Anwendungsbeispiel Digitale Tools machen KMU-Finanzierungen für Vermögensverwalter zugänglich

Patrick Stäuble von Teylor

Patrick Stäuble von Teylor: Über digitale Plattformen werden KMU-Finanzierungen für Vermögensverwalter investierbar. Foto: Teylor

Private Debt ist nach Private Equity und direkten Immobilienanlagen die drittgrößte alternative Anlageklasse. Dieses Segment konzentriert sich hauptsächlich auf Finanzierungssituationen für private Unternehmen über den Fremdkapitalteil der Kapitalstruktur, wie zum Beispiel die direkte Kreditvergabe von Unternehmen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das Volumen solcher Private-Debt-Transaktionen hat in den letzten zehn Jahren in Europa erheblich zugenommen, und der deutsche Mittelstand spielt immer häufiger eine Schlüsselrolle in den Anlagestrategien vieler General Partner (GPs).

 

Die Anlageklasse bietet bekanntlich zahlreiche Vorteile: Professionelle Anleger nutzen Private Debt zur Portfoliodiversifizierung. Die Renditen können andere festverzinsliche Instrumente wie Investment-Grade-Anleihen übertreffen und bieten gleichzeitig ein angemessenes Kreditrisiko. Die finanzierten Unternehmen profitieren von flexibleren Finanzierungsbedingungen im Vergleich zu traditionellen Bankfinanzierungen und schnelleren Entscheidungsprozessen.

Trotz der Vorteile, die Private Debt sowohl für Investoren als auch für Kreditnehmer bietet, sind die Hürden für Investitionen in KMU-Kredite hoch: Origination, Due-Diligence und Deal-Analyse sind kostenintensiv und das Portfoliomanagement ist aufwendig. Investitionen in Privatkredite erfordern oft hohe Mindestbeträge und lange Laufzeiten. Private Investoren wollen sich jedoch meist nicht länger als 12 bis 18 Monate an eine illiquide Investition binden.

Digitaler Ansatz schafft Liquidität

Digitale Tools können diese Herausforderungen lösen. Im Fall von Teylor ist die Finanzierungsplattform  eine technologiebasierte Lösung für den KMU-Kreditmarkt. KMU können über einen webbasierten Prozess für Finanzierungsanfragen sofort ein Term-Sheet für eine Finanzierung erhalten. Diese Fremdfinanzierungen werden zum Teil über Partnerbanken und zum Teil über den Teylor Debt Fund I finanziert, ein Investmentvehikel der hundertprozentigen Teylor-Tochter Teylor Capital. Ziel des Fonds ist es, Investitionen in private KMU-Kredite durch den Einsatz moderner Technologie zu erleichtern.

Digitale Technologien vereinfachen die Investitions- und Portfoliomanagementprozesse. Während Banken oft mehrere Monate benötigen, um einen Deal von der Analyse bis zum Abschluss zu bringen, kann über Digitalisierung das Onboarding, Pre-Screening und Underwriting von Transaktionen erheblich beschleunigen. Fonds erhalten wiederum über Plattformen Zugang zu einem wachsenden Pool hochwertiger Kreditnehmer und macht die Deal-Pipeline und die Investitionsstrategie für GPs zugänglich. Durch diesen technologiegesteuerten Ansatz können Investoren ihre Asset-Allokation ausweiten, die Markteintrittsbarrieren senken und ihren IRR verbessern. 

Unter anderem hat der Genfer Vermögensverwalter Weisshorn Asset Management in den Teylor Debt Fund I investiert. Alexandre Gulino, Managing Partner & CIO bei Weisshorn Asset Management, erklärt die Hintergründe wie folgt: „Private Debt war schon immer eine illiquide Anlageklasse. Vermögensverwalter wie wir stehen vor der Herausforderung, innovative und effiziente Anlagelösungen zu finden, die unsere traditionelle Asset-Allokation ergänzen.“ Eine Digitalisierung transformiere traditionelle Investments. „Wir werden die Ergebnisse dieses innovativen Ansatzes in der mittel- und langfristigen Performance unserer Portfolios sehen.“

Ein sich beschleunigender Trend

Die Finanzbranche insgesamt wird immer technologieorientierter; das gilt auch für Private Debt. Die Covid-Pandemie hat zu diesem Trend sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite beigetragen. Die Nachfrage der KMU nach Privatkrediten ist gestiegen, da die Banken ihre Kriterien für die Kreditvergabe verschärft haben. Auch im aktuellen Marktumfeld werden Banken wieder restriktiver. Vorschriften wie Basel III, die die Banken zwingen, ihre Eigenkapitalanforderungen zu erhöhen, tragen ebenfalls zu einer restriktiveren Kreditvergabe bei. Darüber hinaus bietet der Wirtschaftseinbruch im Rahmen der Energiekrise in Europa privaten Kreditfonds mehr Möglichkeiten, sich in den Bereichen Opportunistic Credit, Distressed und Special Situations zu engagieren.

„Die Art und Weise, wie ein Kreditangebot unterbreitet wird, wird die weitere Entwicklung des Private-Debt-Marktes entscheidend prägen“, sagt Alexandre Gulino und ergänzt: „Die Nachfrage nach Fremdkapital vonseiten der KMU dürfte weiter steigen.“ Dank neuer Zugangswege könne auch das Kapitalangebot zunehmen, da die Technologie neue Vertriebskanäle schafft und die Kreditzyklen verkürzt.

 

Alexandre de Boccard, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Weisshorn Asset Management und Mitbegründer von OA Legal, teilt seine Eindrücke: „Die Standardisierung und Digitalisierung der Due-Diligence von PMEs senkt die operativen Kosten für private Fremdkapitalemissionen und gewährleistet eine hohe Transparenz gegenüber den Investoren. Ich habe in letzter Zeit einen sich beschleunigenden Trend bei der privaten Fremdfinanzierung von KMU beobachtet, was sowohl für KMU als auch für Investoren sehr positiv ist.“

Die Pandemie hat auch den Trend zur digitalen Finanzierung im Allgemeinen beschleunigt. Sowohl KMU als auch Investoren sind nun eher bereit, digitale Vertriebskanäle zu nutzen. Dadurch erhalten KMU schnelleren Zugang zu Kapital und Investoren erhalten Zugang zu qualitativ hochwertigen Krediten mit attraktiver Vergütung und bereits abgeschlossener Due-Diligence. Entsprechende Lösungen sitzen an der Schnittstelle zwischen Kreditnehmern und Investoren und bieten allen Marktteilnehmern einen technologiegestützten Marktzugang.  

Über den Gastautor:
Patrick Stäuble ist Gründer und Geschäftsführer des Schweizer Technologieunternehmens Teylor. Stäuble gründete die Teylor AG 2018 in Zürich. Zuvor war er beim Zürcher Fintech Numbrs als Vertriebsleiter und Produktmanager tätig, nahm als Militärbeobachter an einer Mission im Kosovo teil und gründete das Unternehmen Studenttranslate.