Bilanzskandal Greensill Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen ehemalige Bank-Vorstände

Ehemaliger Standort der Greensill-Bank in Bremen

Ehemaliger Standort der Greensill-Bank in Bremen: Die Finanzaufsicht Bafin hatte die Tochter der britisch-australischen Finanzfirma Greensill Anfang März 2021 wegen drohender Überschuldung für den Kundenverkehr geschlossen. Bildquelle: Imago Images / Eckhard Stengel

Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Anklage gegen drei ehemalige Top-Manager der insolventen Greensill Bank erhoben. Die Vorwürfe: Herbeiführen eines Bankrotts im besonders schweren Fall, Bilanzfälschung und Verletzung von Buchführungspflichten. Das geht aus Berichten des Handelsblatts hervor. Die Staatsanwaltschaft Bremen und der Insolvenzverwalter Michael Frege meldeten sich auf Anfrage dieser Redaktion nicht.

 

Angeklagt wegen Bilanzfälschung sind laut Handelsblatt der ehemalige Vorstandschef Markus Nünnerich und der ebenfalls im Vorstand angesiedelte Danyon Lloyd sowie ein früherer Aufsichtsrat. Nünnerich und Lloyd müssen sich vor Gericht gegen den Vorwurf des herbeigeführten Bankrotts verantworten. Dem Aufsichtsrat wird Verletzung von Buchhaltungspflichten vorgeworfen. Bis zu einem möglichen Prozessende gilt die Unschuldsvermutung für alle drei Angeklagten.

Kommune scheiterte mit Klage gegen Greensill 

Gegen elf weitere Verdächtige konnte der Verdacht nicht bestätigt werden und die Ermittlungen wurden eingestellt. Die Gemeinde Vaterstetten scheiterte vor gut einem Jahr mit ihrer Klage vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Der Finanzvermittler habe seine Pflicht erfüllt, indem er das BBB+-Rating der Greensill-Bank der Kommune ab Oktober 2020 mitteilte.

Insgesamt 50 Kommunen sind von der Greensill-Insolvenz betroffen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 3 Milliarden Euro. Der Insolvenzverwalter Michael Frege von der Greensill Bank konnte laut Handelsblatt 900 Millionen Euro an Einlagen sichern. Die verantwortliche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RSM Ebner Stolz zahlte wohl rund eine Million Euro nach außergerichtlicher Einigung.

Auf Rückfrage der Redaktion antwortet der mit Frege kooperierende Anwalt Joachim Kühne: „Es ist uns nicht möglich, zu Einzelheiten des Insolvenzverfahrens öffentliche Stellungnahmen abzugeben oder Auskünfte zu Rechtsverhältnissen zu erteilen.

Günstige Zinsen durch zweifelhafte Forderungsfinanzierungen 

Nachdem die ehemalige Bremer Nordfinanz Bank 2014 von Investor Lex Greensill übernommen wurde, finanzierte sie Lieferkettengeschäfte. Durch attraktivere Zinsen lockte sie rund 50 Kommunen. Auch die Großbank Credit Suisse zählte zu den Greensill-Kunden.

Die Greensill Bank konnte die Existenz bilanzierter Forderungen im Jahr 2020 nicht nachweisen. Dies stellte die Bafin in einer forensischen Sonderprüfung fest – die bilanzierten Forderungen stammten von der GFG Alliance Group. Der Versicherer der Forderungsfinanzierung, Tokio Marine, sprang März 2021 ab. Die Bafin stoppte daraufhin alle Ein- und Auszahlungen der Bremer Bank. Greensill beantragte Insolvenz.

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