im Jahr 2011, aber angesichts der wachsenden Komplexität von Unternehmerfamilien ein nach wie vor überschaubarer Wert. Weitere 23 Prozent planen immerhin, eine Verfassung zu erarbeiten. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) verfügen bislang also über kein entsprechendes Regelwerk.
Mehrheit findet Familienverfassung grundsätzlich sinnvoll
Dabei ist das Bewusstsein für den Nutzen durchaus vorhanden: 59 Prozent der Befragten halten die Erstellung einer Familienverfassung grundsätzlich für sinnvoll. Als Hauptgründe für das Fehlen nennen die meisten schlicht die fehlende Notwendigkeit (53 Prozent) oder eine mangelnde Priorität (26 Prozent) – oft geprägt von einem engen familiären Verhältnis in frühen Generationen, in dem Konflikte noch wenig wahrscheinlich erscheinen.
„Die Inhaberstrategie, dokumentiert in einer Familienverfassung, ist der wichtigste Streitschlichter jeder Unternehmerfamilie. Sie sorgt dafür, dass Familien zukunftsweisende Strategien ohne zerstörende Konflikte vereinbaren können“, sagt Alexander Koeberle-Schmid, Intes-Stiftungsprofessor an der DBU.
Zudem zeigt die Studie: Wer eine Familienverfassung hat, ist deutlich zufriedener. 74 Prozent der Gesellschafter in Unternehmen mit Verfassung sind persönlich zufrieden – gegenüber nur 25 Prozent ohne. Auch die Zufriedenheit der Familie liegt mit 66 Prozent deutlich über den 42 Prozent bei Unternehmen ohne Verfassung. Die Bindungswirkung ist den Autoren zufolge ebenfalls messbar höher.
Impuls meist aus dem Gesellschafterkreis
Die häufigsten Auslöser für die Erstellung einer Familienverfassung sind die Professionalisierung der Inhaberfamilie (70 Prozent), Konfliktprävention (57 Prozent) und ein bevorstehender Generationswechsel (51 Prozent). Der Impuls kommt dabei in der Regel aus dem Gesellschafterkreis selbst – externe Berater oder Beiräte spielen als Initiator eine untergeordnete Rolle.
„Unternehmerfamilien sollten bei der Erarbeitung ihrer Inhaberstrategie und Governance des Familienunternehmens immer auch das nicht im Familienunternehmen gebundene Vermögen der Inhaberfamilie berücksichtigen. Denn bekanntlich hört bei Geld die Freundschaft auf", rät Koeberle-Schmid.
Dass sich der Aufwand lohnt, bestätigen zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Familienunternehmen, die eine Verfassung haben. Als konkrete Wirkungen nennen sie stärkeren Familienzusammenhalt (72 Prozent), bessere Führungs- und Kontrollstrukturen (66 Prozent) sowie mehr Familienfrieden und Stabilität (61 Prozent).
Die Studie macht aber auch deutlich, dass eine Familienverfassung kein statisches Dokument sein darf: 83 Prozent der Unternehmen mit Verfassung planen eine Überarbeitung der Regeln in den nächsten fünf Jahren.
Die Studienautoren liefern zehn konkrete Handlungsempfehlungen:
- Unternehmerfamilien sollten eine Familienverfassung in ruhigen Zeiten entwickeln – nicht erst im Konfliktfall oder während einer Nachfolgekrise.
- Der Prozess sollte mit gemeinsamen Werten, Zielen und Erwartungen beginnen, bevor konkrete Regeln festgelegt werden.
- Die Verfassung ist dabei als gemeinsamer Familienprozess zu verstehen, nicht als reines Dokument.
- Klare Leitlinien für den Umgang miteinander sorgen dafür, dass Respekt und Fairness auch in schwierigen Situationen erhalten bleiben.
- Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungswege – insbesondere zu Geschäftsführung, Beirat und Gesellschafterversammlung – sollten eindeutig geregelt sein.
- Erfahrene externe Berater und Moderatoren helfen dabei, sensible Themen professionell zu begleiten.
- Die Verfassung sollte auf die Größe, Generationenstruktur und Komplexität der Unternehmerfamilie zugeschnitten sein – und dabei auch das nicht im Unternehmen gebundene Familienvermögen berücksichtigen.
- Klare Regeln für Kommunikation, Konfliktlösung und Mediation innerhalb der Familie sind unverzichtbar.
- Verbindliche und rechtzeitige Regeln zu Nachfolge, Notfällen und Qualifizierung künftiger Gesellschafter.
- Schließlich sollte die Familienverfassung regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, damit sie mit Familie und Unternehmen mitwachsen kann.