Vermögensverwalter klärt auf Wie finden Stiftungen die optimale Aktienquote?

Seite 2 / 2

 

Wir stellen bei vielen Stiftungsvorständen oft die Unsicherheit fest, ob Aktienquoten über 30 Prozent überhaupt wirtschaftlich vertretbar und gesetzlich zulässig seien. Dabei zeigt sich, dass unter langfristigen Gesichtspunkten in der Niedrigzinsphase mit Anleihen selbst die Inflationsrate nicht erreicht wurde.

Wir halten ein Verhältnis von 65 Prozent Anleihen und 35 Prozent Aktien als grundsätzliches Basisinvestment einer Stiftung für vertretbar. Wobei die Stiftungsorgane mit dem unvermeidbaren Aktienrisiko verantwortungsvoll umgehen und die Aktienengagements der Stiftung in einer angemessenen Vermögensmanagementstrategie betreuen sollten. Bessere Renditen sind zwar auch bei einem ausgewogenen Mix (50/50) möglich, jedoch sollte hier der Vermögensstock in Aktien eher in einem längeren Zeithorizont aufgebaut werden.

 

 

 

Der Gesetzgeber könnte zudem Regelungen treffen, die der Stiftung helfen können, im Rahmen der Satzung klare Grenzen für die Anlage in Risikokapital zu definieren und auch zu regeln, dass realisierte Kursgewinne aus Aktienverkäufen zur Erfüllung des Stiftungszwecks verwendet werden können.

Es gibt Stiftungen, die Aktienquoten von über 80 Prozent haben, wie zum Beispiel die Gerda-Henkel-Stiftung. Diese konnte immerhin 2021 knapp 2,5 Prozent ihres Kurswertvermögens für fast 300 Vorhaben in 55 Ländern verwenden. Der Anteil der Anleihen betrug dabei lediglich 2,1 Prozent des Vermögens.

Die Tendenz zu höheren Aktienquoten ist erkennbar. Wir empfehlen langfristig, die Aktienquoten stärker auszubauen, das kann über einen längeren Zeitraum geschehen und entsprechend in der Satzung dokumentiert sein. Darüber hinaus ist ein professionelles Management geboten.

Über den Autor:

Marc Gabriel ist Kundendirektor bei der Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung in Kleve. Zuvor war Gabriel als Aktien-Analyst bei