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2026: Eine Mega-Cap-IPO-Story? „Die nächste IPO-Welle könnte alles verändern“

Eine SpaceX Starship-Rakete hebt vom Startgelände Starbase in Texas ab

Eine SpaceX Starship-Rakete hebt vom Startgelände Starbase in Texas ab: Der FOMO-Effekt bei Mega-IPOs dürfte enorm sein. Bildquelle: Imago Images / ZUMA Press Wire

private banking magazin: Herr Daggett, jahrelang blieben die wichtigsten Tech-Unternehmen deutlich länger privat als früher üblich. Heute sprechen wir nicht mehr nur über Unicorns, sondern über Firmen mit Bewertungen von 100 Milliarden Dollar und mehr. Warum funktioniert das überhaupt?

Paul Daggett: Der wichtigste Unterschied zu früher ist die enorme Kapitalverfügbarkeit in den privaten Märkten. Vor 20 Jahren wurden Wachstumsfirmen fast ausschließlich von klassischen Venture-Capital-Fonds finanziert. Heute investieren zusätzlich Growth-Fonds, Hedgefonds, Mutual Funds, Strategen und sogenannte SPVs. Dadurch können Unternehmen Summen aufnehmen, die früher nur über die Börse möglich gewesen wären.

Ein gutes Beispiel ist OpenAI: In der jüngsten Finanzierungsrunde kamen Milliardenbeträge unter anderem von Amazon, Nvidia und Softbank. Diese Kapitalfülle erlaubt es Unternehmen, sehr lange privat zu bleiben.

Hinzu kommt ein zweiter Faktor: Liquidität. Früher war ein IPO oft notwendig, damit Gründer und Mitarbeiter Anteile verkaufen konnten. Heute funktionieren große Secondary-Transaktionen auch privat. Unternehmen wie SpaceX, Stripe oder Databricks haben umfangreiche Tender Offers durchgeführt. Dadurch entsteht weniger Druck für einen Börsengang.

Wie groß ist diese neue Generation privater Tech-Konzerne inzwischen tatsächlich?

Daggett: Enorm groß. In den USA gibt es inzwischen mehr als 50 Venture-Unternehmen mit Bewertungen über zehn Milliarden Dollar. Sechs liegen sogar oberhalb von 100 Milliarden Dollar: SpaceX, OpenAI, Anthropic, Databricks, Stripe und Waymo. Zusammen kommen diese Firmen auf mehrere Billionen Dollar Unternehmenswert.

Dazu könnten bald weitere Namen stoßen. Anduril etwa wird aktuell mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet. De facto entsteht damit eine Art „private Magnificent Seven“.

Herr Savvides, wie sieht die Lage aus Sicht der Kapitalmärkte aus? Sind die Börsen überhaupt bereit für solche Mega-IPOs?

Renos Savvides: Trotz der jüngsten Volatilität ist der Markt für Kapitalmaßnahmen 2026 überraschend robust. Die Volumina im Equity Capital Market liegen rund 20 Prozent über dem Vorjahr. Besonders stark sind Follow-ons und Block Trades.

Auch der IPO-Markt zieht an, wobei viele Transaktionen aus dem vierten Quartal 2025 ins erste Quartal 2026 verschoben wurden. Entscheidend ist derzeit allerdings die Qualität der Unternehmen. Firmen mit belastbaren Geschäftsmodellen, klaren Wettbewerbsvorteilen und realistischen Bewertungen performen deutlich besser als der Rest.

Renos Savvides „SpaceX könnte Saudi Aramco deutlich übertreffen“ – Renos Savvides, Head of Equity Capital Markets, Neuberger Berman Head of Equity Capital Markets, Neuberger Berman

Über welche Größenordnungen sprechen wir konkret?

Savvides: Die kolportierten Größenordnungen für einen möglichen SpaceX-Börsengang reichen von 30 bis 75 Milliarden US-Dollar Emissionsvolumen. Zum Vergleich: Der bislang größte IPO der Geschichte – Saudi Aramco – lag bei rund 29 Milliarden US-Dollar.

