Schlagkräftige Chancen Sport als Anlageklasse: Worauf Investoren jetzt achten müssen

Marion Reichel von Athlete Ventures und David Eckner

Marion Reichel und David Eckner: „Wer Sport als Anlageklasse denkt, investiert nicht in Emotionen – sondern in die Infrastruktur einer globalen Wachstumsindustrie." Bildquelle: Athlete Ventures / Charterd Investment, J. Rolfes

Sport ist längst keine Liebhaberei mehr – er ist eine Anlageklasse mit robusten Cashflows, geringer Korrelation zu traditionellen Märkten und einem Nachfragefundament, das sich konjunkturellen Schwankungen strukturell entzieht.

Mit einem bis 2030 prognostizierten Marktvolumen von über 600 Milliarden US-Dollar und einer jährlichen Wachstumsrate von gut 5 Prozent wächst der globale Sportmarkt schneller als manche etablierte Sektoren. Für institutionelle Investoren und Family Offices stellt sich damit nicht mehr die Frage ob – sondern wie: Welche Investitionszugänge passen zum eigenen Portfoliokontext, welche Risikoprofile sind realistisch, und wo liegen die strukturellen Renditequellen?

Strukturelle Stärken: Was Sport von anderen Assetklassen unterscheidet – vier Merkmale begründen die wachsende Attraktivität aus Investorensicht:

  1. Nachfragestabilität durch emotionale Bindung: Keine andere Branche verfügt über eine vergleichbar treue, generationsübergreifende Kundenbasis. Medienrechte lagen 2024 erstmals über 60 Millarden Dollar und sollen bis 2030 auf über 78 Milliarden Dollar steigen. Lizenzierte Sport-Properties erzielten 2024 rund 40,8 Milliarden Dollar Retail-Umsatz; die FIFA WM 2022 verzeichnete 3,4 Mio. Stadionbesucher bei 96,3 Prozent Auslastung.
  2. Inflationsresistente Einnahmestrukturen: Tickets, Rechteverträge und Sponsoringdeals werden regelmäßig neu verhandelt und passen sich damit dem Preisniveau an – ein Vorteil gegenüber Anleihen oder langfristig fixierten Mietstrukturen.
  3. Geringe Korrelation zu traditionellen Märkten: Investitionen in Spielerrechte, Vereinsbeteiligungen und sportnahe Infrastruktur korrelieren deutlich schwächer mit klassischen Kapitalanlagen als etwa Private Equity untereinander. Für US-Sportfranchises zeigt die Datenlage: S&P 500 (0,10), Global Equities (0,09), Private Equity (minus 0,12).
  4. Strukturelles Wachstum durch Kommerzialisierung und Digitalisierung: Die Erschließung neuer Erlösquellen – Streaming, Datenrechte, Fan-Token, internationale Lizenzen – erweitert die wirtschaftliche Basis kontinuierlich, ohne das Kernprodukt zu verwässern.

Investitionszugänge für institutionelle Anleger und Family Offices

Für professionelle Kapitalgeber bildete sich in den vergangenen Jahren ein differenziertes Spektrum an Investitionswegen heraus:

Private-Equity-Beteiligungen an Sportclubs sind das volumenstärkste und medial präsenteste Segment. PE-Gesellschaften erwerben Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen und bringen neben Kapital operative Expertise in Bereichen wie Vermarktung, Datenanalyse und internationale Expansion ein. Renditepotenzial und Risikoprofil sind hoch – der Anlagehorizont typischerweise sieben bis zwölf Jahre. Entscheidend für die Wertentwicklung ist neben dem sportlichen Erfolg die Qualität der Governance-Strukturen, die PE-Investoren in der Regel aktiv mitgestalten.

 

Sportinfrastruktur bietet das defensivere Risikoprofil: Sportstätten, Stadien und Trainingsanlagen generieren planbare Cashflows über langfristige Mietverträge und bieten zusätzliche Vermarktungspotenziale wie Naming Rights und Event-Hosting. Transaktionen wie Ares Management bei Atletico Madrid, Oaktree Capital bei Inter Mailand oder Arctos Sports Partners über mehrere Ligen zeigen, dass institutionelle Investoren diesen Weg systematisch beschreiten. Für US-Märkte sind Muni Bonds ein etablierter Finanzierungskanal für Stadionprojekte.

Medienrechte zählen zu den lukrativsten und gleichzeitig komplexesten Segmenten. Über spezialisierte Fonds – etwa von Arctos, RedBird Capital und Sixth Street – können institutionelle Investoren in Rechtepakete investieren, deren Wert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Live-Sport getrieben wird. Das zentrale Risiko liegt in der Disruption bestehender Verbreitungsmodelle durch Streaming und plattformbasierte Distribution.