Smart Contracts, E-Governance & Co. Der wahre Wert der Blockchain

Ralf Reich von der Beratungsboutique Mindtree: Wie die Blockchain-Technologie unseren Alltag zum besseren verändern kann. | © Mindtree

Ralf Reich von der Beratungsboutique Mindtree: Wie die Blockchain-Technologie unseren Alltag zum besseren verändern kann. Foto: Mindtree

Die Kryptowährung Bitcoin wird aktuell von verschiedenen Seiten wegen der heftigen Kursschwankungen kritisiert. Immer wieder ist von einer Spekulationsblase die Rede. Zentralbanken fordern eine stärkere Regulierung.

Doch sollte man sich vor Augen führen, dass das alles aus der hohen Nachfrage nach Bitcoins entstand. Den Wert der Währung hat der Markt geschaffen. Kritisiert wird dessen unkontrolliertes Wachstum, nicht die Technologie hinter den digitalen Münzen. Und die Blockchain kann noch weit mehr, als eine sichere digitale Währung zu schaffen. Sie bietet das Potential, ganze Märkte und Branchen zu verändern.

Das Verfahren der kryptographischen Verkettung einzelner Blöcke, auf dem die Blockchain basiert, wurde bereits Anfang der 1990er Jahre von Stuart Haber und W. Scott Stornetta beschrieben. Dabei werden einzelne Transaktionsdaten zu Blöcken zusammengefasst. Jeder neugenerierte Block trägt Daten aus einem vorangegangenen in sich, so entsteht eine Kette, die Blockchain.

Diese macht nachträgliche Veränderungen einzelner Blöcke unmöglich, denn bei der Veränderung eines Blocks würden sich auch seine Nachfolger verändern und somit das ganze System. So wird jede einzelne Transaktion nachvollziehbar. Die Blockchain liegt auch nicht irgendwo auf einem zentralen Server, der sie kontrollieren könnte, sie ist dezentral über die Welt verteilt. Jeder neue Block wird durch ein Konsensprinzip, wie Proof-of-Work oder Proof-of-Stake, auf seine Gültigkeit geprüft. Das macht das System fälschungssicher und transparent. Außerdem können Vertragspartner ohne Mittelsmänner und langwierige Prozesse direkt in Verhandlung treten.

Gesundheit und Datenschutz

Unser Gesundheitssystem ist heute weitverzweigt und hochgradig spezialisiert. In den meisten Fällen besuchen Patienten zunächst ihren Hausarzt, werden dann von diesem zu einem Facharzt oder in ein Krankenhaus überwiesen. Dabei gehen die Patientenakten durch viele Hände.

Digitale Patienteninformationen, die in einer Blockchain gespeichert werden, können von allen beteiligten Praxen sofort abgerufen und ergänzt werden. Unnötige Wartezeiten, die durch fehlende Patientendaten entstehen, fallen dadurch weg. Durch das Blockchain-System können auch die Arzthonorare erfasst, verwaltet und an Krankenversicherer weitergeleitet werden. Die ständige Verschlüsselung garantiert, dass der Datenschutz gewahrt wird und Patientenakten nicht in falsche Hände gelangen.

Auch das heikle Thema Patientenverfügung und Organspende könnte die Blockchain lösen. Wenn diese Informationen immer verfügbar sind können Angehörigen von unheilbarkranken Patienten schwere Entscheidungen erspart werden.

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 Quelle: Mindtree

Der gläserne Mensch

Datenschutz ist allgemein ein Thema, das die Bürger bewegt. Immer mehr Menschen reflektieren, was sie über sich im Internet preisgeben und möchten die Kontrolle über ihre Daten zurückerhalten. Demgegenüber stehen die Datensammler aus dem Silicon Valley.

Die Speicherung personenbezogener Daten in einer Blockchain erlaubt es Informationen selektiv zu übermitteln, wenn etwa ein Altersnachweis verlangt wird, kann dieser, und nur dieser, an eine Website gesendet werden. Besonders im Hinblick auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die im Mai in Kraft tritt, stellt Blockchain einen Fortschritt dar: Ein Digitale-Identitäten-System versetzt die Bürger in die Lage, selbst zu entscheiden, wer welche Daten erhält und damit ist eine Grundforderung der neuen Richtlinie erfüllt.

Der digitale Staat

Estland führte bereits 2015 ein Blockchain-basiertes E-Residency-Programm ein. Jeder Bürger kann dort einen virtuellen Wohnsitz anmelden und erhält anschließend eine Chip-Karte, die nahezu alle Behördengänge überflüssig macht. Nur um diese Karte abzuholen, zu heiraten oder ein Grundstück zu kaufen müssen die Esten noch persönlich auf dem Amt erscheinen. Sogar Firmen können online gegründet werden.

Auch die Schweiz verfolgt bereits Pläne für die Einführung einer digitalen Identität, in Zug gibt es sie bereits seit September. Auf lange Sicht könnten digitale Identitäten Personalausweise und Reisepässe vollständig ersetzen. Die digitale Identität würde zudem Wahlen über das Internet ermöglichen, was sie für die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie besonders interessant macht. Auch andere Staaten, die mehr direkte Beteiligung erwägen, aber bisher Bedenken bezüglich Aufwand oder Sicherheit haben, könnte die Blockchain-Technologie umstimmen.