Ex-Steuerfahnder Frank Wehrheim Steuerhinterziehung? „Das Schlimmste sind Ehefrauen, die im roten Bereich laufen“

Frank Wehrheim – Autor „Inside Steuerfahndung“: Steuerfahndung in Deutschland – Elite oder Papiertiger | © Ch. Scholtysik und P. Hipp

Frank Wehrheim – Autor „Inside Steuerfahndung“: Steuerfahndung in Deutschland – Elite oder Papiertiger Foto: Ch. Scholtysik und P. Hipp

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Wer seine Ehefrau betrügt und Steuern hinterzieht, lebt gefährlich. Entweder sollte die Ehefrau nichts von der Steuerhinterziehung wissen oder aber nicht mitbekommen, dass sie betrogen wird. Denn sonst kann der Seitensprung teuer werden und sogar im Gefängnis enden. „Das Schlimmste sind Ehefrauen, die im roten Bereich laufen“, so Ex-Steuerfahnder Frank Wehrheim auf dem Private Banking Kongress in München. „Das war manchmal so destruktiv, dass mir der Mann schon fast leidgetan hat.“ Die Frauen wollten sich einfach nur rächen, „koste es, was es wolle“.

Steuerhinterziehung kann recht teuer werden. In der Regel gilt eine Verjährungsfrist von 5 Jahren, die sich unter bestimmten Voraussetzungen sogar auf 10 Jahre erhöhen kann. „Das heißt, dass Finanzamt kann die Steuern aus den vergangenen 5 bis 10 Jahren zurückfordern“, so Wehrheim. Da komme einiges zusammen. „Zumal Neben der Steuerforderung noch Zinsen von 6 Prozent pro Jahr berechnet werden.“ Das Geld, das man am Staat vorbei geschleust hat, ist dann schnell aufgebraucht.

„Ich stehe inzwischen auf der anderen Seite"

Wehrheim hat 28 Jahre in der Steuerfahndung gearbeitet. Seit 2009 ist er als Steuerberater tätig. „Ich stehe inzwischen auf der anderen Seite. Das ist sehr interessant. Viele Selbstanzeiger kommen zu mir, wahrscheinlich aufgrund meiner Vergangenheit als Fahnder.“ Er könne durchaus einen Trend erkennen, dass immer mehr Menschen „einfach nur aus der Nummer rauswollen“.

Aktueller Auslöser: Offshore-Leaks. Dort wird enthüllt, welche Banken ihren vermögenden Kunden immer wieder bei Geldtransfers in Steuerparadiese geholfen haben. „Nicht alles ist allerdings Steuerhinterziehung“, gibt Wehrheim zu bedenken. Schließlich gebe es genug Wege, Steuern zu vermeiden. „Damit macht man sich nicht gleich strafbar.“ Zudem sei es fraglich, ob die Fahnder die Steuerdaten überhaupt bekommen könnten.

Immerhin bringt es Bewegung in die Verfolgung von Steuerbetrügern. Finanzminister Wolfgang Schäuble will den Kampf gegen Hinterzieher verschärfen und fordert ein Steuer-FBI. Wehrheim: „Eine Bundessteuerfahndung wäre auf jeden Fall gut.“

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