Studie der Evangelischen Bank Kirchliche Investoren sind Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

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Erfahrungen institutioneller Investoren 

Die Gründe für nachhaltige Investments institutioneller Investoren sind nach Angaben der Studienmacher vielschichtig. Das mit Abstand wichtigste Leitmotiv ist, dass das investierte Kapital an der „richtigen Stelle“ zum Einsatz kommt (82 Prozent). Auf diese altruistische Motivation folgt der Wunsch, dass die Anlagementalität mit dem Geschäftsmodell des eigenen Unternehmens beziehungsweise den leitenden Werten der Institution übereinstimmt (73 Prozent). Weniger relevant ist die Verbesserung des Images durch nachhaltiges Investieren (49 Prozent); eine Verbesserung des Nachhaltigkeits-Ratings erachtet nur etwa ein Drittel der befragten Investoren als wichtiges Motiv. 

Dabei belegt die Mehrheit wissenschaftlicher Studien (92 Prozent) einen positiven oder zumindest neutralen Zusammenhang zwischen Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren und positiver Unternehmensperformance, wie die Studienmacher erläutern. Ihren Beobachtungen nach erwarten Investoren ebenfalls einen positiven Einfluss, dennoch investiert nur knapp die Hälfte mehrheitlich in nachhaltige Assets. „Besonders interessant wird es sein, Wahrnehmungen, Motive und das nachhaltige Anlageverhalten institutioneller Investoren in naher Zukunft zu beobachten. Wir erwarten hier eine weiterhin wachsende Bedeutung“, erläutert Jens Kleine vom Research Center for Financial Services in München.

Investmentstrategien und Überwachungsmaßnahmen im Portfoliokontext

Die am stärksten verbreitete Strategie ist der Einsatz von Ausschlusskriterien, mit welchen beispielsweise bestimmte Länder oder Branchen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden. Etwa zwei Drittel (69 Prozent) nutzen diesen Ansatz derzeit, weitere 17 Prozent planen die Implementierung in Zukunft. Die Integration von ESG-Faktoren (Umwelt-, soziale und Governance-Faktoren) wird von knapp der Hälfte (44 Prozent) aller Investoren vollzogen. Nahezu alle kirchlichen Investoren (93 Prozent) nutzen diesen Ansatz. Weitaus weniger verbreitet sind Positivkriterien, lediglich 22 Prozent verwenden diese Strategie.

Joachim Fröhlich, Vorstandsmitglied der Evangelischen Bank, erkennt ein widersprüchliches Verhalten bei den Investoren hinsichtlich nachhaltiger Anlagestrategien: „Sowohl wissenschaftliche Studien als auch Investoren belegen bei den am stärksten verbreiteten Ausschlusskriterien wie Produktion von Waffen oder Pornografie, Korruption und Menschenrechte im Mittel keinen positiven Performance-Zusammenhang.

In puncto Rendite werden beispielsweise der Best-in-Class-Ansatz sowie Positivkriterien deutlich besser bewertet. Diese Anlagestrategien werden jedoch von lediglich 32 Prozent, respektive 22 Prozent der Investoren genutzt. Hier liegt großes Potenzial brach.“ Dabei gebe es, so Fröhlich, für kirchliche Anleger vielversprechende Ansätze, und zwar sowohl themen- als auch werteorientiert.

Die zugrundeliegenden Erwartungen der Investoren hinsichtlich der Einhaltung der nachhaltigen Anlagekriterien und der nachhaltigen Anlagestrategie wurden laut Studie zum Teil erfüllt. Etwa zwei Drittel sehen ihre Erwartungen vollständig beziehungsweise übererfüllt. Die Schaffung eines nachhaltigen Beitrags zur gesellschaftlichen Entwicklung, das Leitmotiv der Investoren, betrachtet nur ein Drittel der Befragten als erfüllt, mehr als die Hälfte hat in diesem Punkt Beanstandungen.

Bei der Transparenz und dem Umfang des Angebots schneiden die Anbieter nachhaltiger Geldanlagen in der Befragung schlechter ab. Der Großteil der Institutionellen sieht die eigenen Erwartungen hinsichtlich Angebotstransparenz zumindest in Teilen nicht erfüllt.
Ein Teil der Investoren bemängelt derzeit Angebotsumfang und Transparenz am nachhaltigen Anlagemarkt. Zudem seien viele mit dem gesellschaftspolitischen Handlungsrahmen – zum Beispiel der Agenda 2030 – nicht besonders gut vertraut. An dieser Stelle stuft Joachim Fröhlich eine verstärkte Sensibilisierung und gezielte Kommunikation von Seiten der Asset-Manager als elementar ein, um Nachhaltigkeitsaspekte zu verankern.