Umfrage unter Immobilienfinanzierern Steigende Bauzinsen drücken Stimmung

Baustelle in der Hamburger Hafen-City

Baustelle in der Hamburger Hafen-City: Immobilienfinanzierer rechnen mit weniger Neugeschäft. Foto: Imago Images / Beautiful Sports

Im zweiten Quartal hat sich die Stimmung bei den Immobilienfinanzierern in Deutschland deutlich verschlechtert. Das meldet der Immobilienberater BF Direkt, der vierteljährlich Kreditprofis befragt. Der Wert des aktuellen Stimmungsbarometers ist demnach von -1,45 im ersten Quartal des Jahres auf -12,01 im zweiten Vierteljahr abgestürzt. Einen vergleichbar starken Rückgang hatte es zuletzt 2020 direkt nach Ausbruch der Corona-Krise gegeben, meldet BF Direkt.

So stufen mehr als zwei Drittel der 110 befragten Experten aus dem Kreditgeschäft die allgemeine Einschätzung der Lage am Finanzierungsmarkt als restriktiv ein. Auch die Erwartungen an das Neugeschäfts haben sich verschlechtert. So rechnen 15 Prozent der Befragten mit weniger Abschlüssen, 55 Prozent meinen, das Neugeschäft stagniere. Noch 30 Prozent erwarten eine steigende Nachfrage – im Vorquartal hatten sich noch 60 Prozent so optimistisch gezeigt.

Es seien dabei verschiedene Faktoren, die sich negativ auf Immobilienfinanzierungen auswirken, meint Professor Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg und wissenschaftlicher Berater des Quartalsbarometers.  Dazu gehörten der Krieg in der Ukraine, die steigenden Rohstoffpreise und die hohe Inflation. „Die Hauptursache für den starken Rückgang des Barometers sind jedoch die stark anziehenden langfristigen Zinsen“, so Sebastian.

Laut dem Immobilienfinanzierer Interhyp lagen die zehnjährigen Bauzinsen im Januar noch bei 1,0 Prozent. Anfang Mai waren es im Schnitt 2,66 Prozent. „Die Fremdkapitalzinsen sind der maßgebliche Einflussfaktor auf die Immobilienfinanzierung“, kommentiert Sebastian. Aufgrund des allgemeinen Zinsanstiegs hätten sich auch die Liquiditätskosten und Refinanzierungsaufschläge der Finanzierer erhöht. So berichten 77 Prozent der Befragten über ansteigende Liquiditätskosten.

Die Margen seien zwar deutlich gestiegen und hätten im zweiten Quartal den höchsten Stand seit acht Jahren erreicht, sagt BF-Direkt-Vorstand Manuel Köppel. „Obwohl diese Entwicklung aus Sicht der Finanzierer für sich genommen positiv wäre, kann sie die gedämpfte Stimmung nicht kompensieren und die Unsicherheit der Marktteilnehmer überwiegt,“ so Köppel.