Sport ist längst keine Liebhaberei mehr – er ist eine Anlageklasse mit robusten Cashflows, geringer Korrelation zu traditionellen Märkten und einem Nachfragefundament, das sich konjunkturellen Schwankungen strukturell entzieht.
Mit einem bis 2030 prognostizierten Marktvolumen von über 600 Milliarden US-Dollar und einer jährlichen Wachstumsrate von gut 5 Prozent wächst der globale Sportmarkt schneller als manche etablierte Sektoren. Für institutionelle Investoren und Family Offices stellt sich damit nicht mehr die Frage ob – sondern wie: Welche Investitionszugänge passen zum eigenen Portfoliokontext, welche Risikoprofile sind realistisch, und wo liegen die strukturellen Renditequellen?
Strukturelle Stärken: Was Sport von anderen Assetklassen unterscheidet – vier Merkmale begründen die wachsende Attraktivität aus Investorensicht:
- Nachfragestabilität durch emotionale Bindung: Keine andere Branche verfügt über eine vergleichbar treue, generationsübergreifende Kundenbasis. Medienrechte lagen 2024 erstmals über 60 Millarden Dollar und sollen bis 2030 auf über 78 Milliarden Dollar steigen. Lizenzierte Sport-Properties erzielten 2024 rund 40,8 Milliarden Dollar Retail-Umsatz; die FIFA WM 2022 verzeichnete 3,4 Mio. Stadionbesucher bei 96,3 Prozent Auslastung.
- Inflationsresistente Einnahmestrukturen: Tickets, Rechteverträge und Sponsoringdeals werden regelmäßig neu verhandelt und passen sich damit dem Preisniveau an – ein Vorteil gegenüber Anleihen oder langfristig fixierten Mietstrukturen.
- Geringe Korrelation zu traditionellen Märkten: Investitionen in Spielerrechte, Vereinsbeteiligungen und sportnahe Infrastruktur korrelieren deutlich schwächer mit klassischen Kapitalanlagen als etwa Private Equity untereinander. Für US-Sportfranchises zeigt die Datenlage: S&P 500 (0,10), Global Equities (0,09), Private Equity (minus 0,12).
- Strukturelles Wachstum durch Kommerzialisierung und Digitalisierung: Die Erschließung neuer Erlösquellen – Streaming, Datenrechte, Fan-Token, internationale Lizenzen – erweitert die wirtschaftliche Basis kontinuierlich, ohne das Kernprodukt zu verwässern.
Investitionszugänge für institutionelle Anleger und Family Offices
Für professionelle Kapitalgeber bildete sich in den vergangenen Jahren ein differenziertes Spektrum an Investitionswegen heraus:
Private-Equity-Beteiligungen an Sportclubs sind das volumenstärkste und medial präsenteste Segment. PE-Gesellschaften erwerben Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen und bringen neben Kapital operative Expertise in Bereichen wie Vermarktung, Datenanalyse und internationale Expansion ein. Renditepotenzial und Risikoprofil sind hoch – der Anlagehorizont typischerweise sieben bis zwölf Jahre. Entscheidend für die Wertentwicklung ist neben dem sportlichen Erfolg die Qualität der Governance-Strukturen, die PE-Investoren in der Regel aktiv mitgestalten.
Sportinfrastruktur bietet das defensivere Risikoprofil: Sportstätten, Stadien und Trainingsanlagen generieren planbare Cashflows über langfristige Mietverträge und bieten zusätzliche Vermarktungspotenziale wie Naming Rights und Event-Hosting. Transaktionen wie Ares Management bei Atletico Madrid, Oaktree Capital bei Inter Mailand oder Arctos Sports Partners über mehrere Ligen zeigen, dass institutionelle Investoren diesen Weg systematisch beschreiten. Für US-Märkte sind Muni Bonds ein etablierter Finanzierungskanal für Stadionprojekte.
Medienrechte zählen zu den lukrativsten und gleichzeitig komplexesten Segmenten. Über spezialisierte Fonds – etwa von Arctos, RedBird Capital und Sixth Street – können institutionelle Investoren in Rechtepakete investieren, deren Wert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Live-Sport getrieben wird. Das zentrale Risiko liegt in der Disruption bestehender Verbreitungsmodelle durch Streaming und plattformbasierte Distribution.
