Solvency II auf dem Prüfstand Auf Versicherungsunternehmen kommen neue Regeln zu

Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsicht Bafin  | © Bafin

Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsicht Bafin Foto: Bafin

Versicherer müssen unter dem seit 1. Januar 2016 geltenden Regelwerk Solvency II ausreichend Eigenkapital entsprechend ihrer Risikosituation vorhalten. Das klingt vernünftig und ist es auch. Denn die Unternehmen betreiben risikobehaftete Versicherungs- und Kapitalanlagengeschäfte, während die Versicherungsgelder der Kunden geschützt werden müssen. Doch die Eckpunkte von Solvency II sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Das hochkomplexe Drei-Säulen-Konzept soll noch besser auf seine Anwender und die Marktbedingungen zugeschnitten werden.

Wie die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin in ihrem aktuellen „Bafin-Journal“ berichtet, hat die Europäische Kommission die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) gebeten, ihr bis zum 30. Juni 2020 sogenannte technische Empfehlungen (Technical Advice) für die Überprüfung von Solvency II zu geben. Das heißt, die Vorgaben des europaweit geltenden Aufsichtsregimes werden voraussichtlich überarbeitet. 

Für die Versicherungsunternehmen kommt der sogenannte Review-Prozess nicht überraschend. Bereits mit Inkrafttreten von Solvency II wurde die Kommission verpflichtet, im Jahr 2020 bestimmte Teile des Regelwerks zu überprüfen. Dazu gehören die langfristigen Garantien und Maßnahmen gegen Aktienrisiken, die Methoden, Annahmen und Standardparameter, die bei der Berechnung der Solvenzkapitalanforderung nach der Standardformel verwendet werden, sowie die Vorschriften und Praxen der Aufsichtsbehörden zur Berechnung der Mindestkapitalanforderung (Minimum Capital Requirement – MCR). Außerdem stehen der Nutzen einer verstärkten Gruppenaufsicht und eines verstärkten Kapitalanlagemanagements innerhalb einer Gruppe auf dem Prüfstand.

EIOPA hat bereits mehrere Arbeitsgruppen eingerichtet, in denen auch Bafin-Beschäftigte mitarbeiten. Die europäischen Versicherungsaufseher haben angekündigt, auch die Anwender von Solvency II an Bord zu holen und ihre Erfahrungen zu berücksichtigen. Mit Hilfe öffentlicher Konsultationen sollen sie in die Diskussion einbezogen werden.