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Das aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Umfeld stellt Unternehmen und Investoren vor erhebliche Herausforderungen. Neben dem andauernden Krieg in der Ukraine verschärft sich der Nahostkonflikt weiter. Die Zollthematik ist ungelöst, und es ist absehbar, dass die bereits bestehenden Zollsätze deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Die Auswirkungen auf Inflation und Unternehmensgewinne dürften sich in den kommenden Monaten in den makroökonomischen Daten widerspiegeln.
Bereits jetzt sind deutliche Währungsverschiebungen sowie deflationäre Tendenzen in China zu beobachten – trotz einer expansiven Geldpolitik. Umso bemerkenswerter erscheint es, dass mehrere etablierte Aktienindizes im Jahr 2025 eine eindrucksvolle Serie neuer Allzeithochs erzielt haben.
Abbildung 1: Anzahl neuer Allzeithochs wichtiger weltweiter Indizes
Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Welche Risiken birgt ein Investment in den
Aktienmarkt – und welche Strategien können helfen, Verluste zu begrenzen?
Zusammensetzung des Gesamtrisikos von Kapitalanlagen
Das Gesamtrisiko einer Kapitalanlage setzt sich aus zwei fundamentalen Bestandteilen zusammen:
• Unsystematisches Risiko:
Unternehmens- oder branchenspezifische Risiken, etwa durch Managementfehler,
Produktionsstörungen oder Bonitätsprobleme. Diese Risiken betreffen nur einzelne
Marktteilnehmer.
• Systematisches Risiko:
Auch als Marktrisiko bezeichnet, betrifft es den gesamten Markt und resultiert aus Faktoren
wie Konjunkturverläufen, Zinspolitik, geopolitischen Entwicklungen oder Naturereignissen.
Abbildung 2: Gesamtrisiko in der Portfoliotheorie (schematische Darstellung)
Reduktion des unsystematischen Risikos durch Diversifikation
Ein zentrales Ziel der modernen Portfoliotheorie ist die Begrenzung des unsystematischen Risikos
durch gezielte Diversifikation. Diese erfolgt durch die breite Streuung von Anlagen über:
• unterschiedliche Anlageklassen
• geografische Regionen
• Branchen
• Emittenten
Praktische Herausforderungen der Diversifikation
Effektive Diversifikation bedeutet nicht nur, möglichst viele Wertpapiere zu halten, sondern vor
allem, Anlagen mit geringer Korrelation zu kombinieren. Denn wenn sich verschiedene Positionen im Portfolio bei Marktereignissen gleichgerichtet entwickeln, entfällt der Diversifikationseffekt
weitgehend.
Passiv verwaltete ETF-Portfolios leisten hier oft nur einen begrenzten Beitrag. Trotz unterschiedlicher Fonds sind führende Indizes langfristig hoch korreliert und bieten damit wenig Risikostreuung.
Abbildung 3: Korrelationen wichtiger weltweiter Indizes
Ein zusätzliches Risiko liegt in inhaltlichen Überschneidungen verschiedener Fonds. Anleger
investieren oft gleichzeitig in global ausgerichtete Aktien- und Mischfonds, deren Kernpositionen sich stark überschneiden. Es entstehen Klumpenrisiken, die die beabsichtigte Risikostreuung
untergraben.
Ein Mischfonds erfüllt nur dann seinen Zweck, wenn er komplementär zu anderen Positionen im
Portfolio strukturiert ist. Eine unzureichende Abstimmung kann zu erheblicher Instabilität im
Gesamtportfolio führen.
Reduktion des systematischen Risikos durch aktive Risikosteuerung
Im Gegensatz zum unsystematischen Risiko lässt sich das systematische Risiko in der klassischen
Theorie nicht durch Diversifikation eliminieren. Es bildet den unvermeidbaren Teil des
Gesamtrisikos.
Beispiele aus den Jahren 2022 und 2025 zeigen die Relevanz: In beiden Zeiträumen verzeichneten
globale Märkte branchen- und regionenübergreifend starke Rückgänge.
Abbildung 4: Weltweite Aktien in Euro im 1-Jahres-Zeitraum vom 01.01.2022 - 31.12.2022
Abbildung 5: Weltweite Aktien in Euro im 6-Monats-Zeitraum vom 01.01.2025 - 30.06.2025
Praktische Herausforderungen des systematischen Risikos
In Phasen globaler Krisen oder starker geldpolitischer Umbrüche kommt es häufig zu gleichzeitigen Kursverlusten über sämtliche Anlageklassen hinweg. Rein passive Strategien – etwa breit gestreute ETF-Portfolios – stoßen in solchen Marktphasen an ihre Grenzen.
Aktives Risikomanagement bietet hier effektive Hebel:
• Absicherung durch Derivate
• Taktische Anpassung der Asset-Allokation
• Temporäre Erhöhung der Liquiditätsquote
Investmentansätze, die nicht nur das unsystematische Risiko reduzieren, sondern auch das
systematische Risiko aktiv steuern, bieten in volatilen Märkten eine deutlich erhöhte Stabilität – und das bei potenziell gleichwertiger oder besserer Wertentwicklung.
Ausblick und Fazit
Angesichts der Allzeithochs vieler Aktienindizes ist es nicht die Frage, ob, sondern wann die nächste Korrektur oder ein Bärenmarkt einsetzt. Ein historischer Rückblick zeigt: Nach jedem Aufschwung folgten signifikante Rückschläge – von wenigen Wochen (zum Bereich Corona-Crash) bis zu mehrjährigen Korrekturphasen (etwa Dotcom-Blase).
Ein bewusster Umgang mit systematischen und unsystematischen Risiken ist daher essenziell. Wer
lediglich einen Teil dieser Risiken adressiert, geht im aktuellen Umfeld erhebliche Gefahren ein.
Die Kombination aus
• effektiver Diversifikation (zur Reduktion unsystematischer Risiken) und
• aktiver Risikosteuerung (zur Kontrolle systematischer Risiken)
führt zu einem ganzheitlichen Risikomanagement, das das Gesamtrisiko eines Portfolios auf ein
Minimum reduzieren kann – ein entscheidender Vorteil für langfristig orientierte Anleger mit Fokus auf Stabilität, Rendite und Resilienz.
Über die Autoren:
Daniel Schallmo ist Ökonom, Unternehmensberater und Autor zahlreicher Publikationen sowie Gründer und Gesellschafter der W&S Portfoliomanagement. Schallmo ist Professor für Digitale Transformation und Entrepreneurship an der Hochschule Neu-Ulm, dort Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Mitglied am Institut für Digitale Transformation.
Sascha Reusch diplomierte als Sparkassenbetriebswirt. Gemeinsam mit Heribert Danner ist er
Geschäftsführer der in Ulm ansässigen W & S Portfoliomanagement, die sich auf digitales Asset Management spezialisiert, mehrere Investmentfonds initiiert hat und diese mithilfe der digitalen Technologie berät.
Dies ist der erste von zwei Artikeln zum Thema modernes Risikomanagement von Daniel Schallmo und Sascha Reusch. Der zweite Beitrag folgt in Kürze.