Frühphasen-Beteiligungen an Sport-Startups sind das wachstumsstärkste, aber auch risikoreichste Segment. Sie eignen sich für Family Offices und institutionelle Investoren mit ausgewiesenem VC-Appetite und entsprechendem Portfoliokontext. Das Risikoprofil entspricht klassischen Venture-Capital-Investments: geringe Liquidität, langer Anlagehorizont, Totalverlustrisiko – im Erfolgsfall außergewöhnliche Renditechancen bei global skalierbarer Zielgruppe.
Sport-Startups: Innovationszugang mit Assetklassen-Charakter
Ein eigenständiger Markt mit zunehmender Dynamik entsteht rund um Sport-Startups, die Technologien und Geschäftsmodelle für den Sport von morgen entwickeln. Die Bandbreite reicht von Athletenperformance und Sportmedizin über Fan-Engagement und digitales Vereinsmanagement bis zu nachhaltiger Infrastruktur und mentaler Gesundheit im Leistungssport.
Vier Beispiele illustrieren das Spektrum: Noxon integriert Sensorik in tragbare Textilien, misst Muskelaktivität in Echtzeit und ermöglicht gezielte Stimulation – mit Potenzial in Training, Regeneration und Leistungsdiagnostik sowie Lizenzierungsmodellen für den Profisport. Shownxt betreibt eine KI-basierte Recruiting-Plattform, die Talente weltweit mit Colleges und Vereinen vernetzt – skalierbar, lizenzbasiert, international ausrollbar. All About Midlife adressiert mit einer Gesundheits- und Community-Plattform für Frauen in der Lebensmitte ein strukturell unterbewertetes Marktsegment. Coachbetter digitalisiert den Trainingsbetrieb durch eine datenbasierte Coaching- und Managementplattform – standardisiert übertragbar auf Vereine und Verbände weltweit.
Für Family Offices, die in diesem Segment aktiv werden wollen, ist die Einbettung in eine VC-konforme Portfoliostrategie entscheidend: Diversifikation über mehrere Startups, klare Exit-Szenarien und eine realistische Liquiditätsplanung über fünf bis zehn Jahre.
Tokenisierung: Neue Strukturen für den Kapitalmarktzugang
Blockchain-basierte Beteiligungsmodelle verändern die Zugänglichkeit dieser Assetklasse strukturell. Über Security Token Offerings (STOs) oder digital verbriefte Fondsanteile lassen sich Startup-Beteiligungen in kleineren Stückelungen handelbar machen – reguliert, transparent, mit definierten Anlegerrechten. Plattformen wie Crowdsports, Fantium oder Nordensa erproben diese Modelle bereits in der Praxis. Für institutionelle Investoren sind tokenisierte Strukturen vor allem dann relevant, wenn sie als Instrument zur Portfolioergänzung in illiquiden Sportassets dienen und dabei die regulatorischen Anforderungen an Emission, Verwahrung und Vertrieb vollständig erfüllen.
Regulatorischer Rahmen: Was Investoren wissen müssen
Öffentliche Angebote können der EU-Prospektpflicht unterliegen; Ausnahmen bestehen bei Unterschreitung bestimmter Schwellenwerte (unter anderem die 8-Millionen-Euro-Ausnahme) oder bei Privatplatzierungen mit definiertem Mindestinvestitionsvolumen. Tokenisierte Modelle sind vollständig in das bestehende Wertpapier- und Aufsichtsrecht eingebettet. Für Family Offices und institutionelle Investoren sind darüber hinaus verbandliche Regelwerke – Transferbestimmungen, Erlösverteilungsmodelle, Lizenz- und Teilnahmeregeln – ein häufig unterschätzter Risikofaktor, der in die Due Diligence einzubeziehen ist. Veränderungen in Ligastrukturen oder Verbandsregeln können die wirtschaftliche Basis eines Investments material verändern.
