Stiftungsmanagement Stiftungsvermögen – so gelingt der reale Kapitalerhalt

Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen beim Bankhaus Herzogpark

Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen, beim Bankhaus Herzogpark: „Für die Berücksichtigung der Inflation ist nicht unbedingt der allgemeine Verbraucherpreisindex maßgeblich.“ Bildquelle: Bankhaus Herzogpark

Stiftungen stehen heute stärker denn je unter Druck, ihr Vermögen real zu erhalten und zugleich mehr Wirkung zu erzielen. Volatile Märkte, niedrige Realzinsen und wachsende Erwartungen von Förderern und Öffentlichkeit machen traditionelle Anlagewege zunehmend unzureichend. Wer nicht diversifiziert oder aus Vorsicht auf Rendite verzichtet, gefährdet langfristig die eigene Handlungsfähigkeit – und damit den Stiftungszweck.

Es gibt eine Aussage, die in Stiftungskreisen als konservative Tugend gehandelt wird: Das Vermögen zu erhalten sei das Wichtigste. Eine Stiftung, die ihr Kapital über Jahre hinweg vorrangig in „normal“ verzinsten Anlagen hält und dabei die jährliche Inflation ignoriert, verliert bereits nach zehn Jahren einen erheblichen Teil ihres realen Handlungsspielraums. Zwar bleiben die Ausschüttungen nominell stabil – die Erfüllung des Stiftungszwecks wird jedoch Schritt für Schritt geschwächt.

Sektorspezifische Inflation als Maßstab

Der allgemeine Verbraucherpreisindex bildet die tatsächliche Kostenentwicklung vieler Stiftungen nur unzureichend ab. Gerade in förderintensiven Bereichen wie Gesundheit, Forschung oder Bildung liegen die Kostensteigerungen oftmals spürbar höher. Während die Verbraucherpreisinflation zuletzt im Bereich von rund 2 bis 3 Prozent lag, entwickelten sich Aufwendungen in Forschung, Wissenschaft und spezialisierten Dienstleistungen phasenweise im Bereich von etwa 5 bis 7 Prozent jährlich. Ursachen sind unter anderem steigende Personalkosten, hohe regulatorische Anforderungen sowie zunehmende technologie- und innovationsbezogene Investitionen.

 

Für Stiftungen bedeutet das: Realer Kapitalerhalt sollte sich nicht ausschließlich am allgemeinen Verbraucherpreisindex orientieren, sondern auch an der individuellen Ausgabenstruktur des jeweiligen Förderzwecks.

Das folgende Beispielportfolio, als eine Option der Aktienallokation, weist auf die Tragweite der genannten Sektoren hin: 

  1. Dienstleistungs- und plattformorientierte Geschäftsmodelle: rund 35 bis 45 Prozent (approximative Rechnung über alle eingesetzten Investments)
  2. Technologie und digitale Infrastruktur: rund 25 Prozent
  3. Gesundheit: rund 8 Prozent

Klassische Branchengrenzen verschwimmen zusehends

Zum ersten Punkt zählen beispielsweise Versicherungen, Zahlungsverkehr, Telekommunikation, Finanzmarktinfrastruktur sowie digitale Plattform- und Servicemodelle. Die approximative Zuordnung dient dabei der groben Orientierung, da viele Unternehmen mehrere Geschäftsmodelle kombinieren und klassische Branchengrenzen zunehmend verschwimmen.

Wichtig ist zudem: Diese Werte beziehen sich ausschließlich auf das Aktiensegment. In einem „klassischen“ Stiftungsportfolio mit defensiver bis ausgewogener Mischstruktur fällt der tatsächliche Anteil dieser Sektoren am Gesamtvermögen entsprechend niedriger aus.

Realer Kapitalerhalt versus Renditemaximierung

Realer Kapitalerhalt bedeutet nicht, blindes Renditemaximieren zu betreiben. Es bedeutet, Anlageentscheidungen konsequent daran zu messen, ob sie dem langfristigen Erhalt der Wirkungsfähigkeit dienen. Eine Stiftung, die heute auf Rendite verzichtet, um sich vermeintlich sicher aufzustellen, riskiert morgen, ihre Kernaufgaben nicht mehr adäquat finanzieren zu können.

Dabei schließen sich Sicherheit und Ertrag nicht aus. Wer Anlagerichtlinien konsequent an den eigenen Förderzielen ausrichtet und Risiken strukturiert steuert, kann realen Kapitalerhalt und angemessene Erträge miteinander verbinden – ohne dabei die Werte der Stiftung zu gefährden.


Hinweis der Redaktion: Der Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Einschätzung des Autors wieder und ist nicht als neutrale Marktanalyse zu verstehen.

Über den Autor 

Christian Opelt ist Senior Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen beim Bankhaus Herzogpark. Zuvor war er über zwanzig Jahre für Stiftungen bei Donner & Reuschel zuständig – zuletzt als Direktor. Das Bankhaus Herzogpark wurde 2009 von Unternehmern für Unternehmer gegründet und steht für eine unabhängige, langfristig ausgerichtete Vermögensverwaltung. Es ist eine Privatbank, die als Vollbank und als unabhängiger Vermögensverwalter agiert.

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