Stiftung ist nicht gleich Stiftung „Stiftungs-Know-how ist ein enormer Wettbewerbsvorteil“

Jörg Seifart, Gründer und Geschäftsführer der Gesellschaft für das Stiftungswesen

Jörg Seifart, Gründer und Geschäftsführer der Gesellschaft für das Stiftungswesen

private banking magazin: Was sind die Stolperfallen, denen Private Banker begegnen, wenn Sie erstmalig mit Stiftungen zu tun haben?

Jörg Seifart: Zunächst einmal ist das ein Problem der Erwartungshaltung. Vielfach werden die deutsche Stiftungslandschaft und die Höhe des gesamten Stiftungsvermögens ohne vertiefte Brancheneinblicke nahezu euphorisch gesehen und eingeschätzt. Verlässliche Zahlen gibt es dazu zwar nicht, aber seriöse Schätzungen gehen von einem Stiftungsvermögen von einer hohen zweistelligen Milliardenhöhe aus.

Die Zahl hört sich doch aber sehr hoch an…

Seifart: Ist sie ja auch. Allerdings muss man davon ausgehen, dass Stiftungen in ihrem Vermögen aus individuell nachvollziehbaren Gründen beispielsweise auch Unternehmensanteile am Unternehmen des Stifters oder Immobilien halten. Asset-Klassen also, für die Private Banker, Family Officer und Vermögensverwalter normalerweise keine Dienstleistungen anbieten. Dazu kommt, dass ein komplexer und sicherlich fachlich guter Anlagevorschlag manchmal die Gremien und die Buchhaltung, aber auch die zuständigen Ämter, überfordert und allein aus diesem Grund nicht umgesetzt wird. Die Stiftungslandschaft ist eben, was profunde Vermögensverwaltungskenntnisse angeht, sehr heterogen.

Was sollten Vermögensverwalter also beachten, damit sich ihr Engagement um Stiftungskunden am Ende auszahlt?

Seifart: Vielen sind die Besonderheiten bei der Anlage eines Stiftungsmandats, darunter insbesondere die Zusammenhänge mit der Stiftungsbilanz nicht bewusst. Da geht es um die Unterscheidung von ordentlichen und außerordentlichen Erträgen sowie den gekonnten Umgang mit der sogenannten Umschichtungs- und Neubewertungsrücklage. Die spezielle Denkweise, die sich für Stiftung daraus ergibt, muss ein Vermögensverwalter verinnerlicht haben.

Ein  Beispiel?

Seifart: Nehmen Sie die das Thema realisierte Kursverluste. Die müssen negativ in die Umschichtungsrücklage eingestellt werden und diese darf nur mit außerordentlichen Erträgen ausgeglichen werden. Ein bloßer Wertzuwachs im Depot reicht also nicht aus, um dieses diskussionsträchtige sogenannte Loch in der Bilanz, das unter anderem dazu dient den Erhalt des Stiftungsvermögens zu zeigen, buchhalterisch zu schließen. Fairerweise muss man sagen, dass Fragenstellungen dieser Art nicht zum Tagesgeschäft der Berater gehören. Entsprechend hat man am Markt mit einem solchen Know-How sicherlich einen Wettbewerbsvorteil hat.

Handlungsängste und Krisengerede – was ist in der deutschen Stiftungslandschaft wirklich dran?

Seifart: Das Niedrigzinsumfeld belastet natürlich auch die Anlage des Stiftungskapitals. Allerdings ist das Krisengerede in der Stiftungsszene auch sehr präsent. Andere institutionelle Anleger sind da schon einen Schritt weiter und gehen die Herausforderungen viel aktiver an. Gerade hier zeigt sich das Professionalisierungs-Potenzial, was auch nicht verwundert, liegt die Stärke einer Stiftung in der Regel in der inhaltlichen Arbeit, dem Stiftungszweck, und nicht im Management oder im Vermögensmanagement. Dazu kommt, dass weitverbreitet immer noch eine große Unsicherheit besteht, was Stiftungen in ihrer Vermögensverwaltung machen dürfen und was nicht. Entsprechend groß ist dann die Verunsicherung beim Anlageverantwortlichen einer Stiftung.

Das Interview in voller Länge lesen Sie in der nächsten Ausgabe vom private banking magazin (erscheint am 10. April)

Über den Interviewten: Jörg Seifart ist Gründer und Geschäftsführer der Gesellschaft für das Stiftungswesen mit Sitz in Düsseldorf. Als Volljurist mit vertieften Kenntnissen in Betriebswirtschaft und Projektmanagement sowie Journalismus und Politik gilt er als Experte für komplexe Fragestellungen rund um das Stiftungswesen.

Veranstaltungshinweis

Seminar: Praxistraining – Stiftungen erfolgreich in der Vermögensanlage beraten
Termin: 3. Juni 2014, 9 bis 17 Uhr
Ort: Frankfurt am Main
Referenten: Dr. Stefan Fritz, Leiter des Stiftungsmanagement der HypoVereinsbank/Unicredit Bank; Jens Güldner, Leiters des Vermögensmanagement des Evangelischen Johannesstifts; Jörg Plesse, Erb- und Stiftungsmanager im Private Banking der Norddeutschen Landesbank; Jörg Seifart, Gründer und Geschäftsführer der Gesellschaft für das Stiftungswesen
Credits: 5,0 CPF-Credits (FPSB-Veranstaltung 13-105)

Zur Anmeldung geht es hier.