Strategien für 2019 Stark rabattierte Qualitätstitel gehören ins Depot

Fed-Chef Jerome Powell zeichnet derzeit noch ein optimistisches Bild der US-Konjunktur: Für 2020 prognostiziert der Markt die erste Zinssenkung der US-Notenbank. | © Getty Images

Fed-Chef Jerome Powell zeichnet derzeit noch ein optimistisches Bild der US-Konjunktur: Für 2020 prognostiziert der Markt die erste Zinssenkung der US-Notenbank. Foto: Getty Images

Thomas Kruse, Investmentchef von Amundi Deutschland

Das Jahr 2018 hat Portfoliomanager rund um die Welt vor große Herausforderungen gestellt. Unsere Analysen zeigen, dass in den Jahren 2009 bis 2017 in jedem Jahr durchschnittlich 76 Prozent der wichtigsten Anlageklassen (darunter Staatsanleihen, Aktien, Währungen und Rohstoffe) eine positive Rendite erzielten. Doch 2018 hat sich das Bild drastisch verändert: Lediglich 20 Prozent der Anlageklassen befanden sich im Plus.

Die Märkte sind derzeit dabei, sowohl die verlangsamte konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft als auch die verringerte Notenbank-Liquidität einzupreisen. Hintergrund sind die Handelskonflikte und die neue geldpolitische Ausrichtung der Zentralbanken, die ihre durch “Quantitive Easing“ aufgelaufenen rekordhohen Bilanzen zu verringern suchen. Infolgedessen ist es in Teilen des Marktes, etwa bei Growth-Aktien, und in wirtschaftlich ungesund aufgestellten Ländern, etwa in Argentinien, der Türkei und in Italien, zu Verwerfungen gekommen.

US-Geldpolitik im besonderen Interesse der Anleger

Die Notenbankpolitik wird auch mit Blick auf das Jahr 2019 die Richtung der Märkte vorgeben. Die Augen der Anleger sind dabei insbesondere auf die Fed gerichtet: Im US-Konjunkturzyklus zeichnet sich nach langen Jahren des Booms eine Konjunkturabschwächung ab. Der jüngste Anstieg der Credit Spreads deutet darauf hin, dass sich die Finanzierungsbedingungen für hochverschuldete Unternehmen verschärfen. Die Fed wird nicht umhin kommen, diesen Umstand ernst zu nehmen – und handelt bereits dementsprechend. So hat Jerome Powell angekündigt, die geplante Straffung der Geldpolitik im kommenden Jahr etwas langsamer angehen zu wollen. Zunächst dürfte die Fed jedoch insgesamt drei geplante Zinserhöhungen umsetzen – eine im Zuge der Zinssitzung am 18. und 19. Dezember 2018 und zwei weitere im ersten Halbjahr 2019.

Sollte die US-Notenbank angesichts der gebremsten konjunkturellen Entwicklung der Weltwirtschaft, verschlechterter Finanzierungsbedingungen von US-Unternehmen und Anzeichen einer 2019 bevorstehenden Rezession in den USA von weiteren Zinsschritten Abstand nehmen, würden sich die Märkte wieder beleben.

Zugleich dürfte sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) schwer damit tun, in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld ihre Zinsen anzuheben. Die Lage an den Märkten dürfte darüber hinaus auch mit politischen Entwicklungen stehen und fallen: Es wird sich zeigen, wie weit Donald Trump mit seiner umstrittenen Handelspolitik gehen kann.

Europa nicht zu schwarz sehen

Europa erscheint uns ungeachtet der aktuellen Unsicherheiten weiterhin chancenreich. Auch wenn sich in der Europäischen Union das Wirtschaftswachstum verlangsamt hat, entwickelt sich die Konjunktur weiterhin gut. Ein Spiegel dieser Entwicklung ist der aktuelle ZEW-Index für die Eurozone: Zwar verschlechterte sich der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Dezember, die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für die Eurozone verbesserten sich zuletzt jedoch. Gestützt werden die Zukunftserwartungen im Dezember von einem günstigen Marktumfeld, vor allem aufgrund der nach wie vor akkommodierenden Geldpolitik der EZB. Förderlich sind auch die gesunkenen Ölpreise: Geringere Ausgaben für Energie führen bei den Unternehmen zu erhöhten Kapitalerträgen aus ihren Umsätzen.

So trüben derzeit vor allem politische Fragen das Bild. Etwa mit Blick auf den Brexit: Weder die EU noch Großbritannien wollen den gefürchteten harten Brexit, bei dem das Land ungeregelt den Staatenbund verlässt. Sollte sich infolgedessen ein harter Brexit Ende März 2019 vermeiden lassen, würde das Vereinigte Königreich von einer langen Übergangszeit profitieren, in der die Handelsregeln unverändert bleiben. Großbritanniens Konjunktur dürfte sich daraufhin wieder stabilisieren und auch der Europäischen Union käme dieser wichtige Absatzmarkt zugute.

Mit Blick auf Italien werden die Spannungen zwischen Rom und Brüssel voraussichtlich bis zu den Europawahlen im Mai 2019 anhalten. Neuwahlen in Italien können bis dahin nicht ausgeschlossen werden: Es hat den Anschein, dass die seit Juni 2018 amtierende Regierung sich nicht mehr lange halten kann. Die gewünschten politischen Ziele beider Regierungsparteien sind zu widersprüchlich und ihre wirtschaftspolitischen Visionen sind komplett verschieden. Eine Koalition zwischen der Rechtsaußen-Regierungspartei Lega und der konservativen Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi wird deshalb wahrscheinlich. In diesem Fall dürften sich die bestehenden Wachstumsrisiken für Italien deutlich verschärfen. Das Land könnte folglich schon Anfang 2019 in eine neue Rezession stürzen, was sich denkbar negativ auf die gesamte europäische Wirtschaft auswirken würde.

In die Schwellenmärkte ebnet Stockpicking den Weg

Für neue Wertschöpfung im Portfolio besonders interessant erscheinen uns die Schwellenmärkte. Die sich aus steigenden US-Zinsen und einem starken US-Dollar für diese Länder ergebenden Risiken verringern sich aufgrund der Konjunkturabschwächung in den USA. In einem Umfeld wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit, in dem Kapitalerhalt an vorderster Stelle steht, setzen wir auch in den aufstrebenden Märkten bevorzugt auf Stockpicking. Wir schätzen dabei Aktien und Anleihen, die mit überzeugenden fundamentalen Kennzahlen unterlegt sind: Sie erweisen sich im Allgemeinen gegenüber Marktrücksetzern als widerstandsfähig.

Fazit: Qualität hat Zukunft

Aus der lange nicht mehr gesehenen, starken Volatilität an den Märkten können sich für aktive Anleger Chancen ergeben. Für uns ist absehbar: In der ersten Hälfte des Jahres 2019 dürften viele Investoren ihre Deckung verlassen und sich wieder verstärkt in risikoreicheren Anlagen engagieren. Durch den Kursrutsch über die ganze Breite des Marktes sehen viele Bewertungen inzwischen wieder deutlich chancenreicher aus. Vielversprechend erscheint uns, dass die Unternehmen weltweit weiterhin solide Gewinne einfahren, ganz gleich ob in den USA, Europa oder in den Schwellenmärkten. Wir setzen vor dem Hintergrund der aktuell teils sehr stark rabattierten Asset-Preise bevorzugt auf Qualitätsunternehmen mit hohen Dividendenausschüttungen.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 13.12.2018. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.