Athleten als Co-Investoren: Ein unterschätzter Faktor
Profiathleten entwickeln sich zunehmend zu einem eigenständigen Investorentyp im Sportkapitalmarkt. Sie bringen neben Kapital praktisches Insiderwissen mit: Kenntnisse über operative Schwachstellen im Trainingsalltag, Netzwerke in Vereins- und Verbandsstrukturen und ein glaubwürdiges öffentliches Profil, das für Startups einen echten Marktvorteil darstellt. Tabea Kemme engagiert sich als Investorin in Sport-Startups mit Fokus auf Frauenfußball; Michael Weigl investiert in nachhaltige Sporttechnologien; Julian Draxler hat sich früh an digitalen Sportinnovationen wie dem Trainer-Kommunikationssystem Coachwhisperer beteiligt. Für institutionelle Co-Investments kann die Beteiligung von Athleten als Qualitätssignal und Marktverstärker relevant sein.
Wachstumsfeld Frauenfußball
Frauenfußball ist strukturell eines der attraktivsten Wachstumssegmente im Sport – mit eigenständigen Sponsorenportfolios, neuen Zielgruppen und einem Momentum, das Kapital, Talent und Community zusammenführt. In Deutschland wird bis 2032 ein Marktwachstum auf über 130 Millionen Euro Jahresvolumen projiziert. Weltweit zählt der Sport bereits über 800 Millionen Fans, rund 60 Prozent davon weiblich; die Zuschauerzahlen bei großen Turnieren stiegen in den vergangenen fünf Jahren um über 50 Prozent. Das Investmentargument liegt im Marktzugang: Frauenfußball erschließt neue Zielgruppen und Sponsorenkategorien, statt bestehende Marktanteile umzuverteilen.
Fazit
Sport als Anlageklasse hat sich vom Nischenphänomen zur ernstzunehmenden Option für institutionelle Portfolios entwickelt. Die strukturellen Treiber – Nachfragestabilität, Inflationsresistenz, geringe Marktkorrelation und anhaltende Kommerzialisierung – sind robust. Die Einstiegsoptionen für professionelle Investoren reichen von planbar-defensiven Infrastrukturinvestments bis zu renditestarken Frühphasen-Beteiligungen. Die stärksten Wachstumssignale kommen derzeit aus dem Innovationssegment: Sport-Startups und tokenisierte Beteiligungsstrukturen erschließen Märkte, die in klassischen Assetklassen nicht abbildbar sind. Wer Sport als Anlageklasse denkt, investiert nicht in Emotionen – sondern in die Infrastruktur einer globalen Wachstumsindustrie.
Über die Autoren
David Eckner ist Geschäftsführer der Service-KVG Opus Prime, einer Tochtergesellschaft der Chartered Investment. Er berät institutionelle Anleger, Family Offices, Stiftungen und Vermögensverwaltern zu Fondsstrukturen und den Schnittstellen von Regulierung, Investment Management und Technologie. Zuvor war er bei KPMG Law, im Bereich Asset Management bei Luther Rechtsanwaltsgesellschaft sowie im Private Banking und der Fondsverwaltung bei HSBC tätig.
Als Rechtsanwalt und Betriebswirt lehrt Eckner zum deutschen, europäischen und internationalen Investmentfondsgeschäft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Hochschule Trier und University of Tilburg School of Law. Er ist Mitglied im Fachausschuss Fonds- und Marktregulierung des Bundesverbands Alternative Investments, Beiratsmitglied des BVK Bundesverband Beteiligungskapital sowie Vorstandsmitglied der Digital Lending Association.
Marion Reichel ist Gründerin und Inhaberin von Athlete Ventures, einer Plattform, die Sport-Startups, Athleten und Sportorganisationen mit Kapital, Strategie und Netzwerk verbindet. Zuvor verantwortete sie vier Jahre das Innovationsmanagement und den Sport-Tech-Accelerator beim 1. FC Köln sowie den Bereich Business Development Impact Investment bei Capacura. Seit über zehn Jahren berät sie Unternehmen in New Business Development und Innovation. Ihre frühere Karriere umfasst acht Jahre bei der Deutschen Telekom im Bereich Strategie und Innovationsmanagement. Sie ist Beiratsmitglied des Gateway Gründungsservice der Deutschen Sporthochschule Köln.
Reichel ist Gründerin und Inhaberin von Athlete Ventures, einer Plattform, die Sport-Startups mit Kapital, Strategie und Netzwerk verbindet. Im Beitrag genannte Unternehmen können dem Netzwerk von Athlete Ventures angehören oder von ihr beraten werden. Der Beitrag gibt die persönliche Einschätzung der Autoren wieder.
