Nacubo-TIAA-Stiftungsstudie „Deshalb schlagen die großen Endowments das 70/30-Portfolio deutlich“

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Noch etwas weiter „aufgezoomt“: Unter den alternativen Investments der Milliarden-Endowments sind neben Hedgefonds mit 17,8 Prozent und Realwertanlagen mit 12,2 Prozent vor allem Private Equity (inklusive Venture Capital) mit durchschnittlich 32,6 Prozent vertreten. Die kleinen Stiftungen mit weniger als 25 Millionen Euro Vermögen investieren im Schnitt fast verschwindend geringe ein Prozent in Private Equity inklusive Venture Capital. Auch bei den Realwertanlagen sind die Unterschiede ausgeprägt: Die größten Endowments investieren hier 12,2 Prozent, die kleinsten nur 5,2 Prozent. In Hedgefonds investieren die Größten 17,8 Prozent, die Kleinsten nur 1,6 Prozent. 

Für die vergangenen 25 Jahre bedeutet das: Die großen Endowments haben das 70/30-Portfolio mit annualisiert 3,2 Prozent Überrendite deutlich geschlagen. Vor der Finanzkrise betrug ihr Vorsprung übrigens 5,1 Prozent pro Jahr; nach der Finanzkrise ging die Überrendite auf 1,1 Prozent pro Jahr zurück. Und 2021/2022 hat der Endowment-Ansatzes insbesondere der großen Stiftungen mit ihrem hohen Anteil an alternativen Investments seine Robustheit eindrucksvoll bewiesen, wie die 10,5-prozentige Outperformance beweist. 

Top-Investmentteams mit Selektions- und Monitoring-Kompetenz

Neben dem hohen Portfolioanteil der „Alternatives“ gibt es noch weitere Faktoren, die vorteilhaft für die großen Endowments sind. Sie verfügen über:

  • Investmentprofis, die nicht nur traditionelle, börsennotierte Anlageformen im Blick haben, sondern auch alternative Anlageklassen wie Hedgefonds, Private Equity inklusive Venture Capital sowie Realwerte wie Immobilien, Rohstoffe und Infrastruktur
  • ein sehr breites, internationales Netzwerk an externen Investmentmanagern, die einzelne Anlagen für die Endowments verwalten
  • hohe Kompetenz für die Managerselektion und das Risikomanagement
  • bessere Konditionen für die Investmentumsetzung durch ihre Netzwerkpartner, weil sie mehr Kapital investieren

Gerade bei alternativen Anlagen entscheidet die individuelle Managerqualität über die Performance. Einen besonders hohen Anteil an alternativen Strategien hat der Stiftungsfonds der Yale University. Die Outperformance des Yale-Fonds gegenüber dem klassischen 70/30-Portfolio lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 15,7 Prozent. In den zwölf Jahren zuvor, seit der Finanzkrise 2008/2009, waren es 3,5 Prozent Outperformance, während der Finanzkrise 5,2 Prozent Underperformance und in den elf Jahren vor der Finanzkrise 10,5 Prozent Outperformance.  

 

 

 

Beinahe fünffacher Gewinn mit dem Ansatz der Yale University

Seit Yales früherer Chief Investment Officer, David Swensen, gemeinsam mit seinem Kollegen Dean Takahashi Mitte der 1980er Jahre das Yale-Modell entwickelt hat, inspiriert der Ansatz viele Vermögensverwalter und Investoren stark – auch mich. Anleger, die einen Endowment-Ansatz verfolgen, investieren langfristig, können deshalb auch Illiquidität tolerieren und mit der Zeit hohe Illiquiditätsprämien realisieren. Sie konzentrieren sich darauf, langfristig nachhaltigen Mehrwert zu schaffen. Ihr relativ geringes Exposure in den traditionellen, börsennotierten Anlageklassen Aktien und Anleihen macht sie weniger anfällig für vorübergehende Marktschwankungen. Stattdessen diversifizieren sie ihre Anlagen mit ihrem umfassenden Multi-Asset-Ansatz über verschiedenste, gering korrelierte Anlageklassen – und ohne starke Konzentration auf eine Benchmark. 

Last but not least noch ein Vergleich in US-Dollar: Hätte ein Investor am 1. Juli 1997 10.000 US-Dollar in ein klassisches 70/30-Portfolio investiert, hätte er diese Summe bis zum 30. Juni 2022 – ohne Berücksichtigung von Kosten – auf rund 39.000 US-Dollar vermehrt. Mit dem Endowment-Ansatz der Yale University wären es 175.000 US-Dollar gewesen – also viereinhalb Mal so viel wie mit dem 70/30-Portfolio. 


Über den Gastautor:
Günter Jäger hat Plexus Investments im Jahr 2006 gegründet. Davor leitete er bei der LGT Capital Management das Portfolio-Management des Fürstlichen Portfolios und der Multimanager-Produkte. Ursprünglich kommt er aus dem Risikocontrolling. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler ist unter anderem Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA), Certified Financial Risk Manager (FRM) und Certified International Wealth Manager (CIWM). Seit mehr als 20 Jahren investiert er für vermögende Mandanten nach dem Endowment-Ansatz.

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