Chinesen lieben gute Weine Spitzengewächse erzielen Traumpreise

Santé, Madame. Ihr gehört das Château Mouton-Rothschild: Philippine de Rothschild auf der Vinexpo, der weltweit bedeutendsten Weinmesse. | © Getty Images

Santé, Madame. Ihr gehört das Château Mouton-Rothschild: Philippine de Rothschild auf der Vinexpo, der weltweit bedeutendsten Weinmesse. Foto: Getty Images

In Flaschen gezogen wird der junge Château Latour, Jahrgang 2010, im kommenden Jahr. Ausgeliefert und soweit überhaupt frei verkauft wird der Spitzenwein erst 2013. Der Subskriptionspreis, heute gezahlt, 2013 geliefert, liegt derzeit bei 235 Euro pro Flasche.

Wer sein Primeur-Investment nicht rechtzeitig reserviert, wird in zwei Jahren 780 Euro für eine Flasche zahlen müssen. So erwarten es zumindest Händler an der Londoner Weinbörse Liv-Ex Fine Wines. Somit ist der 2010er gut 30 Prozent teurer als der Spitzenjahrgang 2009. Weniger edle Gewächse ziehen mitunter sogar deutlich stärker an. Der 2010er Carruades de Lafite – Zweitwein des Château Lafite – kostet mit 109 Euro 60 Prozent mehr als die Vorjahresflasche. Manche vergleichen die Abfolge der guten Jahrgänge 2008, 2009 und 2010 schon mit dem alles überragenden Dreiklang 1988, 1989 und 1990.

Der Liv-Ex-Weinindex stieg im vergangenen Jahr um 97 Punkte auf 363 Punkt und liegt derzeit bei 359 Punkten nahe des historischen Höchststands. Der Durst chinesischer Konsumenten ist Auslöser dieser Reben-Rally. Die edlen Auktionshäuser Sotheby’s, Christie’s und Acker, Merrall & Condit verkauften 2010 Weine für 258 Millionen Dollar. Doppelt so viel wie 2009. Im ersten Halbjahr wechselten Flaschen für 155 Millionen Dollar die Besitzer. „Ist der Wein nicht in der Flasche, können die Chinesen ihn auch nicht den Freunden zeigen“, sagt Simon Staples vom Londoner Händler Berry Bros & Rudd. „Wir hatten einige unglaubliche Auktionen in Hongkong“, sagt auch Serena Sutcliff, Weinexpertin bei Sotheby’s. 128.000 Dollar erreichte dort eine 12er-Kiste 1982er Château Lafite bei der „Ulimate Cellar“-Auktion.

„Manche Leute mit überdurchschnittlicher Finanzausstattung kaufen die Weine, um ihre Investments zu diversifi zieren, und trinken den Wein wahrscheinlich nie im Leben“, meint Alain Bringolf von der Weinhandelsgesellschaft Winemega. „Das ist sehr bedauerlich.“ Cheval Blanc liegt bei 850 Euro je Flasche ab Händler. Dies sind mehr als 20 Prozent Steigerung im Vergleich zu 2009. Die Sechser-Kiste Cheval Blanc Jahrgang 2010 kostet bei Millésima 6.600 Euro plus Mehrwertsteuer, macht 1.309 Euro die Flasche. Die bemerkenswerteste Preissteigerung konnte das Château Ausone verbuchen und den Preis des gleichnamigen Weines ab Weingut um 17 Prozent auf 960 Euro anheben. Ab Händler fordert Ausone nun 1.120 Euro inklusive Mehrwertsteuer für eine Flasche Château Ausone 2010.

Trotz der Preissteigerungen, die einige Güter durchsetzen konnten, scheint die Spekulation etwas abzukühlen. Einige Bordeaux-Weingüter haben reagiert und die Menge reduziert, die sie jetzt in den Handel geben. Sie hoffen, in einer zweiten oder dritten Runde doch noch höhere Preise durchsetzen zu können. So vermarktet Château Mouton-Rothschild angeblich derzeit nur gut ein Drittel der Produktion des Jahrgangs 2010, heißt es im Handel.