Silke Roth und Benjamin Fischer im Gespräch „Der Eltif fühlt sich ähnlich wie eine Aktie an“

Benjamin Fischer von Blackrock und Silke Roth von der Deutschen Bank im Gespräch über die Vorteile von Eltif-Investments für die Kunden und den Initialaufwand entsprechender Vertriebskooperationen | © Blackrock, Deutsche Bank

Benjamin Fischer von Blackrock und Silke Roth von der Deutschen Bank im Gespräch über die Vorteile von Eltif-Investments für die Kunden und den Initialaufwand entsprechender Vertriebskooperationen Foto: Blackrock, Deutsche Bank

private banking magazin: Den European Long-Term Investment Fund, kurz Eltif, gibt es bereits seit 2015. Warum dürfte seine Bedeutung künftig zunehmen?

Benjamin Fischer: Es ist kein großes Geheimnis, dass die Renditen von klassischen Anlagen zunehmend unter Druck kommen. Konnten Anleger in den vergangenen zehn Jahren mit einem europäischen 60:40-Portfolio aus Aktien und Anleihen noch eine Rendite von 7,5 Prozent erzielen, dürften die Renditen in den kommenden zehn Jahre deutlich niedriger ausfallen. Die Prognose unseres Blackrock Investment Institute geht von 3,3 Prozent für ein solches klassisches Portfolio aus. Zudem schauen Anleger ja nicht nur auf die Rendite, sondern auch die Risikostreuung. Und die Korrelationen sind zwischen vielen Anlageklassen seit der Finanzkrise gestiegen. Private-Markets-Anlagen könnten insofern ein probates Mittel sein, um Rendite und Diversifikation in einem Portfolio zu steigern.

Bislang spielten Private-Equity- und Private-Debt-Investments aber kaum eine Rolle im Vermögen von Privatanlegern.

Fischer: Bisher war der Zugang für Privatanleger einfach schwierig oder kaum möglich, weil das passende Investmentvehikel fehlte. Und da ist jetzt die Eltif-Regulierung eine sehr interessante Möglichkeit.

 Quelle: Blackrock

Früher gab es den geschlossenen Fonds mit seiner KG-Struktur und seit 2013 den Alternativen Investmentfonds. Worin liegt der Unterschied des Eltifs zu diesen Vehikeln?

Silke Roth: Die Eltif-Regulierung hat es für uns deutlich einfacher gemacht, unseren Kunden illiquide Kapitalanlagen mit hoher Transparenz anzubieten. Die Nachfrage hat es immer gegeben. Die Herausforderung war,  investierbare Vehikel für Privatkunden zu finden. Nun gibt es die Eltif-Regelungen: Dachfondskonstruktion, wie es unter einer KG-Struktur gab, sind nicht erlaubt. Dadurch ist  ein Eltif viel kostentransparenter. Bei früheren Dachfonds wusste man zum Zeitpunkt der Auflegung nicht, was ein Zielfonds kosten wird. Wichtig für uns im Geschäft mit Vermögenskunden der Deutschen Bank ist zudem die Diversifikation, die das Eltif-Regime vorschreibt: Sie müssen mindestens zehn Positionen in einem Eltif halten, dürfen nur bis 30 Prozent Fremdkapital auf Fondsebene aufnehmen, Derivate nur zur Kapitalabsicherung einsetzen, und für uns ganz wichtig: Ein Eltif ist rechtlich gesehen ein Wertpapier. Heißt: Der Fonds wird in einem Depot verbucht, und der Kunde bekommt vierteljährlich eine Bewertung seiner Investition zum Nettoinventarwert. Er hat dann also einen Kurs des Fonds im Depot.

Fischer: Für uns als Produktanbieter kommt noch der Vorteil hinzu, dass wir den European Long-Term Investment Fund mittels EU-Passporting in ganz Europa vertreiben können. Die frühere KG-Struktur war ein deutsches Vehikel. Nun ein Produktvehikel für ganz Europa zu haben, ist ein Riesenvorteil.

Geschlossene Fonds hatten auch das Thema der nicht festgelegten Laufzeit. Ändert sich daran etwas?

Roth: Auch hier unterscheidet sich der Eltif positiv. Man hat beispielsweise bei dem Blackrock Private-Equity-Eltif zehn Jahre Laufzeit mit der Möglichkeit, zweimal um ein Jahr zu verlängern. Am Ende der Laufzeit muss der Asset Manager verbleibende Investments veräußern und den Fonds liquidieren.