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Ausübung des Stimmrechts Die CEO-Bezüge sind für alle Stakeholder von Interesse

Jahreshauptversammlung eines deutschen Telekommunikationsanbieters

Jahreshauptversammlung eines deutschen Telekommunikationsanbieters: Die Frage nach Steuertransparenzberichten, die unter Berücksichtigung der Richtlinien der Global Reporting Initiative erstellt werden, rückt zunehmend in den Fokus der Aktionärsvertreter. Foto: Imago Images / Sven Simon

Das Jahr 2022 war das Rekordjahr für Vorschläge im Hinblick auf Diskriminierung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit: Die Geschäftsführungen von 25 Unternehmen, die in einem breiten Spektrum von Sektoren tätig sind, bekamen Aktionärsanträge an die Hand, in denen aufgefordert wurde, die Auswirkungen der Aktivitäten der Unternehmen in Bezug auf Bürgerrechte, Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion sowie die Auswirkungen dieser Themen auf die Geschäftstätigkeit unabhängig prüfen zu lassen. In 19 Fällen waren wir der Ansicht, dass die entsprechenden Prüfungen das Engagement des Unternehmens für Vielfalt, Gleichberechtigung und Eingliederung in seiner Geschäftstätigkeit stärken würden, und haben sie daher unterstützt.

Gesundheits- und Pharmaunternehmen im Fokus

Auch Sektoren, die während der Covid-19-Krise hohe Erträge erzielten, wurden von den Investoren genauer in den Blick genommen. So sind Gesundheits- und Pharmaunternehmen aufgefordert, über die Kosten für die öffentliche Gesundheit zu berichten, die durch die im globalen Rahmen eingeschränkte Verfügbarkeit der Impfstofftechnologie entstehen. Im Fall von Johnson & Johnson unterstützten wir den Vorschlag von Harrington Investments, den Pharmakonzern dazu anzuhalten, zum einen über die gesellschaftlichen Kosten zu berichten, die durch Nichtverfügbarkeit der hauseigenen Covid-19-Produkte in ärmeren Ländern entstehen, und zum anderen darüber, wie sich diese Kosten auf die Aktionäre auswirken könnten.

Technologie- und Mediensektor ebenfalls unter der Lupe

Zweiter Schwerpunkt bei der Ausübung des Stimmrechts waren der Technologie- und Mediensektor. Amazon zum Beispiel wurde zu einem breiten Spektrum von Themen herausgefordert: Von der Vergütung der Führungskräfte bis zur Steuertransparenz, vom Lohngefälle bis zur gewerkschaftlichen Organisation und den Kandidaten der Arbeitnehmervertreter für die Vorstandswahlen. Einer der aufsehenerregendsten Vorschläge auf der Tagesordnung verlangte, dass das Unternehmen einen Steuertransparenzbericht veröffentlicht, der unter Berücksichtigung der Richtlinien der Global Reporting Initiative erstellt wurde; er wurde von 21 Prozent der unabhängigen Aktionäre des Unternehmens unterstützt. Dies war nicht nur der erste Vorschlag zur Steuertransparenz, der sich gegen Amazon richtete, sondern zeigt auch die öffentliche Nachfrage nach echter Transparenz bei den Steuerpraktiken großer Unternehmen.

 

Selbstverständlich blieben auch Anträge im Hinblick auf Nachhaltigkeit nicht außen vor, wobei insbesondere die nordamerikanischen Unternehmen zu diesem Thema adressiert werden, bei denen natürlich die Themen Klima, Netto-Null-Verpflichtung und Anpassung an das Pariser Abkommen im Vordergrund stehen. Besonders bemerkenswert: Eine Aktionärsresolution (die „As You Sow Climate“-Resolution auf der Jahreshauptversammlung von Caterpillar) erhielt die Unterstützung der Unternehmensleitung, obwohl sie den Baumaschinenhersteller zwingen wird, über seine derzeitige Zurückhaltung bei der Festlegung eines Scope-3-Emissionsziels hinauszugehen: Mehr als 95 Prozent der Aktionäre unterstützten die Resolution.

Say-on-Pay ist nicht nur eine Frage der Zahlen

Bei den Abstimmungen der Hauptversammlungen über die Vorstandsvergütung, so genannte Say-on-Pay-Abstimmungen, hat auch unsere Ablehnung im Jahr 2022 zugenommen und erreichte 59,1 Prozent, verglichen mit 51 Prozent im Vorjahr. Zeitlich definierte Zuwendungen, kurze Sperrfristen, fehlende Maßnahmen zur Risikobegrenzung und fehlende Informationen über die Leistungsbewertung variabler Pläne haben zu unserer Ablehnung beigetragen. Auch im Jahr 2022 haben wir gegen die Vergütungspakete für Führungskräfte und die Politik gestimmt, die den Begünstigten in Unternehmen, die von öffentlichen Beihilfen profitiert haben, eine beträchtliche Bezügeerhöhung zukommen lassen, während andere Stakeholder offenbar nicht in gleichem Maße von der Unterstützung profitieren – zum Beispiel Arbeitnehmer, die von Entlassungen betroffen sind, oder Aktionäre, an die über mehrere Jahre hinweg keine Dividende ausgeschüttet wird. Die häufigste Reaktion der Unternehmen, um Leistungseinbußen bei der Vergütung von Führungskräften auszugleichen, waren Änderungen an den laufenden Zyklen. Unternehmen, die während der Pandemie zeitlich begrenzte Aktienzuteilungen eingeführt hatten, behielten diese Praxis bei und führten sie sogar vollumfänglich ein.

Während die Höhe der Vergütungspakete für Führungskräfte immer mehr in den Mittelpunkt rückt, hat Candriam in dieser Abstimmungssaison besonders auf die nichtfinanziellen Kennzahlen geachtet, die in den variablen Plänen enthalten sind, die den Aktionären zur Genehmigung vorgelegt werden. Wir ermutigen die Unternehmen zwar, bei der Vergütung ihrer Führungskräfte ihre Geschäftsergebnisse zu berücksichtigen, aber die Art, die Gewichtung und die Ziele der gewählten Messgrößen bedürfen einer genaueren Prüfung.

Gleichzeitig haben wir jeden Aktionärsantrag unterstützt, in dem Unternehmen aufgefordert wurden, ihre CEO-Vergütung offenzulegen, um Transparenz im Hinblick auf die Vergütungen der Führungskräfte im Vergleich zur Gesamtbelegschaft zu ermöglichen.

Mehr S in ESG: Ethnische Vielfalt

Im Einklang mit den Anpassungen, die wir in diesem Jahr an unserer Abstimmungspolitik vorgenommen haben, war dies das erste Jahr, in dem wir Sanktionen gegen Vorstände verhängten, in denen keine Mitglieder aus unterrepräsentierten ethnischen Minderheiten vertreten waren. Die Umsetzung der neuen Anforderung hat dazu geführt, dass wir bei 14 Unternehmen in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Australien, dem Vereinigten Königreich und Irland gegen die Vorsitzenden von Nominierungsausschüssen gestimmt haben.

Mehr zu Candriams Ausübung des Stimmrechts lesen Sie im „Mid-year Voting Report“.