Umfrage Stiftungen trotzen Corona

Kirsten Hommelhoff

Kirsten Hommelhoff: Die Generalsekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sieht die Politik in der Pflicht. Foto: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Stiftungen sind gut durch die erste Welle der Corona-Pandemie gekommen. Das zeigt eine Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, an der knapp 300 Stiftungen teilgenommen haben. Eine der größten Herausforderungen für die Zukunft sind die anhaltend niedrigen Zinsen. Vor diesem Hintergrund wird eine zügige Umsetzung der Stiftungsrechtsreform gefordert.

Jede fünfte der befragten Stiftungen brauchte demnach pandemiebedingt Unterstützung durch nichtstaatliche Akteure. Staatliche Corona-Finanzhilfen beantragten 2 Prozent. Aufhebung oder Auflösung waren für 90 Prozent kein Thema. Knapp 60 Prozent der befragten Stiftungen gaben an, dass sich ihre Spendeneinnahmen von März bis Oktober 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nicht verändert haben. Bei 10 Prozent sind sie gestiegen, bei 27 gesunken. Auch die Fördermitteleinnahmen sind bei fast zwei Dritteln der befragten Stiftungen gleichgeblieben. 7 Prozent der Befragten wurden Fördermittel häufiger bewilligt, Kürzungen gab es bei 12 Prozent. Die Einnahmen aus der Vermögensverwaltung schätzten 55 Prozent der befragten Stiftungen so hoch wie im Vorjahreszeitraum ein.

Vor diesem Hintergrund plante zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2020 die Hälfte der Stiftungen, ihre Ausgaben zur Zweckverwirklichung auch 2021 auf Vor-Corona-Niveau zu halten. Gleichzeitig sehen die Befragten anhaltend niedrige Zinsen als große Herausforderung der kommenden Monate und Jahre. 42 Prozent der befragten Stiftungen haben Dritte explizit aufgrund der Corona-Krise unterstützt. Fast ein Drittel hat anderen gemeinnützigen Organisationen geholfen. 18 Prozent haben in der Krisensituation einzelnen Personen unter die Arme gegriffen. Über drei Viertel der befragten Stiftungen gewährten Fördermittel zur Krisenbewältigung. Sachmittel oder sonstige Hilfen stellte jeweils etwas mehr als ein Fünftel bereit. Unterstützung gab es überwiegend in den Bereichen Gesellschaft mit 46 Prozent, gefolgt von Bildung mit 43 Prozent sowie Kunst und Kultur mit 31 Prozent. Knapp 30 Prozent sprangen im Themenfeld Gesundheit und Sport ein.

Kirsten Hommelhoff, Generalsekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen dazu: „Stiftungen scheinen, zumindest mit Blick auf die erste Pandemiewelle, robuster und krisenfester zu sein als Vereine und andere zivilgesellschaftliche Organisationen. Das kann sich allerdings schnell ändern. In einer coronabedingten Rezession wird es immer schwerer, ausreichende Erträge zu erwirtschaften, zumal die Europäische Zentralbank die Zinsen wohl auf absehbare Zeit nicht erhöhen wird. Viele Stiftungen fordern daher die zügige Umsetzung einer praxisnahen Stiftungsrechtsreform und den Abbau bürokratischer Hindernisse. Das wäre eine besondere Form der Anerkennung durch die Politik.“