Statt Diskussion um aktiv vs. passiv, Teil 1 Ein Plädoyer für aufgeklärtes Investieren

Andreas Lesniewicz: Der Geschäftsführer von Conren Research plädiert für einen undogmatischen Umgang mit aktiven und passiven Investments. | © Giorgio von Arb

Andreas Lesniewicz: Der Geschäftsführer von Conren Research plädiert für einen undogmatischen Umgang mit aktiven und passiven Investments. Foto: Giorgio von Arb

Was ist besser, aktives oder passives Investieren? Kaum ein Thema wird in der Finanzbranche leidenschaftlicher diskutiert als diese Frage. Mal abgesehen davon, dass es für beide Ansätze gute Argumente und generell nicht den einen richtigen Weg, werden in der Debatte häufig Äpfel mit Birnen verglichen und Statistiken zweckgebunden erstellt. 

Es beginnt schon damit, dass ETFs oft als passiv und alle anderen Fonds als aktiv dargestellt werden. In der Rückschau scheint sich passives Investieren damit im Vergleich eher zu rechnen. Allgemein akzeptiert wird dabei, dass Indizes den Markt darstellen und alle aktiven Manager Indizes als Maßstab nutzen, um ihr Können und ihre Leistung zu dokumentieren. Das aber ist zu simpel. Dazu verändert der kometenhafte Aufstieg von ETFs merklich die Verhaltensweise von Märkten. Vergangenheitsdaten sind also mit Vorsicht zu genießen.

Kosten und Risiken von ETFs

Fakt ist zum einen, dass die meisten Fonds sehr nahe an einer Benchmark gemanaged werden und wirklich aktive Investoren rar sind – was nicht zuletzt an den Anreizsystemen der Branche liegt. Sie macht es nicht eben leicht, unabhängig zu denken und zu handeln.

Zum anderen wird, indem man Fonds mit Indizes vergleicht und aus dem vermeintlichen enttäuschenden Ergebnis eine ETF-Überlegenheit ableitet, unterschlagen, dass auch ETFs Kosten haben.

Hinzu kommt, dass es rein passives Investieren nicht gibt. Im Hintergrund müssen stets aktive Entscheidungen getroffen werden – sei es vom Investor oder den Indexgesellschaften, die darüber befinden, wer in den Index aufgenommen und wie dieser berechnet wird. Und neben der Performance wären auch die Liquidität der Investments sowie das eingegangene Risiko zu berücksichtigen. Letzteres wird bei gängigen Aktiv-/Passiv-Vergleichen gerne ausgeblendet. Doch das nur nebenbei.

Die Eigendynamik von Produktinnovationen

Viel schwerer wiegt etwas Anderes: Die Debatte um die vermeintlichen ETF-Vorteile folgt einem Schema, das wir von vielen Investment-Moden der vergangenen Jahrzehnte her nur allzu gut kennen. Ob Hedgefonds, ABS-Produkte oder Protect-Zertifikate, sie alle haben dreierlei gemeinsam: 

  1. Ihre Ideen sind vom Grundsatz her gut. 
  2. Sie werden mit der (manchmal berechtigten) Kritik gegenüber anderen etablierten Lösungen vermarktet. 
  3. Sie entwickeln ab gewissen Volumina eine Eigendynamik, welche die Produkte für den Finanzmarkt selbst und einzelne Anleger gefährlich macht. 

Alle drei Punkte gelten für die zunehmend populären ETFs. Passives Anlegen scheint vielen Anlegern wie der rettende Strohhalm in einer immer komplexeren Investmentwelt mit unübersichtlichen Angeboten, unverständlichen Strategiebeschreibungen und von Rechtsabteilungen verfassten, seitenlangen Prospekten. Spätestens der nächste Crash dürfte vielen ETF-Fans jedoch die Augen öffnen.