Agilität statt Megadeals Warum Small Caps im KI-Zeitalter die bessere Private-Equity-Wahl sind

Thomas Weinmann, Geschäftsführer (CEO) und Gründer von Reia Capital.

Thomas Weinmann, Geschäftsführer (CEO) und Gründer von Reia Capital. Bildquelle: Reia Capital

Nach einer Phase schwacher Aktivität erfährt der Private-Equity-Markt seit vergangenem Jahr eine vorsichtige Belebung. Das Small-Cap-Segment sticht dabei besonders hervor, da es hohe Renditemöglichkeiten und bessere Einstiegschancen bei niedrigeren Bewertungen bietet. Definieren lassen sich Small Caps primär über ihren (Brutto-)Kaufpreis von weniger als 100 Millionen Euro. Mid Caps liegen meist im Bereich zwischen 100 Millionen und rund 750 Millionen Euro und das Large-Cap-Segment beginnt entsprechend darüber, spätestens aber bei einer Milliarde Euro.

Zum Venture-Capital-Sektor werden Small Caps durch ihre operative Reife abgegrenzt: Small-Cap-Investments fokussieren sich auf etablierte, profitable Unternehmen. In der Regel wird der Unternehmenswert in diesem Segment auf Basis von EBITDA-Multiplikatoren ermittelt. Investoren zielen in erster Linie auf Mehrheitsbeteiligungen ab, da sie auf diese Weise operative Kontrolle ausüben und Transformationsprozesse umsetzen können.

Arbitrage-Potenziale und operative Wertsteigerung

Small-Cap-Investments profitieren maßgeblich von einer hohen Marktintransparenz. Im Gegensatz zum hocheffizienten Large-Cap-Markt agieren die Verkäufer teils ohne hochspezialisierte Berater, die einen perfekten Bieterwettbewerb garantieren könnten. Dies führt zu moderaten Einstiegsmultiples, die durch die Bereitschaft der Altgesellschafter, für eine Übergangsphase weiter am Unternehmen beteiligt zu bleiben, zusätzlich stabilisiert werden.

Das tatsächliche Wertsteigerungspotenzial von Small Caps basiert auf vier Säulen. Die erste ist die Professionalisierung. Viele Zielunternehmen weisen Verbesserungspotenziale in der Unternehmensführung auf. Eine Verbreiterung der Geschäftsführung und die Einführung moderner Reporting-Systeme sind Standardmaßnahmen. Hierdurch sollen Umsatz- und Gewinnwachstum deutlich beschleunigt sowie der Working-Capital-Bedarf gesenkt werden.

Die zweite Säule stellen Zusatzakquisitionen dar. Diese dienen einem Markteintritt in neuen Regionen sowie der Erweiterung des Produkt- beziehungsweise Dienstleistungsportfolios. Beim Aufbau der hierfür notwendigen personellen Ressourcen unterstützen Private-Equity-Fonds maßgeblich.

Die dritte Säule liegt in der Bereitstellung von finanziellen Mitteln. Hierdurch sollen nicht nur Zusatzakquisitionen, sondern auch Kapazitätserweiterungen oder der Aufbau neuer Standorte unterstützt werden.

Die vierte Säule bildet ein professioneller Unternehmensverkauf. Zum Verkaufszeitpunkt ist nicht nur eine sogenannte Equity Story erforderlich, sondern auch ein professionell geführter Verkaufsprozess ist deutlich werttreibend und steigert zusätzlich die Bewertungsmultiplikatoren. Alle vier Säulen zusammen ermöglichen Überrenditen, die in diesem Maße bei größeren Unternehmen in der Regel nicht mehr erzielbar sind.

 

KI als disruptiver Hebel für Agilität

Eine Marktveränderung, die Small Caps ganz besonders stark betreffen dürfte, ist die künstliche Intelligenz. In ihrer Wirkmacht wird sie die kommerzielle Erschließung des Internets aus heutiger Sicht deutlich übertreffen. Die Kosten zur Umsetzung einer KI-Strategie sind relativ niedrig, sodass sich selbst Unternehmen mit kleinen Budgets schnelle Verbesserungen leisten können. Die flachen Hierarchien und geringeren internen Widerstände in der Belegschaft im Vergleich zu Großkonzernen sind für Small Caps entscheidende Vorteile bei deren schnellerer Umsetzung.

Initial können Unternehmen mit der Einführung von KI ihre Effizienz steigern. Sie ermöglicht es kleinen Teams, Wachstum ohne den proportionalen Aufbau von Personalstrukturkosten zu realisieren. Langfristig muss aber das Risiko einer KI-Preisinflation im Blick behalten werden. Es ist bereits jetzt sichtbar, dass Anbieter beliebter KI-Tools ihre Preissetzungsmacht nutzen. Dennoch haben technologisch agile Small Caps das Potenzial, schwerfällige Marktführer durch eine höhere Innovationsgeschwindigkeit zu verdrängen.

