Staats- versus Unternehmensanleihen Der Markt übertreibt

Ist bei M&G Mitglied des Teams Retail Fixed Interest: Wolfgang Bauer

Ist bei M&G Mitglied des Teams Retail Fixed Interest: Wolfgang Bauer

Man stelle sich ein Land vor, das eine politische Krise durchlebt, nachdem der Regierungschef seinen Rückzug ankündigte, die beiden Volksparteien de facto ohne Führung dastehen und einzelne Regionen in die Unabhängigkeit streben.

Das Außenhandelsdefizit ist auf 7 Prozent des Bruttoinlandprodukts gestiegen, während die zukünftigen Beziehungen des Landes zu seinen wichtigsten Handelspartnern juristisch unklar sind. Wie würden Sie als Anleger reagieren?

Großbritannien kein Einzelfall

Sie würden als Entschädigung wohl eine höhere Rendite auf die Staatsanleihen fordern. Sie ahnen es, es geht um Großbritannien. Dort reagierte der Markt allerdings genau entgegengesetzt auf das Brexit-Referendum. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen, sogenannter Gilts, fiel um ganze 60 Basispunkte (bps) auf Rekordtiefstände unter 0,8 Prozent.

Zwar wurden Gilts mit der Pfund-Abwertung für Anleger aus dem Ausland attraktiver. Wichtiger aber dürfte der Glaube an die Macht der Zentralbanken sein. Bereits am Tag nach dem Referendum signalisierte die Bank of England, durch geldmarktpolitische Lockerungen stützend einzugreifen.

Großbritannien ist kein Einzelfall. In der Eurozone hat die EZB mit Negativzinsen und Anleihekäufen die Anleiherenditen der Kernländer auf historische Niveaus gedrückt. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten Anfang Juli bei minus 19 bps. Lohnen sich Rentenpapiere überhaupt noch?

Chance für Spread-Einengungen

Bejahen kann man das im Fall von Unternehmensanleihen. Deren Risiko-Ertrags-Verhältnis erscheint aktuell im Vergleich zu Staatsanleihen deutlich attraktiver. Die Credit Spreads für auf Euro lautende Investment-Grade-Anleihen liegen bei etwa 130 bps.

Das sind rund 40 bps mehr als Anfang März 2015 – trotz des EZB-Ankaufprogramms für Unternehmensanleihen – und auch mehr als gut zwei Drittel der Fälle während der vergangenen 20 Jahre. Weitere Spread-Einengungen und damit Kursgewinne sind daher eine durchaus realistische Chance.


Über den Autor:
Dr. Wolfgang Bauer arbeitet seit 2012 für M&G Investments. Dort ist er Mitglied des Teams Retail Fixed Interest und stellvertretender Manager von zwei Unternehmensanleihe-Fonds. Sein Fokus liegt auf dem US-Rentenmarkt. Bauer hat an der University of Cambridge in Chemie promoviert und alle drei CFA-Prüfungen bestanden.