Umfrage unter Vermögensverwaltern Nach Zinsanstieg – Gehören Staatsanleihen in die private Vermögensverwaltung?
Habbel, Pohlig & Partner: „Staatsanleihen mit längerer Restlaufzeit sind auch als Basisinvestment interessant“
Neben dem Einsatz hochrentierlicher Kurzläufer als Kasse-Ersatz, setzen wir bonitätsstarke, liquide Staatsanleihen über die gesamte Renditestrukturkurve zur aktiven Steuerung von Zinsänderungs- und Kurvenrisiken ein.
Staatsanleihen mit längerer Restlaufzeit sind jedoch auch als Basisinvestment interessant, da sie wieder eine Chance auf positive Realrenditen bieten. Der Vergleich aktueller Anleiherenditen mit den veröffentlichten Inflationszahlen ist hierbei kaum aussagekräftig, weil damit die Preissteigerung der vergangenen zwölf Monate mit heute gekauften und für die Zukunft geltenden Anleiherenditen verglichen werden. Wie beim Autofahren sollte jedoch – neben dem wichtigen gelegentlichen Blick in den Rückspiegel – letztlich mehr Aufmerksamkeit auf den Blick durch die Frontscheibe gelegt werden.
Doch welche Richtung nimmt die „Inflationsstraße“? Als Hinweis kann die an den Kapitalmärkten eingepreiste, langfristige Inflationserwartung dienen, wie zum Beispiel in fünf Jahren für die darauffolgenden fünf Jahre. Letztere Kennzahl liegt für die Inflation der Eurozone deutlich unterhalb der Rendite von 3,5 Prozent für eine EU-Anleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit. In den USA ist der Abstand angesichts der knapp fünf Prozent Rendite für zehnjährige Anleihen noch signifikanter.
Die Chancen haben sich aus diesem Blickwinkel verbessert, dass Anleger, die heute Staatsanleihen hoher Bonität mit längeren Restlaufzeiten kaufen, positive Realrenditen erzielen könnten. Ein perfektes Timing für einen Einstieg ist erfahrungsgemäß schwierig, auch angesichts „hawkisher“ Zentralbanken. Jedoch wird das Wirtschaftswachstum in der Eurozone nicht sonderlich hoch erwartet, zumal die Konjunktur insbesondere in Deutschland als Schwergewicht schwächelt. Zudem sind die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen in den vergangenen zwei Jahren bereits um stattliche drei Prozent gestiegen, so dass sehr viel Negatives eingepreist sein dürfte.