Stiftungsvermögen, Teil 1 So kämpfen sich Stiftungen systematisch aus der Kapitalmarktfalle

Maik Paukstadt ist Leiter des Family Office der Wirtschaftskanzlei Peters, Schönberger & Partner

Maik Paukstadt ist Leiter des Family Office der Wirtschaftskanzlei Peters, Schönberger & Partner

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Wir haben an den Aktienmärkten gerade den schlechtesten Jahresstart seit Jahrzehnten gesehen. Nicht nur, dass die globalen Aktienmärkte weit unter ihren Hochs aus dem Jahr 2015 notieren, auch die Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere markieren neue historische Tiefststände.

Ein Kapitalmarktumfeld, das zahlreiche Stiftungen in arge Bedrängnis bringt. Denn wenn Anleiherenditen gegen Null tendieren und sich Aktienmärkte derart volatil zeigen, wird es zunehmend zur Herausforderung, das Stiftungskapital zu erhalten und daneben den Stiftungsbetrieb in gewohnter Weise fortzusetzen.

Vor diesem Hintergrund ist es nur verständlich, dass sich Stiftungen verunsichert zeigen, ihre Anlagestrategie in Frage stellen und diese nicht selten reflexartig ändern. Gerade in einer solchen Phase kann es aber überlebenswichtig sein, Strategien systematisch zu entwickeln, diszipliniert umzusetzen und durchzuhalten.

Die dreiteilige Serie „Stiftungsvermögen – Systematisch aus der Kapitalmarktfalle“ gibt Stiftungsverantwortlichen einen Leitfaden zur Vermögensanlage an die Hand, der den Prozess der Planung über die Strategieentwicklung und Umsetzung bis hin zur Erfolgskontrolle praxistauglich darstellt. Wir beginnen unsere Reihe mit der Planung der wesentlichen Zahlungsströme einer Stiftung zur Ermittlung der Renditeanforderung. 
 
Beklemmende Ausgangssituation

Das Umfeld historisch niedriger Zinsen hat auch und gerade für Stiftungen weitreichende Konsequenzen. Zehnjährige Deutsche Staatsanleihen rentieren mit nur noch rund 0,20 Prozent und auch Unternehmensanleihen guter Bonität kompensieren häufig nicht mal mehr die auf sie entfallenden Vermögensverwaltungskosten.

Vielen Stiftungen wird es im Rahmen der klassischen, gewohnten Stiftungsanlage zukünftig nicht gelingen, ihr Kapital real zu erhalten und zugleich ihren Stiftungszweck zu erfüllen. Nun gibt es nicht wenige Stiftungen, die versuchen der aktuellen Marktsituation durch risikoreichere Anlagen entgegenzuwirken. Das Risiko im Portfolio wird immer häufiger einseitig über das vermeintliche Renditeziel bestimmt.

Dass die angespannte Lage an den Finanzmärkten eine Beschäftigung mit der Vermögensanlage und eine Neuausrichtung erforderlich macht, um die Wirkungen des Niedrigzinsumfelds zumindest abzumildern, steht außer Frage. Doch wäre es fahrlässig, ohne strukturierten Planungsprozess an der Risikoschraube zu drehen. Tut man dies, werden Risiken nicht selten unsystematisch erhöht, dabei häufig konzentriert und über den eigentlichen Bedarf hinaus überzogen.

Der Stiftungsvorstand ist jedoch verpflichtet, Risiken bewusst und dem Bedarf entsprechend dosiert einzusetzen, damit ein zu viel an Risiko nicht in unerwartetem Abschreibungsbedarf mündet. Um das richtige Maß an Risiko zu bestimmen, bedarf es zunächst der Kenntnis der Ausgaben- wie der Einnahmenseite der Stiftung.