SRI-Strategie von Candriam „Gerade Energieeffizienz bietet Potenzial“

David Czupryna (l.) ist Client-Portfoliomanager bei Candriam, Koen Popleu leitet im Thematic-Global-Equity-Team von Candriam die Klimaschutz-Strategie. | © Candriam

David Czupryna (l.) ist Client-Portfoliomanager bei Candriam, Koen Popleu leitet im Thematic-Global-Equity-Team von Candriam die Klimaschutz-Strategie. Foto: Candriam

private banking magazin: Sie suchen beim Aktienfonds Candriam SRI Climate Action nach Unternehmen, die aus den Folgen des Klimawandels wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Ist der Kampf, den Anstieg der globalen Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, bereits verloren?

Koen Popleu: Ganz im Gegenteil. Wir streben nicht nur das 2-Grad-Ziel an, sondern haben uns ein 1,5-Grad-Ziel für unser Fondsmanagement gesetzt. Generell gibt es viele Wege zum Klimaschutz und zur Energiewende. Wir verfolgen zwei zentrale Ansätze. Zunächst setzen wir auf das Ein-dämmen des Klimawandels. Dazu gehört, CO2- und andere Treibhausgas-Emissionen zu verringern. Entsprechende Produkte und Lösungen umfassen alternative Energien wie Solarstrom und die Energiespeicherung – zum Beispiel in Batterien für Elektrofahrzeuge – oder Energieeffizienz-Maßnahmen wie etwa Isolierung. Beim zweiten Ansatz suchen wir nach Strategien, die den Menschen dabei helfen, sich dem Klimawandel anzupassen. Hier sind Lösungen gefragt, mit denen wir die Auswirkungen bewältigen können, etwa Hochwassermanagement oder Abfallbewirtschaftung. Wir sind überzeugt, dass Anlagen in diese Unternehmen ein Teil der globalen Antwort sind.

Laut Rebound-Effekt führen energieeffiziente Prozesse zu mehr Energieverbrauch statt zu weniger. Wie gehen Sie damit in der Unternehmensanalyse um?

David Czupryna: Der Energieverbrauch ist nur insoweit ein Problem, als er das Klima schädigt und endliche Ressourcen erschöpft. Wir wollen nicht nur in Unternehmen investieren, die Lösungen für eine höhere Energieeffizienz bieten, sondern auch in solche, deren Geschäftsmodell um erneuerbare Energien und CO2-freie Energieerzeugung kreist. Wenn CO2-freie Lösungen zu einer höheren Nachfrage führen, würde dies sowohl Verbrauchern als auch Anlegern zugutekommen, ohne das Klima zu schädigen.

Fondsmanager, Finanzanalysen und ESG- Spezialisten: Wer fällt heutzutage die Investitionsentscheidung?

Popleu: Als leitender Portfoliomanager trage ich die finale Verantwortung für alle Investments und die Performance. Das Investmentkomitee unterstützt mich dabei, die Anlagen zu überwachen, neue Themenaspekte zu identifizieren und Anlageideen auszuarbeiten. Unsere Teams bringen ihr Know-how in den Bereichen ESG und Innovation ein. Zudem ermöglichen ihre Fundamentalanalysen, die Märkte, einzelne Unternehmen und Lösungen für den Klimawandel besser zu verstehen.

Wie findet man die Hidden Champions der ESG-Unternehmen?

Popleu: Unsere Investmentanalysen stützen sich auf drei Säulen: Themen, fundamentale Finanzdaten und Bewertung. Jede Säule umfasst strenge Kriterien. Unser doppelter thematischer Filter grenzt das Anlage-Universum ein: Zuerst schließen wir alle Unternehmen aus, die die zehn Grundsätze des Global-Compact-Pakts der UN nicht erfüllen. Anschließend teilen wir die Kandidaten in die Kategorien Eindämmung oder Anpassung ein. Wir verwenden ein firmeneigenes Tool, um den Klimaschutz-Beitrag in Prozent vom Umsatzerlös zu analysieren. Jedes Unternehmen unterziehen wir gründlichen Fundamentalanalysen nach finanziellen und nicht-finanziellen Kriterien in fünf Kategorien. Diese umfassen die Qualität des Managements, das Geschäftswachstum, Wettbewerbsvorteile, Wertschöpfung und Fremdfinanzierung. Unsere traditionellen ESG-Analysen sind in diese Bewertung integriert. Zum Schluss bewerten wir die ausgewählten Aktien und investieren in Werte mit Potenzial für eine langfristige Wertschöpfung.