Renditeprofile und Finanzierungsstrukturen

Vorteile zeigen sich bei Small Caps auch bei den Renditeerwartungen. Mit angestrebten Bruttorenditen von 25 bis 30 Prozent und mehr liegen sie deutlich über dem Large-Cap-Durchschnitt. Als Ziel können Investoren einen Risikoprämien-Spread von 500 bis 1.000 Basispunkten gegenüber größeren Transaktionen anstreben.

Risikoreduzierend ist dabei eine konservative Leverage-Strategie. Während Large Caps mit dem 6- bis 7-fachen EBITDA gehebelt werden, bewegen sich Small Caps regelmäßig in einem Korridor des 2- bis 3-fachen EBITDA. Dies reduziert die Sensitivität gegenüber dem aktuellen Hochzinsumfeld massiv. Zudem erfolgt die Fremdkapitalaufnahme meist über lokale Hausbanken. Die daraus resultierende Konzentration auf wenige Gläubiger ermöglicht in Krisenszenarien eine deutlich schnellere und direktere Restrukturierung als in komplexen Syndikaten oder Debt-Fonds-Strukturen mit mehreren hundert Teilnehmern.

Regionaler Fokus und das aktuelle Exit-Umfeld

Geografisch haben sich in Europa regelmäßig höhere Renditen bei Fondsinvestments in Nordeuropa, Großbritannien und der Benelux-Region gezeigt. Diese Märkte haben aufgrund ihrer institutionellen Reife und Transparenz strukturelle Vorteile, während im restlichen Europa die Selektion eine weitaus schwierigere Aufgabe darstellt.

Das Exit-Umfeld gestaltet sich jedoch aufgrund geopolitischer Unsicherheiten anspruchsvoll. Die Spannungen im Mittleren Osten sind ein Störfaktor, der die Rohstoffpreise treibt und die Planungssicherheit einschränkt. Verkäufe von Small Caps durch Private Equity gehen derzeit vor allem an Unternehmen, die durch Akquisitionen technologische Lücken schließen. Da Private-Equity-Fonds in der Regel keinem Verkaufszwang unterliegen, werden Exits bei ungünstigen Rahmenbedingungen eher verschoben, um die Zielrenditen nicht zu gefährden. 

 

Risikomanagement und Manager-Selektion

Trotz der interessanten Renditeaussichten birgt das Segment einige Herausforderungen. Das „Key-Person-Risk“ ist bei kleinen Unternehmen besonders ausgeprägt, da der Erfolg oft an wenigen Entscheidungsträgern hängt. Zudem gilt es, kulturelle Differenzen zwischen Finanzinvestoren und mittelständischen Unternehmern in die Planung miteinzubeziehen.

Für Anleger ist daher der Zugang zu spezialisierten Managern entscheidend, die über echte operative Sektorexpertise verfügen und eine partnerschaftliche Kommunikation mit den Gründern und dem Management der Portfoliounternehmen sicherstellen. Diversifikation über mehrere Fonds ist dringend geraten, um Einzelwertrisiken zu minimieren. Angesichts der Tatsache, dass Top-Quartil-Manager im Small-Cap-Bereich ihr Fondsvolumenwachstum oft bewusst begrenzen, um ihre Strategie nicht zu verwässern, bleibt der Marktzugang eine der größten Hürden für institutionelle Investoren.

Fazit: Unveränderte Überlegenheit von Small Cap Investments

Small Cap Private Equity bietet ein Risiko-Rendite-Profil, das Large-Cap-Fonds unter den aktuellen Marktbedingungen kaum replizieren können. Basis hierfür sind moderate Einstiegsmultiples, konservative Kapitalstrukturen und operative Transformationstiefe. Der Eintritt generativer KI verstärkt diesen Vorteil strukturell zugunsten agiler Mittelständler.

Für institutionelle Investoren bleibt eine entscheidende Herausforderung: die Managerselektion. Im Fokus muss hier die Suche nach Fondsmanagementteams mit operativer Expertise und auf Augenhöhe mit dem Mittelstand sowie belastbaren Sourcing-Modellen abseits kompetitiver Auktionen sein. Wer diese Teams identifizieren kann, findet im aktuellen Marktumfeld im Small Cap Private Equity eines der aussichtsreichsten Investmentsegmente.


Über den Autor: 

Thomas Weinmann ist Gründer von Reia Capital und seit mehr als 25 Jahren im Private Equity aktiv und kennt die Branche als Private Equity- und Dachfonds-Manager. Zudem ist er in mehreren Verwaltungsräten tätig. 

Hinweis der Redaktion: Der Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Einschätzung des Autors wieder und ist nicht als neutrale Marktanalyse zu verstehen.   

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