Solvency-II-Betrachtung Private Equity ist für Versicherer interessant

Elizabeth Gillam leitet bei Invesco den Bereich EU Government Relations and Public Policy.

Elizabeth Gillam leitet bei Invesco den Bereich EU Government Relations and Public Policy. Foto: Invesco

Versicherungen sollten sich bei ihren Kapitalmarktaktivitäten gegen Abwärtsrisiken absichern. So lautet der Rat von Investmentexperten der Fondsgesellschaft Invesco, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe der vierteljährlichen Publikation Insurer Investment Management Insights (auf Englisch).

Das Dokument enthält einerseits Empfehlungen für aktuelle Herausforderungen in der Kapitalanlage von Versicherungsgesellschaften. Um Abwärtsrisiken abzufedern, sollten Investoren bei ihren Aktien- und Anleiheinvestments auf eine ausreichende Diversifikation achten und auf alternative Anlagen setzen. Das könnten Strategien wie marktneutrale Portfolios oder andere Asset-Klassen sein, die mit traditionellen Anlagen weniger stark korreliert sind.

Auf der anderen Seite erörtern die Autoren von Invesco aktuelle regulatorische Entwicklungen, die für die Anleger der Assekuranz von großer Tragweite sein können. Nachdem die aktuelle Evaluierung des Solvency-II-Regelwerks begonnen hat, rechnet Elizabeth Gillam, Leiterin des Bereichs EU Government Relations and Public Policy, mit einem Ringen zwischen Aufsichtsbehörden und Politik. 

Insgesamt stünden die Themen nachhaltige Finanzen und Klimarisiken weiter ganz oben auf der Agenda der Versicherungsaufsicht. Das gleiche gelte für das Niedrigzinsumfeld, das es für die Versicherer und Pensionskassen schwieriger mache, ihre langfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Gillam zufolge sorgen sich die Aufsichtsbehörden vor allem um die hohen Asset-Preise und das Risiko einer plötzlichen Neubewertung der Risikoprämien. Eine Konjunkturabkühlung könnte das Risiko verschärfen und zu Verlusten für Lebensversicherer und Pensionskassen führen.

Vor diesem Hintergrund gibt der auf Anleger aus Versicherungsunternehmen spezialisierte Charles Moussier einen Überblick (siehe Abbildung) über die seiner Ansicht nach interessantesten Anlageklassen. Seine Analyse zeigt, dass auf Euro lautende Infrastrukturaktien, Private-Equity-Anlagen und am Privatmarkt vergebene Darlehen (Private Lending) heute die – gemessen an den regulatorischen Kapitalanforderungen – profitabelsten Anlageklassen sind. Unternehmensanleihen schneiden in diesem Vergleich schwach ab und liegen am Ende der gezeigten Anlageklassen. 

Renditeerwartungen angepasst um die regulatorisch bedingten Kapitalkosten (10-Jahres-Horizont). Return on Capital = Erwartete Rendite abzüglich 10 Prozent * Regulatorische Solvabilitätskapitalanforderung (SCR). Daten in Euro zum 30. September 2019. 
Quelle: Invesco 

Moussier zufolge können Versicherer ihr Anlagerisiko durch eine Diversifikation in alternative Anlagen mindern. So könnten insbesondere vorrangig besicherte Kredite (Senior Secured Loans) das Portfoliorisiko diversifizieren und die Portfoliorendite verbessern, während Investment-Grade-Anleihen aus Schwellenländern und US-amerikanische Unternehmensanleihen nach der Absicherung in Euro sinnvolle Optionen für Liability-Matching-Portfolios sein könnten.