private banking magazin: In welchen Bereichen sehen Sie aktuell ein besonders starkes Wachstumspotenzial im Private Banking?
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private banking magazin: In welchen Bereichen sehen Sie aktuell ein besonders starkes Wachstumspotenzial im Private Banking?
Torsten Wetzel: Neben der klassischen Vermögensanlage spüren wir vor allem beim Thema Generationenmanagement ein stark wachsendes Interesse. Viele unserer Kunden möchten ihr Lebenswerk nicht nur sichern, sondern auch sinnstiftend weitergeben. Sie vertrauen uns dabei ein sehr persönliches Thema an – und genau das macht unsere Arbeit so besonders.
Viele vermögende Kunden haben nach wie vor ihre Wurzeln in Familienunternehmen oder regionalen Betrieben. Wie gelingt es Ihnen, diese Zielgruppe langfristig zu binden und Nachfolgelösungen zu entwickeln?
Wetzel: Unsere Region ist von vielen Familienunternehmen geprägt – und wir fühlen uns eng mit ihnen verbunden. Wichtig ist, frühzeitig ins Gespräch zu kommen und Nachfolgelösungen gemeinsam zu entwickeln. Ob bei der Übergabe an die nächste Generation oder beim Verkauf an Dritte: Wir begleiten diesen Prozess individuell. Mit unserem 360-Grad-Ansatz stellen wir sicher, dass wir alle Facetten berücksichtigen. Am Ende ist es das Vertrauen, das unsere Kunden über viele Jahre mit uns verbindet.
Die ostdeutschen Bundesländer stehen wirtschaftlich und demografisch vor besonderen Herausforderungen. Wie verändert dies Ihr Geschäftsmodell im Private Banking?
Wetzel: Ich bin überzeugt, dass das Private Banking auch in den kommenden Jahren weiterwachsen wird. Denn die Zahl der vermögenden Kunden steigt kontinuierlich. Rund 35 Jahre nach der Wende spüren wir noch immer, wie prägend die Erfahrungen aus der Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs sind. Viele Menschen haben mit viel Energie und Innovationskraft neues Vermögen aufgebaut. Inzwischen handeln unsere Kunden sehr umsichtig, treffen Entscheidungen bedacht und planen langfristig. Genau diese Haltung macht den Vermögensaufbau in unserer Region so stabil.
Gibt es regionale Besonderheiten oder einen Home Bias bei Ihren Kunden?
Wetzel: Viele unserer Kunden investieren sehr bewusst in ihrer Heimat – und genau hier sind wir als Sparkasse der ideale Partner. Wir kennen die Region, ihre Chancen und auch ihre Risiken. Andere Kunden suchen stärker die internationalen Märkte. Auch hier stehen wir Ihnen gemeinsam mit unseren Partnern zur Seite und bieten Lösungen an, die zu den persönlichen Zielen passen.
Wie positionieren Sie sich gegenüber Privatbanken und Vermögensverwaltern – und welche Vorteile sehen Sie grundsätzlich als regionale Institution mit vielen Filialen?
Wetzel: Ich bin überzeugt, dass am Ende nicht die Größe des Hauses zählt, sondern die Qualität der Beziehung. Unsere Stärke ist die persönliche, ehrliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit – kombiniert mit der Nähe zur Region. Das schafft Sicherheit und Vertrauen, die für unsere Kunden oftmals entscheidend sind.
Wie gelingt es Ihnen auch angesichts einer geringeren Dichte an sehr hohen Privatvermögen eine tragfähige Private-Banking-Struktur aufzubauen und profitabel zu betreiben?
Wetzel: Unsere Region ist von einem starken Mittelstand, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau und Textilindustrie geprägt – hier wächst Vermögen kontinuierlich. Darauf bauen wir auf. Entscheidend ist, dass wir jedem Kunden die volle Aufmerksamkeit schenken. So entsteht eine stabile Basis, die Private Banking in Chemnitz und dem Umland langfristig erfolgreich macht.
Wie gehen Sie im Private Banking mit dem Thema Nachhaltigkeit um – und welche Rolle spielt die EU-Taxonomie für Ihre Beratung und Produktauswahl?
Wetzel: Nachhaltigkeit gehört für uns selbstverständlich dazu. Viele unserer Kunden möchten, dass ihr Geld nicht nur Rendite bringt, sondern auch Verantwortung übernimmt. Deshalb beziehen wir nachhaltige Produkte aktiv in die Beratung ein – und das Interesse daran wächst von Jahr zu Jahr.
Apropos Nachhaltigkeit: Immer mehr Kunden möchten ihr Erarbeitetes nicht nur an die nachfolgenden Generationen weitergeben, sondern mit ihrem Vermögen auch gesellschaftlich Gutes bewirken. Deshalb gründen wir gemeinsam mit ihnen Stiftungen und begleiten sie langfristig bei diesem wichtigen Schritt.
Stichwort „Fachkräftemangel“: Wie finden, halten und entwickeln Sie qualifizierte Private-Banking-Berater in einer demographisch anspruchsvollen Region?
Wetzel: Unsere Berater sind das Herzstück des Private Banking. Deshalb investieren wir viel in gute Arbeitsbedingungen, persönliche Entwicklung und attraktive Weiterbildung. Uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter spüren, dass sie wertgeschätzt werden und ihre Stärken entfalten können. Dieses Gefühl überträgt sich auch auf unsere Kunden.
Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit zwischen dem Firmenkundengeschäft und dem Private Banking in Ihrer Sparkasse?
Wetzel: Eine sehr große. Viele unserer Unternehmerkunden brauchen Lösungen, die beide Bereiche betreffen – geschäftlich wie privat. Die Kollegen aus den beiden Bereichen arbeiten hier als Tandem und unsere Kunden profitieren so doppelt. Sie spüren, dass alle in einem Team an einem Strang ziehen.
Welche besonderen Anforderungen haben Sie bei vermögenden Kunden mit Migrationshintergrund identifiziert – und inwieweit berücksichtigen Sie diese in Ihrem Private-Banking-Angebot?
Wetzel: Wir stehen für Vielfalt und heißen Menschen aus anderen Nationen willkommen. Dennoch spielt diese Kundengruppe im Bereich des Private Banking noch keine große Rolle. Aber wir sind vorbereitet. Was uns wichtig ist: Jeder Kunde soll sich verstanden fühlen – unabhängig von seiner Herkunft. Dafür nehmen wir uns Zeit und stellen uns individuell auf die Wünsche ein.
Im aktuellen Umfeld hoher Zinsen, schwankender Märkte und geopolitischer Unsicherheiten: Welche Strategien empfehlen Sie Ihren vermögenden Kunden, um Risiken zu steuern und zugleich Chancen zu nutzen?
Wetzel: Viele unserer Kunden teilen das Gefühl, dass die Zeiten unsicher sind. Gerade deshalb ist es wichtig, in engem Kontakt zu bleiben, regelmäßig zu sprechen und die Anlagestrategie immer wieder zu überprüfen. Was wir versprechen können: Jeder Kunde hat bei uns einen Partner an seiner Seite, der aufmerksam zuhört und ihn durch diese anspruchsvolle Zeit begleitet. Unser Anspruch ist, dass unsere Kunden wissen, dass ihr Vermögen in guten Händen ist.
Über den Interviewten:
Torsten Wetzel ist Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Chemnitz. In dieser Position ist Wetzel für Privat- und Firmenkunden inklusive Private Banking zuständig, sowie Treasury, Vertriebssteuerung und Baufinanzierung zuständig.