Stiftungs-Workshop „Packen Sie alles in die Rücklagen“

Beim Stiftungs-Workshop diskutierten Stiftungsverantwortliche und Stiftungs- sowie Anlageexperten den Anlagenotstand und wie man damit als Stiftung umgeht | © Johannes Arlt

Beim Stiftungs-Workshop diskutierten Stiftungsverantwortliche und Stiftungs- sowie Anlageexperten den Anlagenotstand und wie man damit als Stiftung umgeht Foto: Johannes Arlt

Stiftungen, vor allem die kleineren und mittelgroßen, stehen in Zeiten niedriger Zinsen, vor großen Problemen, insbesondere, wenn diese – wie aktuell – über einen längeren Zeitraum niedrig bis negativ ausfallen. Läuft eine bisher gut rentierliche 10-jährige Bundesanleihe aus, bereitet die Wiederanlage den Verantwortlichen in der Regel Kopfzerbrechen.

„Allerdings kommen erst jetzt viele Stiftungen in die Situation“, so Thomas Lange, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Lange Assets & Consulting und Teilnehmer des vom private banking magazins veranstalteten Stiftungs-Workshops. „Früher hat man die Endfälligkeit abgewartet und in die nächste erstklassige Staatsanleihe mit 4 Prozent Zinskupon und zehn Jahren Laufzeit investiert. Heute bekommt man nicht nur keinen Kupon mehr, sondern geht auch noch ein Risiko ein. Denn die 1,3 Prozent für eine italienische Staatsanleihe sind dürftig und mehr durch die Geldpolitik der EZB getrieben als dass sie Ausdruck eines soliden Staatshaushaltes wäre.“ Entsprechend könne auch ein guter Rentenmanager zurzeit nicht mehr als 1,5 oder 1,75 Prozent Rendite bei vertretbaren Risiko an den Anleihemärkten erwirtschaften.

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Für Wolfgang Hiege, Vorstand der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs, ist klar, dass es mit Rentenpapieren nicht mehr viel zu holen gibt: „Die neuen Anleihen sind Immobilien. Die werfen solide Erträge ab – vorausgesetzt man hat interessante Objekte zu guten Kaufkonditionen bekommen.“

Das ist dann auch die Crux, über die sich alle Teilnehmer des Stiftungs-Workshops einig sind: Immobilien in gefragten Lagen sind bereits gut gelaufen und die hohen Preise machen die Möglichkeit, Renditen mit ihnen zu erwirtschaften äußerst schwierig. „Bei Stiftungen kommt noch hinzu, dass viele ihre in den Anlagerichtlinien vorgegebenen Immobilien-Obergrenzen im Portfolio ausgereizt haben“, sagt Rainer Schwanbeck, Geschäftsführer der RC Banken.

Wege aus dem Anlagenotstand

Was also tun? „Wir gewichten unser Portfolio mit jeweils 30 Prozent Aktien, Anleihen und Alternatives und 10 Prozent Immobilien“, erklärt Karsten Behr, Geschäftsführer und Verantwortlicher der Kapitalanlage der Bingo Umweltstiftung. Das bescherte der Stiftungen, die über ein Stiftungskapital von rund 18 Millionen Euro verfügt, 2015 eine sehenswerte Rendite von 4,1 Prozent.

Aber auch er kämpft mit Herausforderungen, beispielsweise in Hinblick auf Private-Equity-Investments. Kommen diese in einer rechtlichen Hülle wie einer GmbH & Co. KG daher, laufen Stiftungen Gefahr, dass deren Erträge steuerpflichtig sind, weil sie als gewerblich klassifiziert werden. Die Anlage in Private Equity will also auch gekonnt sein und ist ohnehin meist nur ab größeren Anlagevolumina möglich.

„Viele Anleger sind doch auf der Suche nach unkorrelierten Investments“, so Behr. „Mal sind es Versicherungsrisiken wie bei Cat-Bonds, mal das Thema Private Equity. Generell habe ich den Eindruck, dass die Vermögensverwalter und Produktanbieter diesbezüglich kreativer geworden sind. Etwas das gut ist.“

Das Problem mit der Wiederanlage sieht auch er – auch abseits von Renteninvestments. Um beispielsweise das Risiko zu minimieren, bei einem Kauf von Aktien einen Höchststand zu erwischen, investiert er die gewünschte Summe über drei bis vier Tranchen. So will der Geschäftsführer der Bingo Umweltstiftung verhindern, dass er zufällig ausgerechnet zum Höhepunkt einer Kurs-Rallye eine Aktie kauft.

„Abseits solcher taktischen Manöver hat sich unser strategischer Fokus etwas verändert. So zielen wir nicht mehr ganz so konsequent wie früher auf ordentliche Erträge bei der Kapitalanlage ab“, sagt Behr. „Als Beimischung schauen wir uns mittlerweile Investments an, die außerordentliche Erträge versprechen.“ Behr ist vor einiger Zeit beispielsweise im Rohstoffbereich auf Öl aufmerksam geworden, als der Ölpreis aus seiner Sicht kaum mehr tiefer fallen konnte. Steigt der Ölpreis, kann er seine Zertifikate gewinnbringend veräußern und in die Rücklagen der Stiftungsbilanz einstellen.

Puffer, Puffer, Puffer

Ein Kunstgriff, den der Geschäftsführer der Bingo Umweltstiftung ohnehin für sehr wichtig hält: „Wir haben immer die Strategie gefahren, die Rücklagen so hoch wie möglich zu halten, sowohl über Zuwendungen als auch die Erträge. Das ermöglicht mir zu jedem Zeitpunkt, die freien Rücklagen der Mittelverwendung zuzuführen, wenn es denn nötig wird.“ In guten Zeiten solle man entsprechend Puffer aufbauen – Puffer für die Kapitalanlage des Stiftungsvermögens wie auch Puffer für die Verwirklichung des Stiftungszwecks.

„Was man allerdings tunlichst vermeiden sollte, ist die Überführung von Mitteln aus den Rücklagen ins Stiftungskapital“, sagt Jörg Seifart, geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für das Stiftungswesen. Damit würde man vollkommen ohne Not den Risikopuffer schmälern und müsse zusätzlich gegebenenfalls für den Nachweis des Kapitalerhalts aus den ohnehin zurzeit niedrigen Erträgen eine freie Rücklage dotieren.

Seifart weiter: „Die Umschichtungsrücklagen ist für Stiftungsverantwortliche und auch für Asset Manager ein tolles Gestaltungsinstrument und kann eigentlich nicht hoch genug sein. Denn wenn einmal Kursverluste realisiert werden, fallen diese bei einer entsprechend hohen Umschichtungsrücklage nicht allzu dramatisch ins Gewicht. Gleichzeitig kann man aber auch auf die Rücklage zur Verwirklichung des Stiftungszwecks durch Projekte bei Bedarf zurückgreifen, wenn es eine entsprechende Regelung in der Satzung zulässt.“ Wer Kursgewinne stattdessen ins Stiftungskapital überführe, würde sich nur die Messlatte für die Kapitalanlage unnötig erhöhen.

„Gleiches gilt im Übrigen auch aus genannten Gründen für Zustiftungen. Stiftungsverantwortliche sollten darüber nachdenken, mit Zustiftern zu sprechen und die Alternative einer Zuwendung in die Umschichtungsrücklage zu thematisieren. Der Haken dabei ist allerdings, dass dann nur der normale Spendenabzug gilt.“, so der Stiftungs-Experte.