Small Caps in Schwellenländern In diesen Sektoren schaffen aktive Manager Mehrwert

Kellner einer indischen Kaffeehaus-Kette: Anleger sollten sich an den am schnellsten wachsenden Unternehmen in aufstrebenden Ländern beteiligen.  | © Getty Images

Kellner einer indischen Kaffeehaus-Kette: Anleger sollten sich an den am schnellsten wachsenden Unternehmen in aufstrebenden Ländern beteiligen. Foto: Getty Images

Small Caps aus Schwellenländern (EM-Small Caps) bieten angesichts des aktuellen Anlageumfelds eine sinnvolle Investmentmöglichkeit. Argumente dafür sind die große Zahl an fehlbewerteten Wertpapieren, Marktineffizienzen sowie der Mangel an Research. In der Anlageklasse bieten sich daher erhebliche Chancen zur Generierung von Überrenditen. Small Caps aus Schwellenländern werden oft falsch eingeschätzt und entscheidende Stärken bleiben unberücksichtigt. Ein aktiver Manager kann hier viel Potenzial erschließen.

Small Caps aus Schwellenländern sind kein Nischenmarkt

Entgegen der landläufigen Auffassung sind Small Caps aus Schwellenländern kein Nischenmarkt. Die Anlageklasse repräsentiert mehr als 24.870 Unternehmen mit einem Börsenwert von insgesamt mehr als 10,2 Billionen US-Dollar und einem Tagesumsatz von mehr als 70 Milliarden US-Dollar, wie Bloomberg errechnet hat. Die Liquidität der EM-Small-Caps ist daher mit der Liquidität von EM-Large-Caps vergleichbar.

Folglich ergeben sich schon allein aufgrund der Größe des Anlageuniversums der Small Caps aus Schwellenländern wichtige Ansatzpunkte für aktive Manager. Sie finden reichliche Gelegenheiten, fehlbewertete Unternehmen zu entdecken. Darüber hinaus gilt: EM-Small-Caps sind überdurchschnittlich oft im Besitz von inländischen Privatanlegern, die häufig einen kürzeren Anlagezeitraum haben als ausländische institutionelle Anleger und daher häufiger handeln. Dieses Anlegerverhalten wirkt sich in der Regel positiv auf die Liquidität aus.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Indien. Anleger können aus einer beeindruckenden Titelanzahl kleinerer Unternehmen auswählen, die sich häufig im Besitz lokaler Anleger befinden. Aus dem außerordentlich starken Aktienengagement lokaler Anleger kann sich zugleich eine korrelationsfreie Outperformance ergeben, die Large-Cap-Anlegern entgeht.

Ein großer Unterschied zwischen Small Caps aus Industrieländern und ihren Pendants aus Schwellenländern besteht darin, dass EM-Small-Caps oft wichtige Anbieter in ihren lokalen Märkten sind. Trotz einer im Vergleich mit Industrieländern relativ geringen Marktkapitalisierung von beispielsweise 5 Milliarden US-Dollar sind viele Unternehmen in einem bestimmten Land, Index oder Sektor führend – etwa weil es sich um ein etabliertes Unternehmen mit langer Erfolgsgeschichte handelt. Viele dieser Unternehmen sind im Familienbesitz oder werden von Familien beherrscht, und viele sind im Vergleich zu Small Caps aus Industrieländern Unternehmen mit stabiler Führung.

Wertschwankungen nicht zwangsläufig stärker

Ein weiteres Missverständnis bei Investments in Small Caps aus Schwellenländern ist die Annahme, dass deren Wertentwicklungen stärker schwanken als die von Large Caps. So wie bei allen Anlagen sind natürlich auch mit EM-Small-Caps Risiken verbunden. Einige dieser Risiken werden jedoch zu sehr verallgemeinert; etwa die im Vergleich zu Industrieländern vermeintlich höhere Volatilität.

Auch wenn einzelne Aktien tatsächlich äußerst volatil sein können, sind die Korrelationen unterschiedlicher Small-Cap-Unternehmen aus Schwellenländern allgemein geringer, was teilweise auf die Expansionsneigung und die Diversität der Unternehmen innerhalb dieses Anlagebereichs zurückzuführen ist. So wird beispielsweise die Aktie eines südkoreanischen TV- und Online-Shopping-Unternehmens in der Regel nicht durch dieselben Faktoren beeinflusst wie ein indischer Zementherstellertitel. Tatsächlich ist die Gesamtvolatilität des MSCI EM Small Cap Index für die Drei- und Fünfjahreszeiträume zum 31. Dezember 2017 niedriger als die des MSCI EM Large Cap Index, wie nachfolgende Grafik zeigt.

Grafik 1: Volatilität von Small-Cap-Unternehmen aus Schwellenländern im Vergleich zu Large Caps (zum 31. März 2018)

                                                                                                 Quelle: Franklin Templeton