Indexfonds „Stiftungen suchen Zugang zu Nischenmärkten“

Eric Wiegand von db x-trackers

Eric Wiegand von db x-trackers

private-banking-magazin.de: Wo sehen Sie für Stiftungen die Vorteile von Indexfonds?

Eric Wiegand:  Eine erfolgreiche Anlagepolitik fordert von Stiftungen in der Regel die Quadratur des Kreises. Gleich drei Ziele gilt es zu erreichen: Sicherheit, Ertrag und Liquidität. Stiftungsexperten sprechen daher vom magischen Dreieck der Vermögensanlage.

Eine ausgewogene Portfoliomischung in Verbindung mit kurzfristigen taktischen Investitionen bietet langfristig stabile Erträge und Werterhalt bei begrenztem Risiko. Die Vermögensaufteilung auf Anlageklassen wie Aktien, Renten oder Rohstoffe – stellt hierbei die wichtigste Stufe im Investmentprozess dar, da sie die Wertentwicklung maßgeblich bestimmt.

Gefragt sind daher innovative Konzepte, die dem Anleger überzeugende Renditen bei geringem Risiko bieten können. Und da spielen ETFs Ihre Stärken aufgrund der breiten Streuung und Flexibilität bei niedrigen Kosten aus.

Unterscheiden Stiftungen, etwa durch rechtliche Auflagen, zwischen voll-replizierenden und swap-basierten ETFs?

Wiegand:  Alle in Deutschland zugelassenen ETFs unterliegen den gleichen Regeln der Ucits-Richtlinie für kollektive Fondsanlagen. Da gibt es keinen Unterschied, egal, auf welchem Wege der ETF die Indexrendite erzielt. Vom regulatorischen Standpunkt gibt es daher für Stiftungen keine Grenzen bei der Wahl eines ETFs.

Wir können auch keinen Unterschied feststellen, ob Stiftungen generell ETFs nach der einen oder anderen Methode bevorzugen. Wir sehen als großen Vorteil von swap-basierten ETFs, dass sie sehr genau die Indexrendite wiedergeben und neue Anlageklassen für Investoren erst investierbar gemacht haben. db X-trackers hat auch immer klar kommuniziert, dass der Swap-Partner bei allen ETFs die Deutsche Bank ist.

Um das Gegenparteienrisiko zu eliminieren, wird für die meisten Aktien-ETFs ein Sicherheitenkorb hinterlegt, der das Fondsvolumen zwischen 7,5 und 20 Prozent übersteigt. Auf diese Weise haben wir bereits 2009 ein hohes Sicherheitsniveau für unsere ETFs eingeführt.

Werden ETFs von Stiftungen viel genutzt? Gibt es einen Trend?

Wiegand:  Wie hoch der Anteil von ETFs in Stiftungsdepots ist, darüber gibt es leider keine genauen Zahlen. Wenn ETF-Anteile über die Börse gekauft werden, sehen wir auch nicht, ob eine Stiftung gerade Anteile erworben oder verkauft hat.

Wir wissen allerdings aus Gesprächen, dass sich Stiftungen genau ETFs ansehen und viele schon ETFs intensiv in der Asset Allokation nutzen, vor allem wenn es um Zugang zu Nischenmärkten geht.

Wie können ETFs für die spezifischen Anlageziele einer Stiftung angewendet werden?

Wiegand:  Da stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung.  Eine Möglichkeit sind Anleihen-ETFs, die die Entwicklung von Anleihen eines ganz bestimmten Laufzeiten-Segments abbilden. Auf diese Weise kann der Depotmanager der Stiftung, abhängig von seiner Einschätzung der Zinsentwicklung, sehr genau die Duration im Stiftungsvermögen steuern.

Viele ETFs liegen auch in einer ausschüttenden Tranche vor, so dass das Bestreben jeder Stiftung nach regelmäßigen Erträgen unterstützt wird. Zudem werden ETFs eingesetzt, um beispielsweise Zugang zu Schwellenländern innerhalb des Aktienanteils im Vermögen zu bekommen.

Darüber hinaus hat db X-trackers speziell für Stiftungen zwei ETF-Dachfonds entwickelt. Die db Stiftungs-ETF Wachstum beziehungsweise Stabilität sollen die Wertentwicklung eines ausgeglichenen und diversifizierten Portfolios aus Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Rohstoffen und alternativen Anlagen auf Basis von ETFs abbilden. Die Auswahl der ETFs trifft ein Anlagekomitee aus Experten von DB Advisors.

Ziel der Produkte ist es, kleineren Stiftungen eine Basisinvestition zur Verfügung zu stellen, welche exakt auf die Bedürfnisse von Stiftungen ausgerichtet ist. Neben der Streuung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen in einer strategischen und taktischen Asset Allokation sind die niedrigen Gesamtgebühren ein wesentliches Merkmal der db x-trackers Stiftungs-ETFs. Denn je niedriger die Gebühren sind, umso mehr des Ertrags bleibt ceteris paribus am Ende für den guten Zweck.

Welche Faktoren sind entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung?

Wiegand:  Letztendlich steht und fällt der Erfolg mit der Einschätzung des Portfoliomanagers der Stiftungen. ETFs können aber entscheidend helfen, das Anlageziel kostengünstig, flexibel und zielgenau umzusetzen, damit die Anlageentscheidung der Stiftung auch zu einer Steigerung des Stiftungsvermögens führt.

Nehmen Stiftungen in den aktuellen volatilen Marktphasen verstärkt ETFs in ihre Portfolios?

Wiegand:  Da Stiftungen aber grundsätzlich eher langfristig orientiert sind, ist anzunehmen, dass die kurzfristigen Marktbewegungen nicht grundsätzlich zu Änderungen in der Anlagestrategie führen. Aus dem Jahr 2008 wissen wir, dass Anleger in solchen Phasen eher ETFs suchen, da sie flexibel einsetzbar sind und Marktrisiken so effizienter gesteuert werden können.