Studie der Fondsgesellschaft Robeco So viel Rendite bringen Investments auf Fünfjahressicht

Bart Oldenkamp: Der Leiter des Investment Solutions-Team von Robeco want aktuell vor der „Gefahr, dass Anleger des Guten zu viel und zu früh tun.“ | © Robeco

Bart Oldenkamp: Der Leiter des Investment Solutions-Team von Robeco want aktuell vor der „Gefahr, dass Anleger des Guten zu viel und zu früh tun.“ Foto: Robeco

Der weltweite Konjunkturzyklus befindet sich in einer ausgedehnten Spätphase, erklärt Bart Oldenkamp. Da sich die Notenbanken aber weiter von ihrer quantitativen Lockerung entfernen und zu einer strengeren Geldpolitik übergehen, wird sich diese wirtschaftliche Expansion verlangsamen.

Angesichts hoch erscheinender Bewertungen in allen wichtigen Anlageklassen, könnte der Übergang zur nächsten Phase des Zyklus demnach die Märkte ins Trudeln bringen, so der Leiter der Investment Solutions-Abteilung der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco. „Dass es irgendwann zu einer Rezession kommt, scheint unvermeidlich.“

Wichtigste Anlageregionen auf gutem Kurs

Laut dem Robeco-Team gibt es allerdings keinen Grund, jetzt in Panik zu verfallen, denn die Weltwirtschaft ist immer noch in recht guter Verfassung und das Wachstum solide. Die US-Wirtschaft zeigt weiter Stärke, und die strengere Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat daran bisher nichts geändert.

China macht gute Fortschritte dabei, das auf Dauer nicht durchhaltbare, durch hohe Schulden befeuerte Wachstum auf ein vernünftigeres Maß zurückzuführen. Die Eurozone wächst weiter, und die Schwellenländer dürften sich wirtschaftlich besser entwickeln als die Industriestaaten.

Aktien lassen die höchsten Renditen erwarten

Das Robeco-Team prognostiziert, dass Aktien in den nächsten fünf Jahren die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung sein werden. Anleger aus der Eurozone mit Aktien aus Schwellen- und Industrieländern dürften eine Jahresrendite von 4,5 Prozent beziehungsweise 4,0 Prozent erzielen.

Deutsche Bundesanleihen und Staatsanleihen aus anderen Industrieländern werden eine negative Jahresrendite von 1,25 Prozent beziehungsweise 0,25 Prozent abwerfen. Für Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung werden eine Rendite von 3,75 Prozent, für Investment Grade-Unternehmensanleihen 1 Prozent und für High-Yield-Anleihen 1,5 Prozent erwartet.

Neue Geld- und Fiskalpolitik der USA

Irgendwann in den nächsten fünf Jahren dürfte es in den USA eine Rezession geben, erwartet Marktbeobachter Oldenkamp. Dafür spreche zumindest die Maxime des US-Wirtschaftswissenschaftlers Hyman Minsky, dass „Stabilität den Nährboden der Instabilität darstellt“. Das könnte nach den Präsidentschaftswahlen im November 2020 passieren.

Die zuständigen US-Behörden werden die Wirtschaft im Vorfeld der Wahlen wahrscheinlich mit einer prozyklischen Geld- und Fiskalpolitik oberhalb ihres Potenzialwachstums expandieren lassen, so Oldenkamp. „Dies wird sich aber letztlich als nicht durchhaltbar erweisen, weil dadurch der Inflationsdruck und die öffentliche Verschuldung zunehmen.“

Anleger sollten jetzt geduldig sein

„Spannungen im Handel wird man wahrscheinlich unter Kontrolle halten, weil eine ernsthafte Eskalation kontraproduktiv wäre“, so Oldenkamp weiter. Er gibt aber auch zu bedenken: „Zweifellos kann sich das Anlageumfeld in den nächsten fünf Jahren drastisch ändern.“

Bereits die derzeitigen Bedingungen stellten eine Herausforderung dar, weil die Risikoprämien sehr gering sind, in den wichtigsten Anlageklassen Überbewertungen verbreitet sind und die Volatilität gering ist. „Für langfristig orientierte Anleger empfiehlt es sich, sich allmählich auf diese Veränderungen einzustellen.“

Defensivere Ausrichtung des Portfolios

„Die naheliegende Lösung in einer solchen Situation ist typischerweise eine defensivere Ausrichtung des Portfolios“, so der Chef des Robeco-Teams. „Im gegenwärtigen konjunkturellen Umfeld besteht allerdings die Gefahr, dass man des Guten zu viel und zu früh tut.“

„Anleger sollten deshalb nicht vergessen, dass Geduld auch in der Welt des Investierens eine Tugend ist“, mahnt Oldenkamp. Denn nach unserer Überzeugung gibt es bei den großen Anlageklassen immer noch Möglichkeiten, Risikoprämien zu vereinnahmen.“