Stimmen aus der Branche Lagarde senkt Zinsen erneut – was sagen die Experten dazu?
Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes Bundesverband deutscher Banken: „Euro-Staaten sollten sich keine wirtschaftspolitischen Illusionen machen“
Wir gehen davon aus, dass im November und Dezember Inflationsraten von bis zu 2,5 Prozent für den gesamten Euroraum möglich sind. Vor dem Hintergrund des zurückliegenden Inflationsschocks sollten die Währungshüter mit dem auch von ihnen prognostizierten Inflationsanstieg zum Jahresende sehr vorsichtig umgehen. Die Aussicht auf kontinuierliche Zinssenkungen in den nächsten Sitzungen passt dazu jedenfalls nicht.
Die Euro-Staaten sollten sich auch keine wirtschaftspolitischen Illusionen machen. Leitzinssenkungen werden die hartnäckige, weil strukturelle Wachstumsschwäche nicht beseitigen. Stattdessen braucht gerade Deutschland entschlossene wirtschaftspolitische Weichenstellungen. Die Investitions- und Standortbedingungen für Unternehmen müssen umfassend verbessert werden. Die Förderung einzelner Branchen ist hingegen kein Befreiungsschlag.
Notwendig sind vor allem deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine Entlastung der Wirtschaft von dem viel zu hohen regulatorischen Aufwand sowie eine generelle Investitionsförderung: etwa durch bessere Abschreibungsbedingungen oder eine international wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung.