Stiftungen Planbare Erträge bei überschaubarem Risiko - das ist vorbei

Markus Steinbeis

Markus Steinbeis

Herr Steinbeis, warum müssen Stiftungen überhaupt ihr Anlageverhalten überdenken?

Markus Steinbeis:
Die Auswirkungen der Finanzkrise haben die Vermögensanlage der Stiftungen grundlegend verändert. In den vergangenen Jahrzehnten waren festverzinsliche Wertpapiere, vor allem Staatsanleihen, für Stiftungen ein ideales Anlageinstrument – planbare Erträge bei überschaubarem Risiko. Das ist vorbei.

Der risikolose Zins ist verschwunden. In Zeiten künstlich niedriger Zinsen und massiver Eingriffe von Notenbank und Politik müssen Stiftungen den Risikobegriff für sich neu definieren. Nicht kurzfristige Schwankungen des Stiftungsvermögens, sondern die dauerhaften negativen Realzinsen sind zukünftig das Hauptproblem. Viele Stiftungen sind nur unzureichend darauf vorbereitet.

Was haben Sie bei der von Ihnen betreuten Stiftung im ersten Schritt getan?

Steinbeis:
Wir haben uns mit den Verantwortlichen zusammengesetzt und zunächst die bestehende Anlagepolitik überarbeitet. Ziel war, das Stiftungskapital in den kommenden Jahren real zu erhalten bei gleichzeitiger Generierung von ordentlichen Erträgen zur Aufrechterhaltung der Fördertätigkeit. Schnell war klar, dass wir uns von einer auf Anleihen
basierenden Strategie in Richtung liquider Sachwerte bewegen müssen.

Welche konkreten Veränderungen haben Sie vorgenommen?

Steinbeis:
Wir haben vor allem drei Dinge verändert: 1.) Die maximal zulässige
Aktienquote wurde von 20 Prozent auf 40 Prozent verdoppelt. 2.) wurde die Aufnahme von Edelmetallen und Immobilien ins Depot ebenso erlaubt wie eine breitere Diversifikation bei Fremdwährungen. 3.) Darüber hinaus wurden die Bonitätsanforderungen im Anleihebereich etwas gelockert, ohne dabei das notwendige Maß an Qualitätsanforderungen aufzugeben.

Steigt mit der Aufstockung des Sachwerte-Anteils nicht die Schwankungsanfälligkeit des Stiftungsvermögens? Also geht der Schuss nicht nach hinten los?

Steinbeis:
Das ist richtig. Aber Stiftungen müssen, wenn sie ihre Ziele erreichen wollen, schrittweise mehr Risiko nehmen. Umso wichtiger ist ein kontrolliertes Risikomanagement: eine breite Streuung der Risiken, Flexibilität durch aktives Portfoliomanagement und die Fokussierung auf Qualität.

Gibt es schon erste Ergebnisse?

Steinbeis:
Wir sind schon einen großen Schritt des Weges gegangen. Relativ zeitnah wurde die Aktienquote erhöht. Über Aktien lassen sich die Vorteile einer Sachwertanlage mit einer attraktiven Ausschüttung kombinieren. Wir investierten in global aufgestellte Unternehmen mit gesunder Bilanz und attraktiver Dividendenpolitik. Die Dividendenrendite unseres Aktienportfolios liegt aktuell bei über drei Prozent. Darüber hinaus haben wir erste
Investments in Gold getätigt und uns an einem Immobilienportfolio beteiligt.

Und was ist mit den Fremdwährungen?

Steinbeis:
Mit dem Aufbau eines internationalen Aktienportfolios steigt der Anteil an Fremdwährungen. Zusätzlich haben wir vereinzelt in Fremdwährungsanleihen investiert. Fremdwährungen dienen nicht der Spekulation, sondern vielmehr der Risikostreuung. Investition in starke Währungen wie der Norwegischen Krone, dem Singapur-Dollar oder
dem Schweizer-Franken reduzieren die Schwankungen des Portfolios deutlich. Wir müssen mit der Erkenntnis leben, dass der Euro sich in die Reihe der schwachen Währungen eingereiht hat.

Das Interview wurde freundlicherweise von der V-Bank zur Verfügung gestellt.