Stiftungen und Family Offices im Blick So wirkt sich die 4. EU-Geldwäsche-Richtlinie aus

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Kapitel 3: Auswirkungen auf Kunden und Ihre Berater

Zum einen ist davon auszugehen, dass Verpflichtete wie Banken und andere Berater eine Registerpublizität ihrer Geschäftspartner effektiv prüfen und dies faktisch einen Druck zur Dokumentation und Veröffentlichung bewirkt. Dies sorgt für wachsende Transparenz.

Durch diesen faktischen Publizitätsdruck und gegebenenfalls Zugriffsmöglichkeiten der Finanzverwaltung auf diese Daten, wird auch der Spielraum für grenzüberschreitende Steuerhinterziehung weiter verringert. Darüber hinaus wird das Netz der Transparenz über den Automatischen Informationsaustausch (AIA) weiter verdichtet. 

In diesem Zusammenhang sei auch noch darauf hingewiesen, dass die neue Richtlinie nach überwiegender Meinung dazu zwingen wird, auch die einfache Steuerhinterziehung (und nicht nur banden- und gewerbsmäßig) als Vortat der Geldwäsche festzuschreiben. Dies würde die Dichte der Meldungen deutlich erhöhen.

Es sind aber auch die Auswirkungen auf vermögende Familien mit redlichem Hintergrund zu beachten.

Angriff auf die Privatsphäre

Zunächst müssen vermögende Kunden und Family Offices diese Daten ermitteln, bereithalten und einstellen und sensibilisiert werden für mögliche, derzeit noch nicht vollständig feststehende Sanktionen. Zu berücksichtigen ist auch die negative Öffentlichkeitswirkung bei Verstößen (Naming & Shaming).

Sodann ist die Privatsphäre dieser Personenkreise betroffen: In der Beratung von vermögenden Personen begegnet man häufig dem Wunsch, dass das Vermögen, die Art und Strategie des Investments sowie die investierenden Personen nicht der Allgemeinheit offen zugänglich sein sollen. Dies hat – entgegen aller Unkenrufe – in vielen Fällen nichts mit fehlender steuerlicher Compliance oder anderer Straftaten zu tun.

Dieser Wunsch kann zum einen bereits innerfamiliär begründet sein. Nicht allen Familienmitgliedern soll der schrankenlose Blick auf das Vermögen eröffnet werden. Dies kann mit befürchteten Erb- und Pflichtteilsstreitigkeiten zusammenhängen, die für ein Familienvermögen zerstörerisch wirken können. Auch Streitigkeiten von verschiedenen Familienstämmen sind hier keine Seltenheit.

Zudem kann auch Wunsch sein, strategische Investments nicht der Öffentlichkeit preiszugeben. So ist es kein Geheimnis, dass die Publizität im Handelsregister durch Familienunternehmen gern vermieden wird. Schlicht kann auch die Angst mancher reicher, aber nicht so sehr im öffentlichen Fokus stehender Familien, vor Straftaten ihnen gegenüber (Erpressungen, Entführungen et cetera) entscheidend sein.

Dieses aus welchen Gründen auch immer bestehendes Interesse an Privatsphäre wird auch verfassungsrechtlich durch Artikel 6 (Schutz der Familie) und Artikel 1, 2 (Schutz personenbezogener Daten) Grundgesetz geschützt.

In der Beratung wird diesen Interessen häufig durch Strukturen wie Familienpoolgesellschaften, Family-Office- und Holdingstrukturen, Spezialfonds und Stiftungen, sowie international auch Trusts, Rechnung getragen. Je nach Ansässigkeit der Investmentstruktur fehlt es entweder vollständig an einem (zentralen) Register oder der Inhalt ist beschränkt. Hierdurch soll das Vermögen vor dem ungewollten nicht legitimen Zugriff geschützt werden.