Das zeigt die Dimension. Solche Transaktionen lassen sich nicht mehr allein über traditionelle institutionelle Investoren platzieren. Deshalb werden neue Nachfragequellen entscheidend: Staatsfonds, Pensionskassen, ETFs und vermutlich auch Privatanleger weltweit.

Welche Rolle spielen passive Anleger?

Savvides: Eine sehr große. Nasdaq hat die Frist für die Aufnahme neuer Unternehmen in wichtige Indizes zuletzt deutlich verkürzt. Das ist relevant, weil weltweit rund 30 Billionen US-Dollar an Vermögen passiv Indizes nachbilden.

Paul Daggett  „Wenn Unternehmen wie OpenAI oder SpaceX schnell indexfähig werden, entsteht automatisch erhebliche Nachfrage durch ETFs und Indexfonds“  Managing Director, Neuberger Berman

Daggett: Wenn Unternehmen wie OpenAI oder SpaceX schnell indexfähig werden, entsteht automatisch erhebliche Nachfrage durch ETFs und Indexfonds.

Herr Daggett, wie stark beeinflusst künstliche Intelligenz die IPO-Pipeline?

Daggett: KI ist inzwischen das dominierende Thema im Venture-Capital-Markt. Viele junge Unternehmen sind heute von Anfang an AI-native. Das unterscheidet die privaten Märkte stark von den öffentlichen Börsen.

OpenAI und Anthropic wachsen mit enormer Geschwindigkeit und erzielen bereits Milliardenumsätze. Gleichzeitig gibt es im öffentlichen Markt bislang nur begrenzte Möglichkeiten, direkt auf das KI-Thema zu setzen. Genau deshalb dürften solche IPOs auf enorme Nachfrage stoßen.

Bedeutet das automatisch Rückenwind für alle Software-IPOs?

Savvides: Nicht unbedingt. Viele Software-Unternehmen testen derzeit zwar den Markt, aber die Stimmung gegenüber klassischen Softwarewerten bleibt fragil. Investoren suchen sehr selektiv nach Qualität.

Ich glaube daher, dass viele Private-Equity- und Venture-Investoren noch auf bessere Marktbedingungen warten, bevor sie ihre wichtigsten Beteiligungen an die Börse bringen.

Warten Venture-Capital-Investoren inzwischen zu lange auf Rückflüsse?

Daggett: Der Exit-Markt war zuletzt schwächer als viele erwartet hatten. Selbst wenn die großen IPOs kommen, fließt das Geld wegen Lock-up-Fristen oft erst Monate später zurück.

Trotzdem wären erfolgreiche Börsengänge extrem wichtig – vor allem psychologisch. Sie könnten die Stimmung im gesamten VC-Ökosystem deutlich verbessern.

Verlagert sich die eigentliche Wertschöpfung zunehmend in den privaten Markt?

Daggett: Absolut. Früher entstanden die größten Kurssteigerungen oft erst nach dem Börsengang – denken Sie an Amazon oder Google. Heute sehen wir einen erheblichen Teil dieser Wertentwicklung bereits im privaten Markt.

Deshalb wird der Zugang zu hochwertigen Venture-Fonds immer wichtiger. Dort entsteht inzwischen ein großer Teil der Wertschöpfung.

Herr Savvides, wird es bei diesen IPOs überhaupt ein Nachfrageproblem geben?

Savvides: Eher nicht. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie groß wird die Nachfrage tatsächlich? Viele Portfolio-Manager werden sich kaum leisten können, bei einem möglichen SpaceX- oder OpenAI-IPO nicht investiert zu sein.

Der FOMO-Effekt dürfte enorm sein. Diese Unternehmen könnten die Performance ganzer Fonds beeinflussen.

Die Diskussion zeigt: Die Grenze zwischen privaten und öffentlichen Märkten verschiebt sich fundamental. Unternehmen erreichen heute Milliardenbewertungen, globale Marktführerschaft und massive Skalierung, bevor sie überhaupt an die Börse gehen.

Sollten SpaceX, OpenAI oder Anthropic tatsächlich den Schritt aufs Parkett wagen, könnte das nicht nur den IPO-Markt beleben, sondern die gesamte Aktienlandschaft verändern – von Indexfonds über Retail-Investoren bis hin zu institutionellen Allokationen im Technologiesektor.

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