Start-up-Standorte Berliner Fintech-Szene zeigt rasantes Wachstum

Jürgen Allerkamp (li.), Vorstandsvorsitzender der IBB und Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer

Jürgen Allerkamp (li.), Vorstandsvorsitzender der IBB und Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer

Als Start-up-Standort nimmt Berlin bei Fintechs bundesweit eine führende Rolle ein. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) „Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung“. Rund 70 Fintech-Unternehmen sind demnach in Berlin beheimatet, die 2015 mehr als 79 Millionen Dollar Wagniskapital nach Berlin holen konnten. In Frankfurt sitzen laut Studie etwa nur halb so viele Unternehmen der neuen Bankenwelt.

„Berlin hat sich innerhalb kürzester Zeit zum deutschen Zentrum für junge Fintech-Unternehmen entwickelt“, sagt die Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung Cornelia Yzer, die zugleich an den Bund appellierte, angesichts des enormen Potentials für den Wirtschaftsstandort für ein entsprechend positives regulatorisches Umfeld zu sorgen. Für Berlin sei die räumliche Nähe zur Regierung sowie zu Branchenverbänden und Lobbyisten vor diesem Hintergrund ein wichtiger Standortvorteil.

Deutsche Fintechs nach Geschäftsfeldern


Quelle: IBB-Studie 2016/Barkow Consulting

Wichtige Chance

Trotz der bei Start-ups üblichen hohen Dynamik und Volatilität stellen Fintechs für die wirtschaftlich schwache Bundeshauptstadt eine wichtige Chance dar: Angesichts der verhältnismäßig einfachen Skalierbarkeit ihrer digitalen Geschäftsmodelle könnten einige dieser Unternehmen schnell zu Marktführern im Finanzbereich werden und so für nachhaltiges Wachstum sorgen. 

„Der Bereich Fintechs entwickelt sich derzeit mit exponentiellen Wachstumsraten außerordentlich dynamisch, vor allem gemessen anhand des in Fintechs investierten Wagniskapitals. In den letzten Wochen konnten viele dieser in Berlin ansässigen Unternehmen zweistellige Millionenbeträge von nationalen und internationalen Investoren einsammeln“, sagte Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender der IBB, bei der Vorstellung der Studie.

Konkurrenz Tech Quartier

Bei diesen Unternehmen handelt es sich um N26 (vorher Number 26), Anbieter eines mobilen Girokontos (40 Millionen US-Dollar); Finleap, ein auf die Finanzdienstleistungsbranche spezialisierter Company Builder (21 Millionen Euro); Friendsurance, ein Versicherungsmodell, das Schadensfreiheit mit Beitragsrückzahlungen belohnt (15 Millionen US-Dollar) und Spotcap, eine Kreditplattform für kleine und mittlere Unternehmen (34,4 Millionen US-Dollar).

Investitionen in deutsche Fintechs 2011-2015 in Milliarden US-Dollar


Quelle: IBB-Studie 2016/KPMG und CB Insights

Den Titel des deutschen Fintech-Standortes Nummer 1 will Frankfurt der Bundeshauptstadt aber nicht ohne weiteres überlassen: In der Finanzmetropole öffnet in Kürze ein Fintech-Zentrum seine Pforten. Das sogenannte Tech Quartier soll die Stadt ebenfalls zu einem international führenden Zentrum für Start-ups mit Fokus auf digitale Finanzdienstleistungen machen. Mehrere namhafte Sponsoren haben bereits ihre Unterstützung zugesagt.